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Mitbringsel von einer Odyssee Kennzeichen aus Andorra im Automuseum Melle

Von Sigrid Sprengelmeyer | 02.07.2014, 14:11 Uhr

Ein Aufruf in der Zeitung kann manchmal schöne Geschichten zutage bringen. Das Automuseum wünschte sich für ihre Kennzeichenausstellung weitere Nummernschilder aus vergangenen Zeiten und internationaler oder nationaler Herkunft (wir berichteten).

Im Herbst 1977 ging Matthias Pietsch aus Melle gemeinsam mit seinen beiden Jugendfreunden Werner Hagedorn und Uwe Dütscher auf eine zweiwöchige Reise, die sie die spanische Küste entlangführte. In einem eigens für diesen Urlaub angeschafften VW Bulli T2 machten sie sich auf den Weg.

Hält der T2 durch?

„Wir hatten keine Vorstellung, wie es dort sein würde, und als uns unsere Route nach Andorra führte, bemerkten wir, dass der T2 doch an seine Grenzen kam. Und wir schließlich auch, da die Straßen enger als gedacht und bergiger als vermutet waren“, erzählte Matthias Pietsch schmunzelnd. Doch der T2 hielt durch und die Jungs auch.

Aber die Odyssee sollte noch ihren Höhepunkt erreichen. „Mittags kamen wir in Andorra an. Da die Restaurants geschlossen hatten, schauten wir uns die Gegend an, um nach einem geeigneten Rastplatz für die Nacht Ausschau zu halten. Dabei sind wir mit dem T2 auf einen nahezu unpassierbaren Gebirgsweg geraten, der wohl eher für Maultiere geeignet war. Die Neugier und unsere Abenteuerlust drängten uns jedoch vorwärts und verdrängten unser ungutes Gefühl“, so Pietsch.

Landschaftliche Schönheit, steile Abhänge und Wildwuchs begleiteten die Abenteuerer bis zu einer Stelle, an dem ein Weiterkommen, aber auch ein Wenden unmöglich war.

Mit Blumen und Gräsern überwuchert

Am Ende dieses Weges lag sie dann, die „Schlafende Schönheit“: ein Oldtimerwrack, das mit Blumen und Gräsern überwuchert war. „Es musste schon mindestens 20 Jahre dort gestanden haben. Wir fragten uns, was wohl aus den Besitzern geworden ist“, erzählt Pietsch weiter. Fabrikat und Modell waren damals nicht mehr zu ermitteln und Fotos gibt es leider auch nicht. Schließlich mussten die Reisenden mit den 36er-Filmen sparsam umgehen. „Aber ganz ohne Andenken an unsere Abenteuertour auf dem Maultierpfad wollten wir auch nicht gehen und nahmen das Nummernschild mit, das lose an der verrosteten Stoßstange hing“, erinnerte sich Pietsch.

Rückwärts in eine Straßenbucht

Dann verließen die jungen Männer den Ort der Vergänglichkeit. Vorsichtig manövrierten und lotsten sie den T2 rückwärts in eine sehr kleine Straßenbucht und wendeten vorsichtig.

Nun hat nach all den Jahren ein Stück dieses Oldtimers seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Ein Bruchteil seiner Geschichte kann nun an einem gebührenden Ort wie dem Automuseum weiterleben.