Ein Artikel der Redaktion

Richtige Hilfe für Biker Unfälle in Melle: Helm ab oder nicht anfassen?

Von Christoph Franken, Christoph Franken | 08.06.2016, 11:12 Uhr

Das Stadtgebiet von Melle mit seinen reizvollen Strecken für Motorradfahrer ist leider immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle. Franz-Josef Heringhaus, leiter der Meller TÜV-Station, gibt Hinweise, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen im Fall der Fälle wichtig u nd richtig sind.

In Deutschland gibt es rund 1,3 Millionen Motorräder mit Saisonkennzeichen, die nun wieder gerade an den Wochenenden unterwegs sind. Und auch die Zweiräder mit Ganzjahreskennzeichen werden mit den steigenden Temperaturen wieder stärker am Straßenverkehr teilnehmen.

600 Unfälle pro Jahr

Gerade zu Beginn der Saison, wo Biker nach der Winterpause noch nicht wieder ihre Bestform erreicht und Autofahrer sich noch nicht an die schnellen Verkehrsteilnehmer gewöhnt haben, besteht eine erhöhte Unfallgefahr. Bei rund 600 Unfällen im Jahr gibt es den sogenannten „Personenschaden“: Verletzte oder gar Tote. „Deshalb ist Erste Hilfe so unglaublich wichtig“, erklärte Heringhaus. Wie bei jedem Verkehrsunfall gilt für Beteiligte und Helfer eine grundsätzliche Reihenfolge.

Als erstes:

Egal ob man selbst beteiligt ist oder als Ersthelfer hinzukommt, so gilt der Eigenschutz als oberste Prämisse. Dazu gehört beispielsweise die Absicherung der Unfallstelle vor dem Notruf und dem Beginn der Ersten Hilfe und die Einschätzung, ob man ungefährdet Hilfe leisten kann. Denn keiner ist nicht verpflichtet, sich selbst in Gefahr zu begeben, um anderen zu helfen.

Als zweites:

Mit den Ziffern 112 gibt es eine europaweit gültige Notrufnummer, die jederzeit kostenfrei angerufen werden kann, um Rettungskräfte anzufordern – auch vom Handy. Zusätzlich gibt es auf Autobahnen in regelmäßigen Abständen orangefarbene Notrufsäulen. Ein Notruf kann also immer abgesetzt werden. Dabei sollten den Rettungskräften die fünf „W-Fragen“ beantwortet werden:

 Wo ist der Unfall geschehen? Was ist geschehen? Wie vielePersonen sind verunglückt? Welche Verletzungen liegen scheinbar oder offensichtlich vor? Wer meldet den Unfall?

Nicht einfach auflegen

Doch auch nach der Beantwortung dieser fünf „W-Fragen“ sollte der Notruf nicht einfach beendet werden, da es sein könnte, dass die Rettungskräfte noch weitere Fragen oder Handlungsanweisungen für die Ersthelfer haben. Das Gespräch sollte immer von den Rettungskräften beendet werden.

Als drittes:

Sofern es ungefährdet möglich ist, sollten anschließend die lebensrettenden Sofortmaßnahmen beginnen. Dazu gehören Wiederbelebungsmaßnahmen, die stabile Seitenlage, Stillung von stark blutenden Wunden und außerdem die Schockbekämpfung.

Entschlossen handeln

Gerade bei den Wiederbelebungsmaßnahmen nach Atem- oder Kreislaufstillstand gilt es, nicht zögerlich zu sein. „Wenn ein Mensch nicht mehr atmet und keinen Blutkreislauf hat, wird er sterben“, erklärt Heringhaus. „Das heißt, dass man nichts verschlimmern kann, selbst wenn man Fehler macht. Wer es nicht riskiert, kann das Leben des Unfallopfers auch nicht retten.“ Deshalb sollten Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Erfolg oder dem Eintreffen der Helfer durchgeführt werden.

Die Helmfrage

„Bei Motorradfahrern stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Helm“, weiß Heringhaus. „Sofern der Biker bei Bewusstsein ist, sollte man den Helm nicht abnehmen, da dieser Kopf- und Halswirbelsäule stabilisiert.“ Verletzungen in dem Bereich treten bei jedem zehnten verunglückten Motorradfahrer auf.

„Allerdings gilt auch das Selbstbestimmungsrecht. Der Verunglückte kann also selbst entscheiden darf, ob er den Helm abnehmen will oder nicht.“

Anders verhält es sich, wenn das Unfallopfer nicht ansprechbar ist. „Im Fall einer Bewusstlosigkeit muss der Helm entfernt werden, um die stabile Seitenlage und Wiederbelebungsmaßnahmen zu ermöglichen“, so der TÜV-Experte. „In diesem Fall ist das Risiko einer weiteren Wirbelsäulenverletzung geringer, als die Gefahr durch Ersticken oder Herzstillstand.“