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In Wohnung eingedrungen Meller Duo droht mit Schreckschusspistole

19.07.2014, 10:30 Uhr

Durchaus merkwürdig lief die Verhandlung vor dem Amtsgericht Osnabrück gegen zwei junge Männer aus Melle ab. Den beiden 28 und 19 Jahre alten Angeklagten wurde vorgeworfen, in der Nacht des 20. Januar unerlaubt in eine Wohnung in Melle eingedrungen zu sein.

Mit einer Schreckschusspistole jagten sie den Bewohnern der Wohnung, einem stadtbekannten Ehepaar, einen großen Schrecken ein.

Mit ihrem fragwürdigen Benehmen „glänzten“ am Donnerstag vor dem Amtsgericht nun der Kläger und die beiden Angeklagten gleichermaßen.

Der jüngere der beiden Beklagten, ein 19-jähriger ehemaliger Förderschüler ohne feste Beschäftigung, verkündete lautstark und Kaugummi kauend, dass er auf seinen Pflichtverteidiger verzichten wolle. Kurze Zeit später entschied er sich jedoch dagegen, teilte aber auch seinen Wunsch mit, lieber in Haft zu kommen, als eine Therapie wegen seines bestehenden Drogenproblems zu machen.

Polizei alarmiert

Auch der zweite Beklagte, ein 28-jähriger Meller, bestach durch seinen allzu lockeren Umgang mit dem Waffengesetz. Denn gemeinsam mit dem 19-Jährigen wollte er sich in der besagten Januarnacht Zutritt zur Wohnung eines Ehepaares beschaffen. Beide gaben an, den Sohn der Familie besuchen zu wollen, der jedoch nicht zu Hause war. Um trotzdem in die Wohnung zu gelangen, stellte der jüngere der beiden Angeklagten einen Fuß in die Tür. Mit einer hochgehaltenen Schreckschusspistole, die sie demonstrativ durchluden, wollten sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen.

Dem Bewohner gelang es schließlich, die Polizei zu alarmieren, die kurz darauf eintraf. In ihrem gut gewählten Versteck unter der Kellertreppe des Hauses wurden die beiden Täter von den eintreffenden Beamten schließlich festgenommen. Die Waffe und ein Pfefferspray wurden dabei sichergestellt.

Warum der Abend so ablief, wissen die Angeklagten nicht mehr so richtig. Beide hätten getrunken und Drogen konsumiert, und weshalb der 28-Jährige überhaupt eine Waffe dabeihatte, konnte er nicht erklären. Er wusste aber, dass er sie schon den ganzen Abend dabeigehabt habe. Er behauptete auch, dass diese nicht sichtbar für Außenstehende in seinem Hosenbund gesteckt habe und der Kläger sie gar nicht gesehen habe könnte.

Der Kläger jedoch konnte seine Version des Erlebten schlüssig erklären. Auch, dass er mit der Waffe bedroht wurde und Todesängste ausstand, erzählte er dem Gericht. Und auch der geladene Zeuge, ein Polizist, der die Angeklagten in der Tatnacht festnahm, belegte dies letztendlich glaubhaft.

Die komplette Beweisaufnahme erwies sich jedoch mehr als schwierig. Sowohl die Angeklagten als auch der Kläger machten durch eine vorlaute Redeweise auf sich aufmerksam und fielen mehrmals der Richterin ins Wort. Der Kläger verließ sogar zwischenzeitlich schimpfend den Gerichtssaal und drohte einem der Angeklagten lauthals mit Rache. Den gewöhnungsbedürftigen Ton des Klägers bekam auch der Staatsanwalt zu spüren, was ihn aber nicht davon abhielt, ein ansehnliches Strafmaß für beide Täter zu fordern. Der 19-jährige Angeklagte erhielt nach Jugendstrafrecht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Die bereits abgesessene Zeit einer vorherigen Gefängnisstrafe wird hierbei angerechnet, sodass etwa 10 Monate übrig bleiben werden. Diese Zeit muss der junge Mann nun noch absitzen. Zu einer Therapie in einer geeigneten Einrichtung konnte er sich noch nicht ganz durchringen.

Pfefferspray verlangt

Sein 28-jähriger Komplize erhielt eine viermonatige Freiheitsstrafe, die unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt wird, sowie eine dreijährige Bewährungszeit, die er ohne strafrechtliche Auffälligkeiten überstehen muss. Unglaublich war daher am Ende der Verhandlung seine Frage, ob er die vier Monate nicht auch gleich absitzen könnte, um damit auf die dreijährige Bewährungszeit zu verzichten. Auf die Herausgabe der Schreckschusspistole verzichtete er, forderte das sichergestellte Pfefferspray hingegen zurück.