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Mit Trompeten in den Kreißsaal Rheinländer Holger Mutschall ist Gynäkologe am CKM

Von PM. | 07.07.2014, 18:40 Uhr

Holger Mutschall ist in sieben Jahren zu einem fast waschechten Meller geworden. Nur den Karneval verbringt der 51 Jahre alte Frauenarzt aus dem Christlichen Klinikum Melle (CKM) in seiner Heimat bei Köln.

Er hat beide Regionen in sein Herz geschlossen. „Im Karneval gehören ohnehin beide zusammen“, sagt er augenzwinkernd. Das Kölner „K“ gehe nicht ohne „melle“ und „schon hat der Kölner das beliebteste Wurfmaterial im Straßenumzug“.

Geburtshilfe lebendig halten

Überhaupt ist der Belegarzt im Grönegau mittlerweile tief verwurzelt und in vielen Projekten und Vereinen aktiv. Aber sein Herzblut gilt der Gynäkologie und Geburtshilfe. „Ich bin sehr gerne Geburtshelfer, sonst wäre die Dienstbelastung gar nicht zu stemmen.“ Zurzeit ist diese nach dem Ausscheiden von Dr. Zacharias im Krankenhaus besonders hoch und fordert den doppelten Einsatz. „Wir müssen nach vorne schauen, und es ist mir ein persönliches Anliegen, die Geburtshilfe in Melle lebendig zu halten“, so Mutschall. Immerhin werden im CKM pro Jahr etwa 500 Kinder geboren.

Ohne die Unterstützung durch das Team im CKM und Dr. Zacharias in der Praxis wäre dies nicht möglich, unterstreicht Mutschall, der ab Juli durch Honorarärzte unterstützt wird, bis im Januar 2015 eine neue Gynäkologin ihr Amt im CKM antritt.

„Die größte Stärkung erfahre ich durch meine Familie“, sagt der Mediziner: „Die wenige Zeit, die ich mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen kann, ist das Wichtigste überhaupt.“ Mit drei Kindern sei dann zwar auch häufig „Action“ angesagt, doch bleibe noch genügend Luft zum Durchatmen.

„Die Schnellladefunktion meiner Akkus übernimmt übrigens Beethoven“, verrät Holger Mutschall: „Es kann schon mal sein, dass ich nachts mit Pauken und Trompeten in den Kreißsaal fahre.“

Faszination der Geburt

Der Wunsch, einen Heilberuf zu ergreifen, kam bei dem Gynäkologen sehr früh. „Mich hat der Kreißsaal vom ersten Tag des praktischen Jahres an fasziniert.“ Und die Begeisterung dafür hat Mutschall nie verloren: „Die Faszination einer Geburt motiviert mich bis heute. Dabei zu sein, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, das ist ein Geschenk“, sagt er und weist auf das umfassende Betreuungskonzept für Eltern hin, das auch noch über die Wochen nach der Geburt hinausreicht.

Stolz ist Holger Mutschall auf die sehr niedrige Kaiserschnittrate, die im CKM nur bei 14 bis 20 Prozent liege. Dies habe auch etwas mit der vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung zu tun, wie sie das Belegarztwesen ermögliche. Der Erhalt dieses Systems, nicht nur für Melle, sei sehr wünschenswert. „Allerdings stellen die überproportional gestiegenen Haftpflichtprämien nicht nur Hebammen, sondern auch Belegärzte in der Geburtshilfe vor neue Herausforderungen“, gibt der Gynäkologe zu bedenken. Immerhin sank die Zahl der Belegärzte in der Geburtshilfe zwischen 1991 und 2010 bundesweit von 1569 auf 919.

Holger Mutschall ist zuversichtlich: „Es wird auch hier für die Zukunft eine Lösung in Melle geben.“ Schließlich soll auch künftigen Generationen eine ortsnahe Geburt ermöglicht werden.