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Wie in einem richtigen Theater Schüler der IGS Melle planen ein Musical

Von Kirsten Muck | 11.11.2015, 15:53 Uhr

Kostüme schneidern, Requisiten basteln, ein Bühnenbild bauen, die Bühnentechnik programmieren – das alles gehört ebenso zu einem Theaterstück wie das Schauspielern. Wie aufwendig eine Inszenierung sein kann, erfahren gerade die Schüler der IGS in Melle. Mit Mitarbeitern des Theaters Osnabrück studieren sie in den kommenden eineinhalb Jahren ein Musical ein.

Im Sommer 2017 wollen sie das Musical „Sue oder der Garten der Künste“ an ihrer Schule aufführen. Es ist die Geschichte eines Clochards – eines Landstreichers –, der in einem Park selbst gebastelte Papptheater verkauft. René heißt er, und er träumt davon, einmal Direktor in einem eigenen Theater zu sein. Als er Sue begegnet, erzählt er dem Mädchen von seinem Traum. Und Sue lässt den Traum wahr werden: Sie verwandelt den Park in ein Theater und die Parkbesucher in Darsteller bekannter und auch weniger bekannter Theaterstücke.

Story ist simpel

„Wirklichkeit und Illusion verschwimmen in diesem Stück“, erzählt Olaf Birkhoff, der am Stück mitgeschrieben hat in einem Projekt mit Münsteraner Studenten. Die Story sei simpel und deshalb auch für Schüler gut zu inszenieren.

Damit das Stück im Juni 2017 auch über die Bühne gehen kann, arbeiten sich die Schüler der Klassen 6b und 7c nun in verschiedene Themenbereiche ein, die sie beherrschen müssen. Es gibt fünf Projektgruppen: Kostüm, Bühnentechnik, Requisite, Dramaturgie/Öffentlichkeitsarbeit und Regie/Schauspiel. Mitarbeiter des Osnabrücker Theaters stehen den Schülern in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite. Während eines Besuchs im Theater im September warfen die Schüler schon mal einen Blick hinter die Kulissen.

Tipps fürs Kostüme schneidern

Am Mittwoch besuchten die Theaterleute die Schüler in Melle. Schneiderin Monika Menzler, die 40 Jahre am Theater Kostüme geschneidert hat, zeigte den Mädchen der Projektgruppe Kostüm, wie sie Maß nehmen müssen. Außerdem hatte sie wichtige Tipps für die künftigen Kostümschneiderinnen: „Bei den Jungs müsst ihr die Rückenbreite messen und eventuell auch den Umfang des Oberarms.“

In der Gruppe der Bühnentechniker klärte Thomas Buller vom Osnabrücker Theater die Jungs über wichtige Sicherheitsvorkehrungen auf. „Wenn es hinter der Bühne dunkel wird, wie finde ich dann den Ausgang?“ fragte er in die Runde. Gleich fiel den Schülern auf, dass das beleuchtete Schild Notausgang nie fehlen darf.

Die Inszenierung des Stücks ist Teil eines Projektes vom niedersächsischen Kultusministerium und Bildungsministerium. Schulen sollen sich mehr in Richtung Kultur öffnen und mit Partnern aus dem Kulturbetrieb zusammenarbeiten. Die IGS bekam den Zuschlag für die Kooperation mit den städtischen Bühnen in Osnabrück. 10000 Euro Fördergelder gibt es für das Projekt.

Unbekanntes Potenzial

„Die Schüler lernen in diesem Projekt das Theater ganzheitlich kennen“, erklärt Musiklehrerin Melanie Ortmann, die gemeinsam mit Olaf Birkhoff das Projekt initiiert hat. Außerdem würden sie selbst die Verantwortung für das Gelingen der Inszenierung tragen. Das setze bei vielen Kindern noch unbekanntes Potenzial frei. „Dann laufen Schüler zur Hochform auf“, ist sich Ortmann sicher.

Neben all den pädagogisch wertvollen Erkenntnissen, die die Schüler mitnehmen in die höheren Klassen und ins Berufsleben, hoffen die beiden Lehrer vor allem auf eines: Dass das Theater über die nächsten Jahre Bestand hat und sich zu einer festen Größe an der IGS entwickelt. Denn der musikalische Bereich ist mit einem Chor und Orchester schon gut aufgestellt. „Im Moment haben wir ja noch nichts. Kein Kostümfundus, keine Requisiten, kein Know-how im Bühnenbau“, erzählt Ortmann. Das alles will sie mit ihrem Kollegen nun im Zuge des Projektes aufbauen.

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