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Rivalität mit HSV zelebriert Fanklubs: Werders Echte hoffen auf Ende der Schwäche

Von Heike Dierks | 04.10.2017, 18:31 Uhr

Im fünften Teil der Serie über Meller Fußball-Fanklubs kümmern wir uns um „Werders Echte“.

Melle. „Auf den Namen sind wir zu später Stunde gekommen“, erzählt Maik Klare vom Grönegauer Anhang des SV Werder Bremen. Die klangvolle Anspielung auf bekannte Karamellbonbons sagt viel aus über die Beziehung der Grönegauer zum Bundesliga-Nordklub.

„Unser Name soll die Treue und die Verwurzelung ausdrücken“, führt das Gründungsmitglied von „Werders Echten“ aus. Die regionale Nähe und oft auch familiäre Vorprägungen haben beim Stammpersonal des Fanklubs den Ausschlag für den Verein von der Weser gegeben. So wie beim Vorsitzenden Marco Thörner. Dessen Vater Norbert, „seit Ewigkeiten“ Werder-Anhänger, nahm seinen Sohn 1997 erstmals mit ins Stadion – und es war auch um den Nachwuchs geschehen.

Radtour nach Bremen

Norbert Thörner, mit 60 Jahren ältestes Fanklub-Mitglied, Sohn Marco und zwei weitere Anhänger sind in der Vergangenheit gerne mal mit dem Rad zum Spiel nach Bremen gefahren. „Geduscht haben wir im ‚Taubenschlag‘, der Kultkneipe neben dem Stadion“, erzählt Thörner senior. Heute greift die Gruppe meistens auf die Bahn zurück. „In anderthalb Stunden ist man da“, stellt der Kreis einen großen Vorteil heraus.

Am 11. November 2009 gründeten Klare, Anna Schweizer und zwei Mitstreiter die Vereinigung. Da war die Euphorie noch frisch nach den so gefeierten „Hamburg-Festspielen“, als sich Werder und der Hamburger SV im Frühjahr 2009 innerhalb von knapp drei Wochen viermal nacheinander in DFB-Pokal-Halbfinale, Bundesliga und UEFA-Pokal-Halbfinale duellierten und die Bremer sich jeweils durchsetzten. Überhaupt sind die Duelle mit „den Stellingern“, wie der HSV in fröhlicher Rivalität abgetan wird, Lebenselixier für die Anhänger des Weser-Klubs.

„Wir wollten etwas Handfestes haben, die Werder-Fans im Grönegau bekannter machen und den Zusammenhalt untereinander fördern“, kommentiert Klare die Gründung. Inzwischen zählt man 21 Mitglieder, weitere Mitstreiter sind willkommen. „Es soll aber grundsätzlich überschaubar bleiben. Wir sind nicht nur ein Fanklub, sondern eine Clique.“

Gerne erinnern sich die Fans an große Zeiten und internationale Einsätze zurück. 2009 etwa war Klare beim UEFA-Pokal-Finale in Istanbul, das Werder mit 1:2 nach Verlängerung gegen Schachtar Donezk verlor. Gerne würde man wieder über Titel jubeln. Doch die Meller Anhängerschaft schätzt auch die Bodenständigkeit und Unaufgeregtheit des Vereins. „Wenn es nicht läuft, so wie derzeit, wird nicht sofort der Trainer infrage gestellt. An der Weser wird ruhig gearbeitet und anders als bei den Kollegen in Stellingen nicht alles über die Medien breitgetreten“, sagt Frank Löhdem.

Werders Echte sind reiselustig, zu den Heimspielen ist immer jemand im Stadion. Gerne verbindet die Gruppe ihre Fahrten mit einem Besuch beim Bremer Freimarkt oder beim Weihnachtsmarkt. Drei bis vier Auswärtstouren werden pro Saison unternommen. Derzeit wird ein Wochenend-Trip nach Frankfurt geplant. Wenn nicht vor Ort geschaut wird, trifft sich die Clique bei den Thörners in der Garage zur TV-Übertragung per Beamer. Zweimal besuchten Werders Echte ihren Klub im Trainingslager auf Norderney, unterhielten sich mit dem damaligen Trainer Thomas Schaaf und Spieler Marko Arnautovic, machten gemeinsame Schnappschüsse, verfolgten Testspiele und sahen, wie sich die Spieler bei kräfteraubenden Einheiten im Sand quälten.

Die Nähe zu den Fans sei ein großes Plus, sagt Löhdem. Noch heute ist er beeindruckt, wie einst Claudio Pizarro und Tim Wiese nach dem Training geduldig jeden Autogrammwunsch samt gemeinsamem Foto erfüllten. Das sei inzwischen bei vielen Klubs kein Standard mehr.

Die Meller hoffen, dass der Klub nach dem schwachen Bundesliga-Saisonstart bald den Knoten durchschlägt. Man wünscht sich eine ruhige Spielzeit mit einer Platzierung im gesicherten Mittelfeld, „ein paar gute Spiele“ und ein Überwintern im Pokal. „Wir haben derzeit viele Verletzte und ein schwieriges Auftaktprogramm gehabt“, bleibt Marco Thörner wie sein Lieblingsverein relativ gelassen. Seinen Vornamen verdankt er übrigens – richtig: Spielerlegende und heutigem Werder-Aufsichtsratschef Marco Bode.

 Werders Echte: Vorsitzender Marco Thörner, 2. Vorsitzender Maik Klare, E-Mail: werdersechte@gmail.com.

 In unserer Serie wollen wir möglichst alle Meller Fußball-Fanklubs vorstellen. Falls es noch nicht berücksichtigte Vereinigungen gibt, bitten wir die Verantwortlichen um Kontaktaufnahme unter: sport@meller-kreisblatt.de.