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Im Lauf der Zeit Historischer Bildervergleich: heute die Plettenberger Straße

Von Michael Woll | 27.07.2012, 12:14 Uhr

Heute kehren wir noch einmal in die Plettenberger Straße zurück. Eine ähnliche Ansicht der Straße haben wir neulich bereits gesehen, aber diese Karte ist ein besonders altes Fundstück und vor allem wegen ihrer Gestaltung interessant. Eingerahmt wird die Fotografie nämlich von den Symbolen der Stadt Melle und des Königreichs Preußen.

Wenn wir das Meller Wappen von damals mit der heutigen Version vergleichen, fällt auf, dass in der Mitte immer noch das Rad mit den vier roten Speichen steht. Früher war es allerdings so, dass diese Speichen senkrecht und waagerecht verliefen. Wie Wilhelm Knigge mir einmal erklärt hat, sah diese Variante für viele zu sehr nach Stillstand aus, weswegen die Speichen heute diagonal verlaufen.

Möglicherweise hatte der Gestalter der historischen Karte eine ähnliche Idee, denn er hat das Wappen kurzerhand leicht schräg gesetzt – und damit im Grunde denselben Effekt erzielt. Das Meller Wappen auf der Ansichtskarte, es scheint zu rollen.

Wenn wir den floralen Elementen – Klee, teilweise zum Glück vierblättrig – weiter nach oben folgen, gelangen wir zum preußischen Adler. In der hier abgebildeten Form prangte er von 1892 bis 1918 in der Flagge des Königreichs Preußen, zu dem Melle gehörte, seit das Königreich Hannover zu Preußen gefallen war.

Interessant ist dann noch der Aufdruck am unteren Rand der Karte: „Deutsche Automaten-Gesellschaft Köln a/Rh.“ ist dort zu lesen. Gegründet wurde sie von dem Schokoladenfabrikanten Ludwig Stollwerck, der die Idee von Verkaufsautomaten von einer Reise in die USA mitbrachte. Zunächst begann er mit dem Verkauf von Schokolade auf diesem Weg.

Später, im Jahr 1894, gründete er die Deutsche Automaten-Gesellschaft und übertrug die Idee auf weitere Produkte wie Seife oder Streichhölzer.

Und außerdem gab es dann eben auch Postkartenautomaten.

Über die Bilder selbst haben wir damit heute gar nicht viel gesagt, aber einen Vergleich zur Plettenberger Straße mit dem alten Hotel Japing am rechten Bildrand und der Matthäuskirche im Hintergrund hatten wir ja auch schon vor nicht allzu langer Zeit.

Wenn Sie mögen, suchen Sie doch noch einen Moment nach dem Beweis, dass das historische Bild eine Winteraufnahme ist – und dann genießen Sie am besten schnell noch ein wenig den Sommer, es soll ja wieder kälter werden.