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Konzertreihe fortgesetzt Unorthodoxe Klänge auf der Meller Orgel

Von Malte Busch | 30.06.2016, 16:41 Uhr

Wer konservative klassische Orgelmusik genießen wollte, wurde beim zweiten Konzert des Orgelsommers mit dem Organisten Erik Hoeppe stark enttäuscht. Denn dieser wagte ein durchaus gelungenes Experiment und entlockte der Christian-Vater-Orgel neue, bunte und unorthodoxe Klänge.

Mit der feierlichen Interpretation der „Ankunft der Königin von Saba“ von Georg Friedrich Händel und der wie im Fluss gespielten Bach-Kantate „Jesu meine Freude“ begann Hoeppe das Konzert zwar typisch barock und souverän, mit dem dritten Stück „Caprice“ des englischen romantischen Komponisten Cuthbert Harris merkte man aber schnell, was dem Interpreten wirklich Spaß bereitete. Nach dem an Kirmesmusik erinnernden Stück mit einem etwas düstereren Mittelteil folgte die Elegie des zeitgenössischen Komponisten Jan Janca. In diesem melancholisch nachdenklichen Stück wurde viel mit Farben und Reibeklängen gearbeitet, die zu einem besonderen Klangerlebnis führten.

In den Variationen über ein Thema von Paganini fasste der Organist sein Konzert schon fast zusammen. In den insgesamt zwölf kurzen Sätzen führte er vom wuchtigen Originalthema über Ballade, Jazz, Blues und Rock in einen dramatischen, wilden letzten Satz. Die gelungenen plötzlichen Stiländerungen mit den dazu passenden Registrierungen der Orgel zauberten so manchem Zuhörer ein Lächeln ins Gesicht. Nur über die falsche Registrierung im dritten Satz hätte man hinweg spielen können, anstatt sie mit dem ironischen Ausruf „Böse Orgel!“ noch hervorzuheben.

Mit dem Jazzstandard „Take Five“ bestätigte Hoeppe dann das schon angeklungene Genre, führte die Melodie dabei durch alle Lagen und flechtete gewitzt und erfrischend ein Thema aus der Filmmusik zu „Star Wars“ ein.

Wonderful World

Bei der Umsetzung von „Wonderful World“ störte die Begleitstimme etwas bei der ruhigen Charakterbildung. Die gebrochenen Dreiklänge klangen eher elektromagnetisch aufgeladen und unterstützten die sanfte Melodieführung nicht unbedingt.

Nach dem ebenfalls ruhigen Klassiker „Moon River“ von Henry Mancini folgte dann ein Highlight. Hoeppe hatte selbst den Queen-Hit „Bohemian Rhapsody“ für die Orgel arrangiert und fand dafür für jede Farbe des Originalsongs das entsprechende Register an der Orgel.

Mit „Jalousie“ aus dem Film „Tod auf dem Nil“ ließ der Berliner Kirchenorganist dann den Flair alter Kriminalfilme noch einmal aufleben.

Nach „Funk sei Dank“, dessen Interpretation dem Titel alle Ehre machte, folgte „You’re the one that I want“. Der Song aus dem Musikfilm „Grease“ wirkte, obwohl man es bei allem Groove und Rock nicht erwartete, wie für die Orgel gemacht.

Der stapfige Ragtime „Annodazumal“ fungierte danach als Rausschmeißer, aber nicht als letztes Stück, folgten doch noch der James Bond-Titelsong „Live and let die“ und die „Poinciana“ von Nat Simon als Zugabe für dieses ungewöhnliche und Spaß bereitende Konzert.