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Tarek hofft, entdeckt zu werden Flüchtling kickt auf dem Schulhof und bei Viktoria

Von Heike Dierks | 23.06.2016, 17:54 Uhr

Flüchtling Tarek Al Moustafa aus dem Libanon lebt seit acht Monaten in Gesmold. Seit Ende Januar besucht der 16-Jährige die Integrierte Gesamtschule (IGS) Melle, wo sein Fußballtalent schnell auffiel. Der Jugendliche möchte bei einem großen Verein spielen.

Jedoch bindet ihn sein Asylstatus an die Region. IGS-Schulleiterin Marlies Brüggemann hofft, dass er einen Unterstützer findet.

Der Neuntklässler, der mit Mutter, Tante und fünf Geschwistern in einer Wohnung in Gesmold untergekommen ist, integriere sich hervorragend. Er sei auch schulisch sehr ehrgeizig, berichtet die Schulleiterin. Tarek habe sehr schnell Deutsch gelernt. „Alle helfen mir“, sagt der Flüchtling. Im Französisch-Unterricht kann er wiederum seine Klassenkameraden unterstützen, denn in seiner Heimat ist Französisch die Unterrichtssprache.

In den Unterrichtspausen kickt Tarek mit seinen Mitschülern auf dem Schulhof. So sah ihn auch die Schulleiterin durch ihr Fenster. „Mir ist früh aufgefallen, dass er sehr geschickt ist im Umgang mit dem Ball“, erzählt Brüggemann. Tareks Deutschlehrerin Astrid Forster schickte eine E-Mail an den Deutschen Fußball-Bund und fragte nach Möglichkeiten für das Talent, in einem Fußballinternat unterzukommen. Mit dem Verweis auf die Kosten einer Internatsunterbringung hatte sich das Thema erst einmal erledigt.

Doch Tarek blieb am Ball. Während der Osterferien besuchte er seine Cousins in Essen im Ruhrgebiet und trainierte bei der örtlichen Fußballmannschaft mit. Der Trainer sei begeistert gewesen von seinem Können und vermittelte ihn zu einem Probetraining nach Gelsenkirchen zu einem kleineren Nachbarverein des großen FC Schalke 04. Viele Scouts seien bei der Einheit vor Ort gewesen, berichtet Tarek. Ein Spielerbeobachter habe ihn schließlich für die Sommerferien zu Probetrainingswochen beim FC Schalke eingeladen.

Doch daraus wird nichts, wie Tarek inzwischen weiß. Der Asylsuchende hat sich beim Landkreis Osnabrück erkundigt, der die Aufenthaltsgenehmigung erteilt und alle drei Monate verlängert. Er dürfe überall hinreisen, aber den Wohnort nicht ändern und den Landkreis nicht dauerhaft verlassen, hieß es dort. Für Asylbewerber gilt schließlich die Residenzpflicht, solange über ihren Fall nicht entschieden ist.

Schalke ist damit keine Option mehr. Nun hofft der Libanese darauf, dass ein großer Verein aus der Umgebung auf ihn aufmerksam wird.

„Es wäre schön, wenn Tarek die Chance erhalten würde, seinen Traum zu verwirklichen, und sich jemand findet, der seine Entwicklung wohlwollend beobachtet“, betont Brüggemann. Vielleicht käme der VfL Osnabrück infrage, überlegt die Schulleiterin gemeinsam mit dem Schüler.

Signatur für Schulleiterin

Tarek hält sich in der Zwischenzeit jedenfalls fit. Als Fünfjähriger begann er im Libanon mit dem Fußballspiel. In Gesmold hat sich der gelernte Stürmer dem Sportverein Viktoria angeschlossen, trainiert mit den B-Junioren und hat für sie in sechs Punktspielen der inzwischen beendeten Bezirksligasaison zwei Tore geschossen – als „Flügelflitzer“. Dieses Wort ist bereits in Tareks Sprachgebrauch übergegangen. Auch in der Sommerpause trainiert der 16-Jährige jeden Tag. Er geht schwimmen oder mit seinem Bruder Bilal (14) joggen, der bei den Gesmolder C-Junioren aktiv ist. „Die Leute im Verein sind sehr freundlich“, schwärmt Tarek.

Was auch immer die Zukunft für das Fußballtalent bringt: „Ich werde mir jedenfalls vorsichtshalber ein Autogramm von ihm geben lassen“, sagt Brüggemann lächelnd.