Ein Artikel der Redaktion

Kunden sind sauer Kein Nachfolger für Postfiliale in Melle

Von Kirsten Muck | 09.12.2015, 12:12 Uhr

Ärger und Empörung machen sich bei Post-Kunden in Melle breit. Zum Jahresende wird die Filiale im Markant-Markt in der Innenstadt geschlossen. Denn auch der Supermarkt schließt am 31. Dezember. Einen Nachfolger für Stefan Brörmann, der die Filiale betreibt, gibt es nicht. Die Post sucht noch. Damit stehen die Meller ab dem 1. Januar ohne Postfiliale in der Innenstadt da.

Dienstag sei kein guter Tag, da gebe es nicht so viel Post zu verteilen, sagt Daniela Worbs. Dennoch stapeln sich die Pakete in Regalen fast bis unter die Decke. Zwischen den Kisten mit Briefen können sich Worbs und ihre Kollegin Magdalena Papadopulus kaum frei bewegen. Jeden Morgen verteilen sie zwei Stunden oder länger die angelieferten Briefe auf 180 Postschließfächer. Nebenbei bedienen sie Kunden am Schalter. Wer das alles machen soll, wenn die Filiale schließt, weiß keiner. Denn die kleineren Filialen in den umliegenden Stadtteilen und auch die Filiale im E-Center an der Industriestraße können die Logistik gar nicht vorhalten, die notwendig wäre, um den Wegfall der Filiale im Markant-Markt aufzufangen. 180 Schließfächer? Wo sollen die denn hin? fragen sich nicht nur die Angestellten. Auch die Kunden sind verwirrt – und stinksauer.

Ratlosigkeit bei Kunden

„Eine Unverschämtheit, was hier in Melle passiert“, empört sich Renate Frye von der Spedition Frye. Sie holt jeden Morgen für die Firma die Post aus dem Schließfach. Manchmal seien das solche Berge, sagt sie und misst mit den Händen ungefähr 30 Zentimeter ab. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung holt gerade eine Kiste ab, randvoll gefüllt mit Post. Alina Altmann, Jahrespraktikantin bei der Landesturnschule, schleppt ebenfalls eine Kiste voll Post vor sich her. Schade, findet sie die Schließung. Denn der kurze Weg zur Filiale sei sehr praktisch. Vor allem, wenn man wie sie, die Post morgens aus dem Schließfach holt und dann mit dem Fahrrad zurückradelt.

In einem Schreiben hat die Deutsche Post die Inhaber von Postschließfächern darüber informiert, dass diese ihre Post ab dem 1. Januar direkt zugestellt bekommen. Ursula Weigelt hat auch so einen Brief erhalten, weil sie und ihr Mann ein Schließfach für die Firmenpost haben. Sie beobachtet oft andere Kunden, die mehrere Kisten mit Briefen aufeinanderstapeln und dann zu ihren Autos bringen. „Da kommen Leute mit einer Sackkarre, um die Post zu holen“, sagt sie und bedauert schon die Zusteller, die diese Briefe und Päckchen dann direkt zu den Firmen bringen müssen.

„Wir hätten weitergemacht“

Wie es soweit kommen konnte, dass die Meller in der Innenstadt vorerst ohne Postfiliale auskommen müssen, dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen. „Ich hätte die Meller nie im Leben hängen lassen“, versichert Stefan Brörmann, Inhaber des Markant-Marktes. Mit der Aufgabe seines Lebensmittelmarktes muss er jedoch am jetzigen Standort auch die Postfiliale aufgeben. Er habe sich bis zum Schluss um Alternativen bemüht und sowohl mit der Stadt als auch mit der Post Gespräche geführt. Hätte ihm jemand ein kleines Geschäft zentral in der Innenstadt zur Verfügung gestellt, hätte er sein Personal dort eingesetzt, sagt er. Miete habe er nicht extra dafür zahlen wollen, weil sich der Betrieb einer Postfiliale wirtschaftlich nicht lohne. „Es gibt genug freie Flächen in der Stadt. Wir hätten die Arbeit weitergemacht“, meint er.

Post ist in der Pflicht

Auch Hartwig Grobe, Wirtschaftsförderer der Stadt, ist enttäuscht, dass es keine Lösung für die Übernahme der Filiale gibt. Die Stadt habe Flächen aufgezeigt, an denen eine Postfiliale gut platziert wäre. Unentgeltlich könne die Stadt eine Fläche nicht zur Verfügung stellen, sagt er. Er sieht die Post in der Pflicht, eine langfristige Lösung zu finden. „Die Post geht seit Jahren wie ein Wanderpokal durch die Stadt“, stellt er fest.

Gespräche über Nachfolgelösung

Aus Sicht der Post stellt sich die Sache anders dar. Brörmann habe zu spät gekündigt, lautet der Vorwurf. Die Post habe nicht die Zeit und Chance gehabt, eine neue Lösung zu finden, meint Pressesprecherin Maike Wintjen auf Nachfrage unserer Redaktion. „Im Moment sind wir überrumpelt“, so die Sprecherin. Brörmann habe erst vor drei Wochen gekündigt, sagt sie und schiebt den Schwarzen Peter in Richtung des Einzelhändlers. Derzeit würden Gespräche mit möglichen Anbietern über eine Nachfolgelösung geführt. „Es wird eine Ersatzlösung geben“, versicherte sie.

Bis diese Ersatzlösung gefunden ist, müssen Kunden auf andere Filialen im Stadtgebiet ausweichen. Eine davon liegt im Industriegebiet in Gerden. Martina Severin, Leiterin der kleinen Filiale im E-Center, findet das alles „ein bisschen blöd“. „Ich habe schon schlaflose Nächte, wenn ich daran denke, was hier ab dem 1. Januar los sein wird“, sagt sie. Denn vor und hinter dem Schalter ist kaum Platz für größere Mengen an Briefen und Paketen. Außerdem ist ihre Filiale keine Postbank-Filiale. Auch das Post-Ident-Verfahren und Geldanweisungen über Western Union kann sie nicht anbieten.

Postbank-Kunden müssen nach Neuenkirchen

Die Postbank-Kunden trifft die Schließung der Filiale an der Weststraße härter als andere Kunden. Denn ihre nächste Filiale ist die in Neuenkirchen. Wer ein Konto eröffnen oder auflösen möchte, muss also künftig bis nach Neuenkirchen fahren. Oder dies noch bis zum 31. Dezember in Brörmanns Filiale erledigen.

„Postbank-Kunden haben hier keinen Anlaufpunkt mehr“, bedauert Daniela Worbs. Sie kann nicht verstehen, dass eine Premium-Partner-Filiale wie die im Markant-Markt keinen Nachfolger findet. „Wir haben gute Arbeit geleistet“, sagt sie nicht ohne Stolz. Traurigerweise liegt hier die Betonung auf „haben“.