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Polizei will nachsichtig sein Meller müssen rote Ampeln auch im Autokorso beachten

Von Michael Hengehold und Franz-Josef Raders | 20.06.2016, 17:34 Uhr

Mit dem letzten Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft bei der EM am Dienstag steigt die Jubelkorso-Wahrscheinlichkeit. Allerdings müssen auch Jubelkorsaren einige Verkehrsregeln beachten.

Melle. Damit die Freude beim Feiern für Fußballbegeisterte nicht mit einem Bußgeld endet, haben wir uns mal erkundigt, was in einem Korso eigentlich erlaubt ist und vor allem: was nicht.

Zunächst mal: Autokorsos sind per se nicht erlaubt. Für die Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das nämlich „Unnützes Hin- und Herfahren“, und das stellt in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit dar und wird nach Paragraf 30 Absatz 1, Satz 3 der StVO mit einem Verwarngeld von 20 Euro geahndet.

„Passiert realtiv wenig“

Die Polizei in Melle will bei der Feierlaune aber kein Spielverderber sein – vorausgesetzt, dass auch nach dem Abpfiff einige Spielregeln eingehalten werden.

„Man darf seiner Freude Ausdruck verleihen“, sagt dazu Oliver Maßmann, Leiter des Streifendienstes der Meller Polizei. Autokorsos hätten sich als fester Bestandteil der Fußballkultur etabliert und dabei passiere erfahrungsgemäß „relativ wenig“, so Maßmann.

Während eines Autokorsos wird die Polizei also mit Augenmaß agieren. Maßmann: „Wir schauen, wie der Korso geführt wird. Ist das alles innerhalb tolerierbarer Grenzen?“ .

Herauslehnen ist riskant

Denn es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, wie beispielsweise die Missachtung roter Ampeln. Und selbstverständlich darf der Fahrer auch nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen. Schon ab 0,3 Promille müssen Betroffene mit Bestrafung und Führerscheinentzug rechnen, wenn es alkoholbedingt zu Ausfallerscheinungen oder einem Unfall kommt. Ab 0,5 Promille sind auch ohne Unfall Strafen fällig.

Verboten ist es darüber hinaus, Gegenstände – insbesondere Feuerwerkskörper – aus dem Fahrzeug zu werfen. Riskant ist das Herauslehnen oder Schwenken von Fahnen aus einem Fahrzeugfenster. Für derartiges Verhalten sind normalerweise Bußgelder von 80 Euro und ein Punkt in Flensburg vorgesehen. Jedoch wird auch das meist toleriert, sofern langsam und umsichtig gefahren wird. Maßmann: „Da muss man wirklich jeden Einzelfall betrachten.“

Das Sichtfeld des Fahrers ist für Fahnen tabu

Das Sichtfeld des Fahrers ist für Fahnen allerdings tabu – er muss immer freien Rundumblick haben. Verstöße können bis zu 25 Euro kosten. Die Polizei gibt zu bedenken, dass neben jedem Akteur immer auch der Fahrer des Autos verantwortlich ist und nicht alle eintretenden Schäden von Versicherungen abgedeckt sein könnten. Und auch wenn es vielleicht schwerfällt – ausnahmslos alle Fahrzeuginsassen müssen eigentlich angeschnallt sein. Wird ein Mitfahrer verletzt, weil er nicht angeschnallt war, kann dies für ihn als Mitschuld gewertet werden. Für die Folgen haftet er dann unter Umständen selbst.

„Wir drücken beim Hupen ein Auge zu“

Im Pkw dürfen nicht mehr Personen sitzen, als Plätze mit Gurten vorhanden sind – das Autodach oder die Motorhaube sind sowieso tabu.

Wer Riesenbanner an einer langen Stange aus dem Fenster ragen lässt, muss ebenfalls Ärger mit der Polizei einkalkulieren. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Fahrzeuge samt Fahne nicht breiter als 2,55 Meter sein.

Grundloses Hupen ist im Übrigen ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit, doch die Polizei hat einen Ermessensspielraum. Und bei einem Autokorso drückt sie normalerweise ein Auge zu – auch wenn nicht alle Anwohner davon begeistert sind, vom Nachtschichtler bis zur Familie mit kleinen Kindern. Und den einen oder anderen Fußballmuffel soll es ja auch geben. Maßmann: „Auch wir drücken beim Hupen ein Auge zu, wenn da nicht drei Autos zwei Stunden lang dauerhupen.“