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Mittwoch Rückflug nach Gomel Weißrussische Kinder gestalten Abschiedsfest in Melle

Von Marita Kammeier | 01.07.2014, 19:23 Uhr

Traurige Ferienkinder aus Gomel in Weißrussland haben ein stimmungsvolles Abschiedsfest mit Tanz, Gesang, Akrobatik und Puppenspiel für ihre Gasteltern einstudiert. Die verfolgten gerührt und zugleich etwas melancholisch gestimmt das bunte Programm.

45 Ferienkinder sagen „Auf Wiedersehen – Do swidanja“ – und alle sind traurig. In vier Wochen haben sie die Herzen der Familien erobert, lernten neue Sitten, Bräuche und deutsche Wörter kennen. Auch die Gasteltern, -geschwister und Organisatoren vom Kirchenkreis Melle/Wittlage beherrschen inzwischen elementare Sätze der russischen Sprache. Das Abschlussfest wurde wegen des schlechten Wetters kurzfristig vom Schloss Königsbrück in das Gemeindehaus St. Petri verlegt.

„Eigentlich möchten wir Nastja und Taisija hierbehalten“, erzählte eine Gastmutter aus Eicken-Bruche. In den Familien von Ivan, Ilja, Alexander, Timofey, Angelina, Alina und all den anderen Kindern sah es ähnlich aus. „Wir haben uns so aneinander gewöhnt. Es wäre schön, wenn die zwölfjährige Eugenia und die sechsjährige Karina noch länger bleiben könnten“, meinte der 80-jährige Horst Krahn aus Riemsloh.

„Die Kinder sind traurig. Hier wird so viel Programm geboten, und sie stehen im Mittelpunkt. Aber natürlich freuen sie sich auch auf Zuhause und das Wiedersehen mit ihrer Mama“, berichtete die Dolmetscherin Tatjana Borosdina.

Trotz des Abschiedsschmerzes schaffte es der Feuer speiende und jonglierende Clown namens Schnecke, ein Lächeln auf die Gesichter der kleinen Weißrussen zu zaubern. Swetlana Koslowskaja, die Dolmetscherin, war jedoch sprachlos vor Schreck, als der Künstler sie kurzerhand auf die Schulter nahm und zum Entzücken der Kinder einige Runden mit ihr drehte.

„Wer ist das mutigste Kind?“, rief der Clown anschließend. Jegor, der sechsjährige „Hans Dampf in allen Gassen“, nutzte diese Chance zur Jonglage sofort. „An den Ohren festhalten und nicht pupsen“ wiederholten die kleinen Gäste voller Begeisterung die Worte von Schnecke, als dieser den Jungen hochhievte.

„Unsere Kinder haben viele Begabungen und sprechen verschiedene Sprachen“, verkündete die Moderatorin. Angelina rührte die Herzen des Publikums mit einem weißrussischen Lied, während Ksenija deutsche Kinderreime sang.

Der Robotertanz begeisterte ebenso wie die graziösen, akrobatischen Kunststücke zweier Mädchen, die beide Alina heißen. Wolodja und Karina hatten englische Texte gelernt, während Stanislaw auf Deutsch verkündete: „Fremde sind Freunde geworden. Sie haben mich aufgenommen.“

Ein großes Dankeschön richtete Pastor Christoph Stiehl zum Abschluss des schönen Festes an die Gasteltern, die drei weißrussischen Dolmetscher sowie an das deutsche Team mit Gisela Bungard, Anne Grothaus, Christian Lange, Katharina Eichwald, Ulrike Kaiser und Michael Rieting. Nicht zu vergessen Marlies Hinck, die mit vier Ehrenamtlichen für die Bewirtung mit Kaffee, Kuchen und Bratwürstchen sorgte.

Mit Sonnenblumen und zahlreichen herzlichen Umarmungen dankten die Ferienkinder wehmütig ein letztes Mal ihren Gasteltern.

Am Mittwoch fliegen sie dann zusammen mit den Dolmetschern bereits frühmorgens zurück nach Gomel. Die schönen Ferienwochen in Melle aber werden ihnen jedoch sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.