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Theaterbande Phoenix in Melle Gezeigt wird versponnenes Märchen für Erwachsene

27.07.2014, 19:52 Uhr

Im verwunschenen Ambiente des Biergartens am „Weberhaus“, zwischen Farnen und Gesträuch, sinniert ein junger Prinz über den Sinn des Lebens. Er ist vom ergebnislosen Nichtstun so gelangweilt, dass er sogar mit sich selbst wettet. Wetten, dass das nicht gut gehen kann?

Eine gelungene Premiere des Lustspiels von Georg Büchners „Leonce und Lena“ erlebten am Samstagabend die Zuschauer im Biergarten am Weberhaus. Ein Stück, das mit ursprünglich 90 Personen gespielt wird, hatte der Regisseur der Theaterbande Phoenix, Jan Graf-Betge, mal eben auf ganze neun Protagonisten eingedampft. Zusätzlich verfolgte er dieses Mal einen ganz neuen Gedanken: „Zum ersten Mal arbeiten wir mit Live-Musik in unserem Bühnenstück.“ Der neue Gedanke: Er ist bahnbrechend und abwechslungsreich anders, denn die Musikerin Akampita Steiner untermalte mit ihrer hingebungsvollen Musik auf vielen unterschiedlichen Instrumenten das Stück nicht einfach nur. Sie schuf einen interessanten ganz anderen Rahmen, der das Publikum fesselte und gefangen nahm und die Inszenierung am märchenhaften Waldrand auf wundersame Weise trug.

Dort erschien schließlich der König (Sascha Tonsor) des Königreiches Popo, schusselig, alt und verwirrt. Tattrig und klapperig stakst er an den stützenden Armen seiner ausdruckslosen und untertänigen Diener (Volker Metz und Bianca Vogt) herum und will unbedingt seinen Sohn, den Prinzen Leonce (Mert Gülmez) verheiraten. Der trägt das Idealbild der Liebe in sich, hegt aber einen wahrlichen Graus vor der Ehe und lungert viel lieber mit dem pfiffigen Lebenskünstler Valerio (Gaby Capteyn) herum. Nicht einmal die flotte Rosetta (Sarah Allewelt) bringt ihn auf andere Gedanken.

Auch Prinzessin Lena (Tatjana Pietrowski) aus dem Königreich Pipi ist eher romantisch veranlagt. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Gouvernante (Simone Huge). Die beiden fliehen unabhängig voneinander vor ihrer Zwangshochzeit.

Leonce macht sich mit Valerio auf den Weg durch Italien, Lena hingegen wird von der streng-zerknirschten Gouvernante begleitet. Auf ihrer Flucht begegnen sie sich, verlieben sich ineinander und heiraten durch einen Trick Valerios. Dass sie somit der Vorsehung unbeabsichtigt gefolgt sind, wird erst spät deutlich und Leonce muss die Herrschaft des Königreiches von seinem Vater übernehmen. Er verkündet sein Regierungsprogramm, das zutiefst absurd erscheint: „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen die Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr.“ Und auch Valerio, neuer Staatsminister, verkündet: „Arbeit ist in diesem Königreich verboten und wird ab sofort unter Strafe gestellt.“ Der Kreislauf der Langeweile scheint erneut zu beginnen.

Fabelhaftes Stück

Zwischen Farnen, hohen Bäumen und allerlei grünem Wuchs gelang der Theaterbande Phoenix am Weberhaus eine fabelhafte Aufführung. Das versponnene Erwachsenenmärchen gewann außerdem noch durch die zauberhaften Klangelemente Akampita Steiners und zusätzlich durch all das, was die Natur bereit hielt: sausende Libellen, zwitschernde Vögel und ein Wetter, wie es wohl herrlicher nicht hätte sein können.