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Oma Wiesehahns Kotelett im Grünen Erste Konzession für Gasthof in Oldendorf im Jahr 1891

Von Christina Wiesmann | 04.06.2016, 08:50 Uhr

11. Mai 1891: Für das Haus mit der Nummer 39 in Föckinghausen erhält Adolf Wiesehahn die Konzession für den Betrieb einer Gast- und Schankwirtschaft.

Das Fachwerkhaus mit der Hausnummer 39, das er zuvor gekauft hat, steht nah an der Bahnstrecke, die Löhne und Osnabrück miteinander verbindet. Nach und nach zieht rege Betriebsamkeit in dem kleinen Ort ein, denn seit 1855 ist das Teilstück der Hannoverschen Westbahn, das neben der Hausnummer 39 verläuft, in Betrieb. Eine Haltestelle für den unbeschränkten Verkehr von Gepäck, Gütern, Tieren und Personen gibt es aber erst seit dem 1. Juli 1900.

Zur Jahrhundertwende ging es auch bei Adolf Wiesehahn so richtig rund. Er riss nämlich das alte Fachwerkhaus an der einfach geschotterten Straße in Bahnhofsnähe ab. Das heute bekannte Gebäude wurde daraufhin gebaut – mit einem kleinen angrenzenden Saal.

Einstellplätze für Kutschen

Aus der Chronik der Familie ist bekannt, dass ab 1905 Gäste mit dem Zug über die noch junge Bahnstrecke anreisten. In der Chronik steht dazu: „Reisende, die mit Kutschen kamen, konnten ihre Pferde im Stall mit vier Einstellplätzen unterbringen. Wer mit dem Zug weiterfahren wollte, konnte Kutsche und Pferde auch für mehrere Tage unterstellen.“

Um die Jahrhundertwende entstanden eine Kegelbahn, ein Lebensmittelladen und eine Kohlenhandlung.

In den 30er-Jahren liefen die Geschäfte wegen der schlechten Wirtschaftslage nur schleppend. 1945 wurden das Haus und der kleine Saal bei einem Luftangriff stark beschädigt, im Jahr 1957 wurde schließlich ein größerer Saal gebaut.

Wahre Erfolgsgeschichte

Was viele heute nicht mehr wissen: Ein bekannter Verein (heute der größte im Meller Stadtteil Oldendorf) entsteht im Gasthaus Wiesehahn. Am 22. Juni 1963 beginnt um 20 Uhr die Gründungsversammlung eines neuen Sportvereins. Die „Turn- und Sportvereinigung (TSV) Westerhausen-Föckinghausen“ entsteht, und fortan finden im Saal der Gaststätte Wiesehahn sogar die Turnstunden des TSV statt.

Oma Edith Wiesehahn hat viele Ideen. Eine davon wird zu einer wahren Erfolgsgeschichte. 1973 erfindet sie urplötzlich das „Kotelett im Grünen“, das, je nach Wahl, von den Gästen gerne auch als „Schnitzel im Grünen“ bestellt wird.

„Das ist ein Kotelett oder ein Schnitzel mit ganz viel Salat dazu“, verrät ihre Schwiegertochter Mareile Wiesehahn wenige Tage vor den Feierlichkeiten zum 125-jährigen Betriebsjubiläum über das beliebte Föckinghauser Traditionsgericht. Mareile Wiesehahn schmunzelt: „Es wird auch heute noch immer gerne bestellt.“