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Lehrer von der Uni Osnabrück Islamischer Religionsunterricht am Gymnasium Melle

Von Kirsten Muck | 19.02.2016, 15:10 Uhr

Premiere am Gymnasium Melle: In diesem Halbjahr gibt es erstmals islamischen Religionsunterricht. 18 muslimische Kinder der fünften und sechsten Klassen besuchen den Unterricht. Mit Diaa-Eldin Hassanein kommt ein promovierter Religionspädagoge an die Schule, der seit Jahren verschiedene Formen des Religionsunterrichts erforscht.

Fünf Mädchen und ein Junge sitzen in dem Klassenraum im Erdgeschoss. Diaa-Eldin Hassanein holt sie alle an einen Tisch und setzt sich zu ihnen. Heute will er mit ihnen darüber sprechen, was der Prophet Mohammed über die Beziehung der Menschen untereinander gesagt hat. Wie man sich anderen gegenüber verhalten soll, wie man ein Vorbild für andere sein kann. „Man kann helfen“, sagt eine Schülerin. Jedes Kind nennt Beispiele, wann es mal geholfen hat und wem. Es geht um Mitgefühl, Respekt, Hilfsbereitschaft. Katholiken und Protestanten würden es wahrscheinlich Nächstenliebe nennen.

Zehn Jahre lang Lehrer in Kairo

Für den Osnabrücker Forscher ist es nicht das erste Mal, dass er vor einer Schulklasse steht. Bevor er aus seiner Heimat Kairo nach Deutschland kam, war er zehn Jahre lang Lehrer für Religion und Arabisch an der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo. Seine erste Station in Deutschland war Hamburg, wo er den Religionsunterricht an Hamburger Schulen analysierte. Denn die Hamburger unterrichten nicht mehr getrennt nach Religionszugehörigkeit, sondern alle Kinder gemeinsam.

„Wichtig, dass wir uns kennenlernen“

„Wir brauchen islamischen Religionsunterricht an Schulen, und zwar einen von Wissenschaftlern und Theologen konzipierten Unterricht“, sagt Hassanein. „Dann wissen wir, wie die Schüler denken, woher sie ihre Informationen über den Islam haben“, meint der Pädagoge weiter. Er strebt auch eine Zusammenarbeit mit den anderen Religionslehrern am Gymnasium an. „Es ist gut, dass wir uns kennenlernen. Wenn wir miteinander und voneinander lernen, würden wir sicherlich einiges anders machen“, sagt er und hat dabei nicht nur das Miteinander in Deutschland, sondern auch in der Welt im Blick. Wenn er das Wort „Islam“ an die Tafel schreibe und frage, was die Schüler damit verbinden oder was ihnen dazu einfällt, stoße er oft auf Vorurteile, berichtet Hassanein. Und die möchte er abbauen und ein positives Bild seiner Religion vermitteln. „Wir müssen die Mauern zwischen uns abbauen“, meint er.

Lehrer fehlen noch

49 Schüler am Gymnasium sind Muslime. 18 davon besuchen die Klassen fünf und sechs, in denen der islamische Religionsunterricht im zweiten Halbjahr begonnen hat. Seit dem Schuljahr 2013/14 ist islamischer Religionsunterricht ein Regelfach an niedersächsischen Schulen. Es gibt genehmigte Lehrpläne. Der Unterricht findet in deutsch statt. Doch die Zahl der Lehrer ist momentan noch begrenzt. „Das Hauptproblem war, überhaupt Lehrer zu finden“, erklärt Schulleiter Ludwig Woll. Deshalb freut sich Woll umso mehr, eine „so qualifizierte Fachkraft“ gefunden zu haben. Ausgebildet werden die Lehrer für den Islamunterricht übrigens an der Universität Osnabrück.