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Konzertbericht Chor Vocalconsort und Raschèr Saxophone Quartet gemeinsam in Melle

03.07.2014, 19:55 Uhr

Der Chor stellt sich zu beiden Seiten des Publikums auf, kein halber Meter trennt ihn von den Besuchern der Kirche St. Matthäus in Der Klang des Vokalconsorts Osnabrück glänzt von den ersten Takten an.

Es ist ein kompakter und sehr fein ausbalancierter Klang, der sich ohne Mühe in die Kirchenakustik quasi einschmiegt. Das Stück, John Taveners „Hymn to the mother of God“, gibt die Richtung vor: viel Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, vorwiegend ruhig und ohne Kanten, an denen man sich stoßen könnte. Bei Chören sehr in Mode ist in letzter Zeit etwa der 1978 geborene Ola Gjeilo, da er puren Wohlklang nur dezent mit sanften harmonischen Spannungen würzt. Seine Werke sind sozusagen süße musikalische Kalorienbomben. In „Es gulu gulu“ lässt er den Chor summen und mit den Lippen ploppen, außerdem gibt’s noch ein betörendes, sanft gesungenes Sopransolo.

Alles sehr gedeckte Klänge so weit, Steigerungen werden über ein sattes Forte nicht hinausgeführt, und das genügt auch in diesem Raum und bei diesen Stücken, die selten oder nie dramatisch sind.

Das Vokalconsort kooperiert in diesem Konzert, wiederholt tags darauf in St. Marien Osnabrück, mit dem Raschèr Saxophone Quartet , das nun die Kirche mit zwei Sätzen aus Philip Glass’ Concerto for Saxophone Quartet füllt. Die tieferen Saxofone legen mit dunklen, voluminösen Klangfarben einen Teppich, aus dem sich Christine Ralls Sopransaxofon zuweilen in die hohen Lagen löst, wo es wie eine weiche Sopranstimme klingt.

Die Kirchenakustik bekommt dem Quartett nicht ganz so gut wie dem Chor, dennoch sind die Auszüge aus Bachs „Kunst der Fuge“ in der Fassung mit vier bzw. drei Saxofonen eine Überraschung. Unerwartet weich spielt das Quartett und dynamisch unerwartet beweglich.

Gemeinsam musizieren Quartett und Chor Bachs Motette „Singet dem Herrn“. Besonders überzeugend ist in dieser Version der Abschnitt „Wie sich ein Vater erbarmet“, der sehr ruhig genommen wird. Auch der Teil „Lobet den Herrn“ wird in eher entspanntem Tempo musiziert und nur von einigen ausgewählten Stimmen gesungen. Bachs Musik ist die Ausnahme des ansonsten „neuen“ Programms. Das zweite gemeinsame Werk der Ensembles stammt von Bernd Franke von 2004/05. Die Saxofone beziehen Stellung auf der Orgelempore, produzieren überraschende Klangeffekte oder geben den Klang fast unmerklich nach vorne an die Chorstimmen weiter. Und die, eigentlich doch von ihrem Leiter Stephan Lutermann inzwischen zur sehr disziplinierten Truppe zusammengeschweißt, dürfen hier ausdrücklich wild durcheinander singen, schreien oder flüstern.Online: Das Vokalconsort Osnabrück singt gefällige Musik des 20. und 21. Jahrhunderts und musiziert gemeinsam mit dem Raschèr Saxophone Quartett Werke von Bach und experimentelle Musik von Bernd Franke.