Ein Artikel der Redaktion

Musical „Luther in Not“ Spritzige Zeitreise mit Martin Luther in Melle

Von Petra Ropers | 14.06.2015, 18:23 Uhr

Was ist von jenen Thesen geblieben, die Martin Luther einst an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg heftete? Diese Fragen stellte sich das Musical „Luther in Not“ in Melle

Was ist geblieben von jenem schicksalhaften Tag, der 1517 die Reformation einläutete? Was ist 500 Jahre später noch von jenen Thesen in den Köpfen und Herzen, die Martin Luther einst an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg heftete? Diese Fragen stellen sich nicht erst im Jubiläumsjahr 2017. „Luther in Not“ stellt sie bereits jetzt.

Das Musical aus der Feder von Hartmut Weinbrenner, Pastor der St. Thomas-Gemeinde in Bohmte, und Komponist Jürgen Blendermann, begeisterte in der Petri-Kirche mit spritzigen Melodien und Dialogen, die nachdenklich stimmen. Ein Jahr währten die Vorbereitungen für das Stück, das von Jugendlichen der Gemeinde und den professionellen Musical-Darstellern Victor Sylvester Wendtner (Martin Luther), Thomas Bernardy (Bruder Andreas) und Beo Yalzin (Katharina von Bora) zusammen mit der St. Thomas-Kirchenband auf die Bühne gebracht wurde.

Den großen Reformator zeigt es von einer zutiefst menschlichen Seite: als einen Mann, der zweifelt, diskutiert, ringt und sogar kurz davor steht, seine Überzeugung zu widerrufen. Kein umständlicher geschichtlicher Abriss erwartete dabei die Besucher in der Petri-Kirche. Vielmehr konzentrierte Weinbrenner in der Regie von Florian Hinxlage die Handlung auf nicht einmal 60 Minuten. Lichteffekte auf Leinwänden bildeten die ganze Kulisse für das Musical, das mit einer wegweisenden Erkenntnis seinen Anfang nimmt.

„Nur der Gerechte wird aus Glauben leben“, heißt es in der Bibel. Doch er lebt nicht, weil er aus sich heraus gerecht ist. Vielmehr wird er gerecht durch den Glauben, wie Luther erkennt. Eine Spitzfindigkeit? Keineswegs! Der eindringlich gespielte Disput zwischen ihm und Bruder Andreas beweist, dass die Interpretation das ganze Gefüge verändert. Es bringe die Kirche in Gefahr, argumentiert Bruder Andreas. Aber sind die Menschen wirklich so verführbar und selbstsüchtig, dass sie feste Regeln und reale Furcht vor Gott brauchen?

Luther widerspricht und tritt eine Reise in die Neuzeit an – mit schockierendem Ergebnis. Eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung lieferten dabei Lena Kühnast als Tanja und Elina Fischer als Tochter Emma an der Seite von Musical-Profi Thomas Bernardy als Max Mustermann ab. Die Tochter im besten Teenager-Alter sucht Spaß und Party, den Vater interessieren nur die Finanzen. Und die Mutter weiß gerade noch, dass Luther „der mit den Thesen und der Reformation“ war.

„Wo ist der Glauben?“ fragt Luther entsetzt – und wendet sich dabei nicht nur an die Durchschnittsfamilie auf der Bühne, sondern an jeden einzelnen Besucher. Der Schock sitzt tief: Zurück im Jahr 1519 will er seine Thesen zerreißen und Abbitte leisten. Doch Katharina von Bora macht ihm Mut: „Nur die Liebe weckt die Liebe. Nur ein Ja überwindet ein Nein“, versichert sie musikalisch.

Ihre Überzeugung steckt nicht nur Luther an. Auch die Konzertbesucher lassen sich mitreißen und stimmen in ihr Lied ein, das Luthers Thesen zeitgemäß auf den Punkt bringt. Seine Melodie klingt nach – ebenso wie die Botschaft des Musicals, das vor dem Jubiläumsjahr die Bedeutung der Reformation neu ins Bewusstsein rückt.