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Kalla Wefel mit spitzer Zunge Humoriges Doppeljubiläum im Freibad Wellingholzhausen

Von Petra Ropers | 15.07.2014, 18:04 Uhr

Er hat eine notorische Abneigung gegen die „intellektuelle Inkontinenz“ flacher TV-Comedy. Stattdessen wetzt Kalla Wefel seine Zunge lieber mit Scharfsinn ganz nah am Publikum. In Wellingholzhausen hat der Kabarettist dabei seit Langem eine begeisterte Fangemeinde.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Freibades hielt er deshalb auf Einladung von Schwimmmeister Guido Nienhüser gerne Rückschau auf 25 Jahre kabarettistische Bühnenpräsenz. Das humorige Doppeljubiläum lockte trotz WM-Fieber eine kleine, aber gut gelaunte Besucherschar auf die Wiese zwischen den beiden Schwimmbecken. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht weiß, was ich mache“, gestand ihnen Wefel selbstironisch. Das wunderte nicht wirklich. Denn ein „Best of“ aus 25 Jahren Kabarett lässt mit einer Vielzahl bissiger Highlights die Qual der Wahl.

Und noch immer gibt der ganz normale Alltagswahnsinn einer spitzen Zunge jede Menge Steilvorlagen. Im persönlichen Anschreiben einer Bank etwa, die den mehr als erstaunten Kabarettisten kurz vor Weihnachten barsch zum Kontoausgleich eines – tatsächlich nicht existenten – Minus von bedrohlichen 4,48 Euro aufforderte. Dass Kalla Wefel eine derartige Vorlage weidlich ausnutzt, versteht sich von selbst. Die Politik bietet ohnehin von jeher Grundlagenmaterial in Hülle und Fülle.

Aber auch vor der Kirche scheut der Osnabrücker nicht zurück: „Maria und Josef sind vermutlich nur deshalb im Stall gelandet, weil sie zuvor von einem katholischen Krankenhaus abgewiesen wurden“, frozzelte Wefel. Doch weit gefehlt, wer da annahm, ein Kabarettist könne nur zwischen lockerem Humor und beißendem Sarkasmus wechselnde Kritik üben. Für die Elektronikindustrie hielt Kalla Wefel jedenfalls auch durchaus konstruktive Vorschläge bereit. Schließlich kämpft dieser Zweig fortwährend gegen die Windmühlenflügel einer verbreiteten Anglizismus-Phobie.

Dabei könnten doch alle zufrieden sein, wenn sich der Gameboy in einen Spielbuben und der Computer in einen Veranschlager mit Mutterbrett statt Motherboard und einer in Riesenbissen statt Megabytes gezählten Speicherkapazität verwandelte. Doch so weit wird es vermutlich nicht kommen. Und so bleiben Kalla Wefel auch in den nächsten 25 Jahren noch jede Menge Wunden, in die er fachgerecht den Finger legen kann.