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„Wir liegen mitten im Weg“ Meller Flashmob: Pflegekräfte protestieren gegen Notstand

Von Marita Kammeier | 17.12.2015, 17:23 Uhr

Aufmerksamkeit haben zahlreiche Menschen auf dem Marktplatz geweckt, die in Pflegeberufen arbeiten und mit einem Flashmob an der bundesweiten Aktion „Pflege am Boden“ teilgenommen haben.

Passanten bahnten sich mühsam und etwas verwundert den Weg entlang der auf Isomatten am Boden liegenden Krankenschwestern und Pflegekräfte des CKM (Christliches Klinikum Melle). „Das ist Quatsch, kein geeigneter Ort, und das Thema belastet mich. In der Adventszeit möchte ich fröhlich sein“, reklamierte eine Beobachterin.

Andere wiederum schimpften auf die Politik. Doch die meisten Menschen zeigten Interesse. Sie lasen aufmerksam die Schilder und Banner, wollten wissen, was denn damit gemeint sei. „Wenn wir mitten im Weg liegen, dann wird nachgedacht“, erklärte Rudolf Benter, Lehrer für Pflege. „Warum finden wir kaum noch Leute, die in Altenheimen, Krankenhäusern und Sozialstationen arbeiten wollen?“

„Fürsorge kommt zu kurz“

Es war bereits die dritte Aktion des Protestes von Pflegekräften, um die Öffentlichkeit auf die schlechte Situation in diesem Berufszweig hinzuweisen. „Wir haben immer weniger Zeit und Personal für mehr Menschen, die Hilfe brauchen“, meinte die Krankenschwester Marika Dessin, während sie auf den Text ihres Schildes zeigte.

Dort stand geschrieben: „Wenn morgen entweder alle Unternehmensberater, Investmentbanker und Aktionäre tot umfallen würden oder plötzlich alle Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute und Altenpfleger fortgegangen wären, wen würden Sie dann vermissen?“

„Wir liegen am Boden. Unsere Arbeit mit Fürsorge und Betreuung von bedürftigen Menschen kommt zu kurz und wird immer belastender“, so lautete die symbolstarke Aussage der Gruppe, die vom Gesetzgeber eine Reformierung der Pflegepolitik fordert, um die Situation für Pflegende, Gepflegte und Angehörige nachhaltig zu verbessern und menschenwürdiger zu gestalten.