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Torkeln für die Karriere Meller beginnt Ausbildung an Schauspielschule

Von Kirsten Muck | 13.07.2014, 18:11 Uhr

Als Kind träumte er davon, einmal Schauspieler zu werden. Lange wagte er nicht, sich auszumalen, wie das wohl wäre, als Profi auf der Bühne zu stehen. Nun kann sich Mathias Olschewski ziemlich gut vorstellen, wie das wird. Ende August beginnt er seine Ausbildung an der Schauspielschule Siegburg.

Als der Laienschauspieler der Waldbühne im Januar den Anruf aus Siegburg bekam, hielt er für einen Moment die Luft an. Es gab eine gute und eine schlechte Nachricht – die schlechte: „Du kannst nicht im April anfangen ...“, die gute: „... dafür aber im August.“ Er war dabei, einer von acht. Mathias Olschewski sagte direkt zu, obwohl er noch Bewerbungen und Vorsprechen an anderen Schulen auf dem Plan hatte.

Ritt durch die Prüfung

Der acht Stunden lange Ritt durch die Aufnahmeprüfung hatte sich also gelohnt. „Ich hatte Lampenfieber, habe gezittert wie sonst was“, erzählt der 22-jährige Meller. Er hatte im Tanz und Ballett, im Singen und in der Stimmbildung sein Können unter Beweis stellen müssen. Am Ende blieben drei Bewerber übrig. Vor acht Dozenten musste Olschewski dann seinen Monolog vorsprechen: Woyzek von Georg Büchner.

„Als ich fertig war, sollte ich den gleichen Monolog noch mal so halten, als sei ich betrunken“, erzählt Mathias Olschewski. Er lallte und torkelte über die Bühne und wurde mittendrin unterbrochen. Das reicht, sagten ihm die Dozenten. Bis Mittwoch rufe ihn jemand an. „Und damit haben die mich dann nach Hause geschickt“, erinnert sich Olschewski. Die Tage des Wartens waren nervenaufreibend.

Jetzt wartet der gelernte Gärtner nur noch auf den Start Ende August. Eine Wohnung in Bonn hat er schon. Vier Jahre dauert seine Ausbildung, die er mit der Bühnenreifeprüfung abschließen wird. Wichtig war ihm bei der Auswahl der Schule, dass Theorie und Praxis Hand in Hand gehen. Da die Schauspielschule ein eigenes privates Theater betreibt, sind die Schüler immer in aktuelle Produktionen eingebunden.

Auf der Bühne zu stehen und vor Hunderten von Menschen zu spielen ist für Olschewski jedoch nichts Neues. Schon als Schüler spielte er an der Waldbühne Melle. 2011 und in diesem Frühjahr war er im Stück „Tratsch im Treppenhaus“ zu sehen. In diesem Sommer spielt er denn gleich mehrere Rollen in „Die drei Musketiere“: Rochefort, den Herzog von Buckingham, ein „Musketier“ in der großen Kriegsszene und den Henker. In jedem Stück in eine andere Rolle zu schlüpfen, mal etwas Komisches, mal etwas Ernstes zu spielen – diese Abwechslung macht für ihn den Reiz des Theaters aus.

Keine Idee liegen lassen

„Jede Vorstellung ist anders. Die Leute lachen an unterschiedlichen Stellen. Und wenn das Publikum gut drauf ist, dann puscht einen das“, schwärmt der Nachwuchsschauspieler. Mit seiner Berufswahl liegt er offensichtlich goldrichtig. Mathias Olschewski ist neugierig auf Menschen, auf Orte. Er beobachtet sehr genau, schreibt sich Ideen und Gedanken in ein Notizbuch. Darin landen auch Fotos, Zitate, Zeitungsschnipsel. Geistiges Futter sozusagen. Eine Idee liegen lassen? Das kann er nicht. Im nächsten Jahr möchte er mit Mario Buletta einen Abend voller Gedichte und Monologe gestalten. Egal wie stressig die Ausbildung ist.

Dass der Job kein Zuckerschlecken ist, weiß Mathias Olschewski. Sechs Stunden Unterricht plus Proben plus Aufführungen. „Da kann es schon mal 23 Uhr werden“, sagt er. Doch das ist in Ordnung. Schließlich erfüllt sich gerade sein Traum.