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Interview mit scheidendem Pastor Meller Olaf Petzel: Das Gemeindeleben geht weiter“

Von Norbert Wiegand | 30.07.2014, 18:03 Uhr

In seinem letzten „Wort zum Sonntag“ kündigte Olaf Petzel an, dass er seinen Dienst in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde im Sommer beenden wird. Über die Auswirkungen auf das Gemeindeleben der Meller Baptisten und die Hintergründe seiner Entscheidung haben wir mit dem Pastor gesprochen.

Herr Petzel, nach mehr als zwölf Jahren verlassen Sie die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Melle. Warum?

„Für die gemeinsame Entscheidung von mir und der Gemeinde waren vor allem finanzielle Gründe ausschlaggebend. Die kleine Gemeinde hatte mich zunächst für drei Jahre auf einer halben Stelle eingestellt. Aus den drei Jahren wurden dann neun Jahre, bis ich eine Dreiviertelstelle bekam. Die Gemeinde konnte sich jedoch nur vorübergehend einen 75-Prozent-Pastor leisten. Die freiwilligen Einzahlungen der derzeit 60 Mitglieder reichen dafür einfach nicht aus. Mit zunehmendem Alter meiner drei Kinder sind die Ausgaben meiner Familie aber immer größer geworden. So musste ich jetzt nach einer anderen Pastorenstelle Ausschau halten.“

Wo haben Sie denn eine neue Pastorenstelle gefunden?

„Eine langfristige Lösung habe ich immer noch nicht gefunden. Zunächst werde ich eine auf ein Jahr befristete halbe Stelle bei der ev.-freik. Gemeinde in Bramsche antreten. Von dort aus habe ich die Möglichkeit, eine weitere Gemeinde im Emsland zu unterstützen, während meine Frau ihre halbe Stelle als Sekretärin in Melle behalten kann. Wir werden auf jeden Fall noch zwei Jahre in Melle wohnen, weil wir unsere Kinder nicht aus ihrem Lebensumfeld herausreißen wollen. Wenn unser neunjähriger Micha in zwei Jahren auf eine weiterführende Schule kommt, ist möglicherweise der richtige Zeitpunkt für den Umzug gekommen. Vielleicht habe ich bis dahin auch irgendwo eine konkrete berufliche Perspektive.“

Wie wird es ohne Sie in der Meller Baptistengemeinde weitergehen?

„Die EFG Melle wird vorläufig keinen Pastor haben. Das gibt ihr die Gelegenheit, zwei bis drei Jahre einen Vorrat anzusparen, mit dem dann auf Dauer wieder ein ‚halber Pastor‘ finanziert werden kann. Nach unseren Erfahrungen kann sich eine Gemeinde in der Regel erst ab 100 Mitgliedern eine ganze Pastorenstelle leisten. Die Zeit ohne Pastor wird in Melle mit dem Einsatz von Gemeindemitgliedern und Gastpredigern überbrückt. Für Baptisten ist das Fehlen eines hauptamtlichen Pastors keineswegs eine Katastrophe, denn der Glaube an das Priestertum aller Gläubigen ist tief verwurzelt. Der Predigten-Plan und die Bibelgesprächskreise werden fortgeführt. Es gibt keinen Zweifel: Das Gemeindeleben geht weiter.“