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Melle im Rolli Das Meller Rathaus ist nur für Insider behindertengerecht

Von Dr. Stephanie Uhlhorn | 15.07.2014, 19:32 Uhr

Ist das Meller Rathaus eigentlich behindertengerecht zugänglich? Wer vor der Treppe steht, hat da so seine Zweifel, denn nirgends findet sich ein Hinweis auf einen weiteren Eingang. Doch den gibt es.

So mancher Tourist oder Meller mit Rollstuhl oder Rollator dürfte schon verzweifelt vor dem Rathaus gestanden und sich gefragt haben, wie er in die Tourist-Info kommt. Eine Klingel befindet sich oben direkt an der Tür, unten gibt es kein Schild, das auf den behindertengerechten Eingang hinweist. Dabei ist hinter dem Rathaus, vom Gemeindehaus der Matthäuskirche kommend, ein komfortabler Zugang eingerichtet worden.

Eine nicht zu steile Rampe führt zum Hintereingang, rechts befindet sich eine Säule, die im Rahmen der Renovierung des Gebäudes vor elf Jahren angelegt wurde. In der Säule sind der automatische Türöffner und die Klingeln für die Fachbereiche, beispielsweise für das „Amt für Stadtmarketing, Kultur und Tourismus Sachgebiet Kultur“ vorhanden. Da das Rathaus keinen Aufzug besitzt, haben die Klingeln eine besondere Funktion. Über die Sprechanlage kann der Besucher Kontakt zum jeweiligen Fachbereich aufnehmen, und die Mitarbeiter kommen nach unten, um den Gast dort im Trauzimmer, in der Tourist-Info oder in der Besucherecke zu beraten. „Wenn viele Veranstaltungen anstehen, laufen wir mehrmals am Tag nach unten“, erzählen Astrid Voß und Maren Kleine-König, die im Kulturamt unter dem Dach sitzen. Somit sind alle Ämter im Rathaus gut zu erreichen. Bleibt nur noch der Sitzungssaal, der sich im ersten Stock befindet. Das Problem wird in der Regel ganz unkompliziert gehandhabt. „Wir hatten schon Kongresse hier, an denen auch Rollstuhlfahrer teilgenommen haben. Sie wurden dann mithilfe der Teilnehmer hochgetragen“, beschreibt Mediensprecher Jürgen Krämer den Zusammenhalt unter den Tagungsgästen.

Einzig die behindertengerechte Toilette befindet sich außerhalb des Rathauses. Um sie zu erreichen, muss ein Rollstuhlfahrer das Gebäude einmal umrunden, bevor er zur städtischen WC-Anlage gelangt. Dort findet sich eine Behindertentoilette, die mit dem Euroschlüssel bedient wird. Dieser Schlüssel wurde 1986 von dem „Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung“ (CBF Darmstadt) eingeführt und bedient ein inzwischen europaweit verbreitetes Schließsystem. Körperlich beeinträchtigte Menschen haben mit dem Einheitsschlüssel selbstständig und kostenlos Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen. In Deutschland gibt der CBF den Schlüssel zum Selbstkostenpreis ab. Um Missbrauch zu vermeiden, muss die Beeinträchtigung bei der Bestellung nachgewiesen werden. Seit 2008 ist der Euro-WC-Schlüssel für 20 Euro im Bürgeramt der Stadt erhältlich.

Und vielleicht gibt es demnächst auch Hinweise vor dem Rathaus auf den hinteren Eingang. Nach der Anfrage durch unsere Zeitung wollten die Mitarbeiter des Rathauses Hauptamtsleiter Gottfried Müller darauf ansprechen.