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Wirtschaftlich nicht lohnenswert Gerüchte um Übernahme der Postfiliale in Melle

Von Kirsten Muck | 10.12.2015, 11:58 Uhr

Seitdem bekannt ist, dass die Postfiliale im Markant-Markt zum Jahresende schließt, gehen in Melle diverse Gerüchte um, wer nun die Filiale übernehmen könnte.

Derjenige, der häufig als potenzieller Nachfolger von Brörmann genannt wird, ist Sören Maßmann. Maßmann betreibt den Tabakwarenladen am Markt. Und er hatte bereits vor Stefan Brörmann eine Postfiliale in seinem Geschäft untergebracht. Ende Januar 2010 gab er die Filiale ab, die er erst im Mai 2009 übernommen hatte. Er habe der Post zwar angeboten, Gespräche über eine mögliche, erneute Einrichtung einer Postfiliale in seinen Geschäftsräumen zu führen. Doch die Post sei bislang nicht darauf eingegangen, räumt Maßmann mit den Gerüchten auf. Wohl auch, weil er nur den Postschalter, nicht aber den Postbank-Schalter anbieten würde.

Nicht die besten Erfahrungen

Denn Maßmann hat mit der Postfiliale nicht die besten Erfahrungen gemacht. „Mir wurde suggeriert, wenn ich die Postfiliale übernehme, würde ich nebenbei ein bisschen Post machen“, erinnert sich Sören Maßmann. Doch es kam genau umgekehrt. „Irgendwann habe ich nur noch Post gemacht“, sagt er. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz mit dran.“

Margen verschwindend gering

Wenn sich dann das Betreiben einer Postfiliale wirtschaftlich nicht lohnt, springen die Einzelhändler ab. Maßmann und Brörmann sind gute Beispiele dafür. Denn die Margen sind verschwindend gering, mitunter nicht existent. „Wer für die Filiale extra Miete zahlen muss, zahlt drauf“, sagt Maßmann. Die Post habe nur die Lohnkosten für die Angestellten erstattet. Sowohl für den Postschalter als auch für den Postbankschalter gebe es fixe Summen. Bei Briefen und Paketen gebe es kleine Provisionen. Das Risiko jedoch gibt die Post komplett an den Einzelhändler ab. Krankheit und Urlaub der Angestellten muss der Einzelhändler ausgleichen. „Wenn dann am Ende 200 oder 300 Euro übrig bleiben, ist das schon gut“, sagt Maßmann. Da überrascht es nicht, dass Einzelhändler genervt die Post abgeben. „Aus wirtschaftlichen Gründen verbietet es sich, das zu übernehmen“, so Maßmann.

1998 alte Post geschlossen

Bevor Maßmann die Postfiliale übernommen hatte, war sie an der Mühlenstraße 20 untergebracht. Dort hat heute die Firma Knabe Immobilien ihre Geschäftsräume. Davor gab es noch das alte Postamt, das Ende 1998 geschlossen wurde. Heute nutzt George Trenkler mit seinem Bioladen die Räumlichkeiten der alten Post, die 1888 in dieses Gebäude zog.

„Post verdammt in der Pflicht“

Die Schließung der Post und die Ungewissheit um die Nachfolge war am Mittwoch auch Thema in der Ratssitzung. Auf Nachfrage von Heiko Grube berichtete Reinhard Scholz, dass die Stadt eindeutig die Post in der Verantwortung sieht, sich um ein flächendeckendes Filialnetz zu kümmern. Nach der Ankündigung von Stefan Brörmann, die Filiale zum Jahresende zu schließen, habe die Stadt bei der Post schriftlich interveniert, es gebe jedoch noch keine endgültige Lösung. Die Stadt werde jedoch in keinem Fall die Mietkosten für einen privaten Dienstleiter übenehmen, betonte der Bürgermeister und fügte sichtlich echauffiert hinzu: „Die Post ist verdammt in der Pflicht“.