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Projekt mit Belgien und Frankreich Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Gymnasium Melle

Von Conny Rutsch | 30.09.2015, 13:58 Uhr

„Wi moaket mobil“. Ein Landbote in Gehrde im Landkreis Osnabrück verkündete der Ortsbevölkerung im August 1914 den Beginn des Ersten Weltkrieges. Unter diesem Titel steht auch die im Gymnasium eröffnete Wanderausstellung mit Plakaten und Fotos. Zu Gast waren Lehrer und Schüler aus den Partnerstädten Melle, Frankreich und Melle, Belgien, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben.

Im Zentrum der Feierstunde standen die Erläuterungen von Arnold Beuke, Geschichtswissenschaftler vor allem für die Region Osnabrücker Land. Von den ersten Kriegstagen an erläuterte er eindringlich seine Auswertungen von Kriegstagebüchern und Feldpostbriefen, die ein Geschichtsbild aus der Region der besonderen Art darstellen. Die Briefe seien ein verzweifelter Versuch gewesen, mit den Familien in Kontakt zu bleiben, so Beuke, und heute spannende und individuelle Zeugen der Kriegszeit. Von den Jugendwehren der Anfangszeit des Krieges bis hin zu Hamsterkäufen von Kindern und Jugendlichen aus den Großstädten etwa des Ruhrgebietes schlug er einen Erinnerungsbogen bis hin zu den „Nagelungen“ im Landkreis. „Dafür sind zum Beispiel hölzerne Wappen aufgestellt worden, und in einer öffentlichen Veranstaltung konnten sich Bürger für einen Obolus Nägel kaufen und einschlagen. Damit wurden die Kriegsnotleidenden unterstützt“, sagte er.

„Geschichte kennen“

Die Wanderausstellung, die schon in einigen Orten des Landkreises Osnabrück zu sehen war, beinhaltet weiterhin den Beginn und den Verlauf des Ersten Weltkrieges in der Region Osnabrück. „Zu sehen sind ebenfalls Porträts von Männern im Alter zwischen 17 und 25 Jahren, die aus dem Krieg nicht zurückgekommen sind“, erklärte Beuke. Eindrucksvoll belegen einige Plakate auch die Aufrufe an die Hausfrauen, Obstkerne zur Ölgewinnung zu sammeln oder Steckrüben zu dörren. Zur Ausstellung gehört pädagogisches Begleitmaterial sowie ein Buch, das in den nächsten Wochen auf den Markt kommt.

Nach Begrüßungsworten von Schulleiter Ludwig Woll sowie Melles Bürgermeister Reinhard Scholz und dem Vorsitzenden des Kreisausschusses für Bildung, Kultur und Sport, Volker Theo Eggeling, kam der stellvertretende Bürgermeister des französischen Melle, Jacques Pineau zu Wort: „Man muss die Geschichte kennen, um eine bessere Welt schaffen zu können“, sagte er. Und der Bürgermeister der belgischen Stadt Melle, Dirk de Maeseneer, erklärte danach: „An Europas Grenzen stehen Menschen wie unsere Vorfahren vor 100 Jahren; zusammen müssen wir Lösungen für die europäischen Probleme finden.“

Unter der Federführung vom Musiklehrer des Gymnasiums Christoph Lanver erarbeitete eine Schülergruppe des Seminarfachs Musik „Musik im Umfeld des Ersten Weltkrieges“, die die Feierstunde musikalisch mit Melodien aus der Kriegszeit eindrucksvoll umrahmte.

Bis zum 2. Oktober

Im Beisein französischer und belgischer Schulleiter und Schüler erhielt die Ausstellungseröffnung einen besonders freundschaftlichen Bezug über alle Grenzen hinweg. Die Ausstellung ist bis zum 2. Oktober im Gymnasium in Melle zu sehen.

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