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Judo bei der SV Oldendorf Anfänger und Fortgeschrittene trainieren zusammen

Von Heike Dierks | 02.12.2015, 16:48 Uhr

Auf den Matten im Judoraum herrscht fröhliches Gewusel. Während die Kleinsten über den weichen Untergrund toben, absolvieren die Großen ihr Aufwärmprogramm. Dienstags und donnerstags ab 17 Uhr trainieren die Judoka der SV Oldendorf in der Meller Sporthalle Lindath-Südwest.

Der Verein hat die größte Judoabteilung im Grönegau. Sie umfasste schon einmal mehr als 100 Mitglieder. Doch schwierigen Trainingsbedingungen und notgedrungene Termin- und Raumwechsel über anderthalb Jahre hätten das Interesse gebremst, berichtet Nicolai von Bistram. Von den derzeit rund 80 Mitgliedern sind 50 aktiv. Bei der SVO wird im Alter zwischen fünf und 65 gekämpft. Es sind vor allem Jugendliche und Männer, auch sechs Mädchen und Frauen gehören zur Gruppe. Gerade sind zwei Flüchtlinge erfolgreich in den Trainingsbetrieb integriert worden.

50. Geburtstag steht an

Die Abteilung feiert im nächsten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Ein Fest ist geplant, auch eine Chronik soll erstellt werden. Der Verein richtet den Fokus auf den Breitensport. Doch es gibt auch Kreis- und Bezirksmeister in den Reihen der SVO. Bis zum Vorjahr war man mit einer Männermannschaft in der Bezirksliga vertreten. Aktuell nimmt das wegen vieler auswärtiger Studenten dezimierte Team nicht am Ligabetrieb teil. Einmal im Jahr veranstaltet die SVO ein Bodenkampfturnier. Der Wettkampf hat gerade zum elften Mal mit 140 Teilnehmern aus ganz Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stattgefunden.

Nach dem eher spielerischen Training der Jüngeren, das auch Justus (2 Jahre) und Leonhard(4), die Kinder des Abteilungsleiters, bereichern, üben die Jugendlichen und die Erwachsenen gemeinsam. Die Gruppe ist bunt gemischt, Klein trainiert mit Groß, Anfänger mit Fortgeschrittenem – ganz nach dem Judo-Prinzip des gegenseitigen Helfens. Nach dem Begrüßungsritual mit dem Verbeugen vor den Mitkämpfern gibt es Lauf- und Aufwärmübungen, ehe Fallübungen, Wurf- und Bodentechniken im Mittelpunkt stehen.

Gefährliche Techniken sind bei dem japanischen Kampfsport grundsätzlich verboten. Auch Schlagen und Treten sind nicht erlaubt. „Deshalb können alle erlaubten Techniken im Vollkontakt ausgeführt werden“, erklärt von Bistram. Am Boden sind dies das Hebeln, Würgen und Haltegriffe. „Wenn jemand Schmerzen hat, schlägt er zweimal ab, dann wird der Kampf gestoppt.“

Im Stand werden Würfe vom Fußfeger bis zum Schulterwurf angewandt. Bevor der eigentliche Wurf angesetzt werde, gelte es, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, zum Beispiel durchs Beinstellen, erläutert der Experte. Von 80 Wurftechniken beherrsche ein Judoka mit braunem Gurt etwa 50. Wichtig sei es, im richtigen Moment die passende Technik anzuwenden, so von Bistram, Träger des braunen Gürtels.

Bei Fabian Pleitner und Jan Bockrath scheint alles zu stimmen. Sie werfen sich gegenseitig formvollendet auf die Matte, ohne dass sich jemand dabei verletzt. „Seoi-nage“, „O-soto-gari“ und „Tomoe-nage“ heißen einige der komplizierteren Würfe.

Die beiden jungen Männer verkörpern zwei unterschiedliche Richtungen: Während Fabian nach einem hohen Ausbildungsstand strebt, möchte Jan sich bei Turnieren messen.

Fabian ist seit fünf Jahren dabei. Sein Bruder Mirko, der schon an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen hat, hat ihn auf den Geschmack gebracht. „Das Tolle an diesem Kampfsport ist, dass man innerhalb des Regelwerks im Vollkontakt alles ausprobieren kann und die Griffe nicht nur andeutet. So merke ich gleich, ob ich etwas falsch gemacht habe oder nicht“, sagt der 21-Jährige. Der Träger des orange-grünen Gürtels setzt sich das Ziel, mindestens den blauen Gürtel zu erreichen.

Jan (oranger Gürtel), der seit acht Jahren trainiert, möchte hingegen bei Wettkämpfen möglichst weit kommen. Der 17-Jährige habe das Potenzial, einmal Landesmeister zu werden, bescheinigt ihm der Abteilungsleiter und Trainer.