Ein Artikel der Redaktion

Jahreshauptversammlung des Landvolkes Meller Landwirte wollen Arbeit transparent machen

Von PM. | 17.02.2017, 16:06 Uhr

Die Jahreshauptversammlung des Meller Landvolkes stand ganz im Zeichen der Öffentlichkeitsarbeit. Mit welchen Methoden die Landwirte ihre Arbeit für Verbraucher transparent machen, erklärte die stellvertretende Vorsitzende, Gabriele Mörixmann aus Gesmold, in ihrem emotionalen Vortrag.

„Wir wollen und können für jede Ernährungsrichtung und jeden Geldbeutel das passende Produkt erzeugen“, versicherte sie den Anwesenden. Ob das Schnitzel nun nach QS-Standard oder biologisch produziert werden solle, müsse dann jeder für sich selbst entscheiden. „Aber es gibt auch etwas dazwischen“, so die Frau mit dem Aktivstall für Schweine.

Mehr Gesetze und Auflagen

Mörixmann schilderte aber auch die Auflagen, mit denen Landwirte zu kämpfen haben, wenn sie ein „Mehr“ an Tierwohl auf ihren Betrieben verwirklichen möchten. „Laut Tierschutz soll jedes Tier am besten auf die Weide, der Umweltschutz will am liebsten jedes Tier in den Stall verfrachten, aus Angst vor Emissionen“, so die leidenschaftliche Bäuern. Weil Landwirte mit immer mehr Gesetzen und Auflagen konfrontiert würden, ihre finanziellen Erlöse jedoch eine entgegengesetzte Richtung einschlügen, hätten viele Betriebe aufgegeben. Von 1200 landwirtschaftlichen Betrieben in Melle vor 20 Jahren, sind heute 500 Höfe übrig.

Die Gründe für Betriebsaufgaben sind aber nicht nur finanzieller Natur, sondern haben auch mit der sinkenden Akzeptanz durch die Bevölkerung zu tun. Das Landvolk steuere aktiv dagegen an. Mit Projekten wie „Transparenz schaffen“ und „Expeditionen in die Landwirtschaft“, holen die Meller Bauern ihre Mitbürger in die Ställe. Betriebe, die sonst, aufgrund von Hygienevorschriften, nicht zugänglich sind, können besichtigt werden. Auf öffentlichen Veranstaltungen sind die Meller Landwirte regelmäßig mit Infoständen vertreten. „Man muss uns nur ansprechen und einfach fragen“, fordert Gabriele Mörixmann die Menschen auf.

Wunsch nach mehr Tierwohl

Den Faden weiterspinnen konnte Junglandwirt Thomas Fabry, Hauptredner der Veranstaltung. Der Osnabrücker Landwirtschaftsstudent ist in sozialen Netzwerken aktiv und gründete, gemeinsam mit Mörixmann, die Facebook-Seite „Ich liebe Landwirtschaft“. Er ging auf den Wunsch der Verbraucher nach mehr Tierwohl ein, sagte aber auch: „Wir brauchen verlässliche Partner.“ Im Regen stehen laut Fabry vor allem die kleinbäuerlichen Betriebe: „Durch immer mehr Bürokratie entsteht für Betriebsleiterfamilien ein Mehraufwand, dem sie nicht gerecht werden können.“ Für große Betriebe sei diese Last eher zu stemmen. Dass die Anforderungen in dieser Hinsicht zukünftig nicht abnehmen werden, machte Jörg Fritzemeier vom Osnabrücker Veterinäramt in seinem Grußwort deutlich.

Bürgermeister Reinhard Scholz versprach den Landwirten, sie weiterhin in Prozesse der Stadtentwicklung einzubinden und betonte, wie wichtig die Landwirtschaft für Melle sei. Aktuell möchte er den ländlichen Wegebau in der Region vorantreiben. „Das ist nicht nur wichtig für die Landwirte, sondern unerlässlich für unsere Infrastruktur“, so Scholz. Neuigkeiten aus Hannover brachte der Vizepräsident des Landvolkes Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke. Er schilderte, welche Herausforderungen die Landwirte bald zu erwarten haben. Besonders dramatische Ausmaße könnte ein neues Wassergesetz annehmen. „Wenn wir in Zukunft wirklich fünf statt einen Meter Randstreifen an Gewässern nicht bewirtschaften dürfen, kommt das einer Enteignung gleich“, machte er seinem Ärger Luft. Rund 1000 Betriebe könnten dadurch ihre Existenzgrundlage verlieren.