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Jose Antonio Antelo-Conte Ein Meller will die Dart-Welt vereinen

Von Michael Hengehold | 20.11.2015, 14:17 Uhr

Ein Meller will die Welt vereinen. Zumindest die Darts-Welt. Jose Antonio Antelo-Conte schickt sich an, der Bernie Ecclestone des Pfeilwurfsports zu werden. Mittelfristig strebt er die Präsidentschaft im Dartsport-Weltverband an, das langfristige Ziel heißt: Darten bei Olympia. Eine Rolle dabei spielt der TSV Westerhausen.

2008 hat der gebürtige Spanier, der mit zwölf nach Osnabrück kam, das System Radikal Darts aus Barcelona nach Deutschland geholt. Das ermöglicht es Soft-Dart-Spielern, per Bildschirm weltweit gegeneinander anzutreten. Über die Jahre hat Antelo-Conte das System erheblich ausgeweitet und verbessert und sich mit 75 Prozent eingekauft. Antelo-Conte hat BWL studiert und kam über die Werbe- zur Automatenbranche. Radikal Darts produziert inzwischen Aufsatz-Kits für alle großen Hersteller von Dartautomaten.

Darts bommt

Darts boomt. Radikal-Automaten stehen bereits in allen Erdteilen außer Afrika in 21 Ländern. „Die Anzahl der Spieler nimmt nicht zu, sie explodiert“, betont Antelo-Conte; aktuell seien gut eine halbe Million im Ligabetrieb organisiert, in Deutschland 78000. Zur Internationalen Meisterschaft in Madrid seien immerhin fast 10000 Teilnehmer angereist.Und das WM-Finale auf Sport1 hätten im Januar 1,86 Millionen Zuschauer gesehen, berichtet Antelo-Conte, der weiß, dass sich Pro7Sat1 Media die 2016 auslaufenden Rechte gerne sichern würde.

Szene ist total zersplittert

Derzeit leidet die aufstrebende Szene allerdings unter totaler Zersplitterung. Allein in Deutschland gebe es 482 Verbände, erzählt Antelo-Conte, der vor einiger Zeit von Westerhausen nach Melle-Mitte gezogen ist. Er will überall Mitglied werden, nicht nur in Deutschland, sich in den jeweiligen Vorstand wählen lassen und dann alle Verbände zusammenführen. Vorbild ist der Fußball: ein Weltverband, darunter die Kontinentalverbände und die Landesverbände, die wiederum für die Ligen zuständig sind. In wie vielen Verbänden er aktuell Mitglied ist, weiß nicht einmal der umtriebige Deutsch-Spanier, einige Hundert werden es schon sein.

System ist mehr als ausgeklügelt

Das System Radikal Darts ist mehr als ausgeklügelt. Weltweit können Spieler via Bildschirm gegeneinander antreten. Gespielt wird mit 2,37 Meter Abstand, eine Laserlinie sorgt für dessen Einhaltung. Außerdem verfügt das System über eine Gesichtserkennung; einen starken Ersatzspieler für sich antreten zu lassen, ist also nicht möglich. Alle Spiele werden aufgezeichnet, jeder Akteur kann sich seine 20 besten Partien bis zu ein Jahr lang online anschauen. Die Spielwerte werden sogar zwei Jahre lang abrufbar gespeichert. Dazu muss man sich lediglich einmal registrieren und kann sich dann weltweit überall anmelden, wo ein Radikal-Gerät steht. Anhand der absolvierten Partien wird die Spielstärke festgelegt, wozu 163 Formeln eingesetzt werden, erzählt Jose Antonio Antelo-Conte.

Darts in Vereinen etablieren

Sein Nahziel: Darts in Vereinen zu etablieren. Langfristig soll die Sportart olympisch werden; „in fünf, sechs Jahren sind wir da weiter“, kündigt Antelo-Conte an. Derzeit stellt sein Unternehmen überall kostenlos Spielgeräte auf. Finanziert wird das über Werbung, die immer dann auf den Bildschirmen läuft, wenn nicht gespielt wird. Aus diesen Einnahmen generiert sich auch das Preisgeld. 40000 Automaten hat Antelo-Conte, der Spanisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch und Englisch spricht und Russisch lernen will, in aller Herren Länder bislang aufgestellt. In den zurückliegenden drei Jahren habe die Zahl sich jeweils verdreifacht, die Tendenz sei steigend. 2017 sollen auch die in der Entwicklung befindlichen Steel-Dart-Automaten ausgeliefert werden können.

Fast 40 Prozent Frauen

Dabei richtet sich der Wurfsport längst nicht mehr nur an Männer. 2008 habe der Frauenanteil bei drei Prozent gelegen, so der Vater einer 22-jährigen Tochter, heute seien 39 Prozent der Aktiven weiblich.

Pilotprojekt in Westerhausen

In Westerhausen will er in Kooperation mit dem TSV ein Pilotprojekt starten. Am 27. Dezember werden im TSV-Raum in der Sporthalle 64 Spieler gegeneinander antreten. Es sind regionale Akteure vom Erstligaspieler bis zum Anfänger. Sechs Automaten werden dazu aufgestellt, drei sollen hinterher verbleiben. Außerdem wird die Weltmeisterschaft dort übertragen.

Im September hatte die neue Dart-Abteilung im SuS Buer erstmals Dart-Stadtmeisterschaften ausgerichtet.