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Hautnahe Paartherapie Thiele-Neumann-Theater im Fachwerk 1775 in Melle

Von Norbert Wiegand, Norbert Wiegand | 12.02.2017, 18:25 Uhr

Die höchst intensive öffentliche Paartherapie des Osnabrücker Thiele-Neumann-Theaters zog das Publikum im Wellingholzhauserner Kulturhaus „Fachwerk 1775“ in seinen Bann.

Hautnah für das Publikum präsentierten Regina Neumann, Helmut Thiele und Gastschauspieler Thomas Heller die Drei-Personen-Komödie „Die Wunderübung“ von Erfolgsautor Daniel Glattauer.

Hoffnungslos zerstritten, gifteten sich die Eheleute Joana und Valentin in ihrer Paartherapie bei Doktor Harald an. Dabei waren die Zuschauer am Samstagabend nicht nur hautnahe Zeugen der ständigen gegenseitigen Gemeinheiten, sondern mittendrin. Denn die Schauspieler saßen während des Stücks großenteils in den ersten Zuschauer-Reihen, die U-förmig um das kleine Bühnenareal herum aufgebaut waren.

So konnte sich fast keiner der 100 Zuschauer dem zerstörerischen Beziehungsdrama entziehen, das die Schauspieler Regina Neumann und Helmut Thiele, die auch im echten Leben ein Paar sind, beeindruckend realistisch darboten. Sicher fühlte sich auch so mancher lange in einer Beziehung lebende Zuschauer mehr oder weniger an eigene Erfahrungen erinnert.

Ruhige und positive Art

Ebenfalls sehr authentisch kam Paartherapeut „Doktor Harald“ (Thomas Heller) mit seiner ruhigen und positiven Art rüber, wie echte Psychologen im Publikum nach der Vorstellung bestätigten. Allerdings nur bis zur Pause, denn im zweiten Teil des Stückes wendete sich das Blatt: Doktor Harald selbst war am Boden zerstört, weil ihn seine Frau plötzlich und unerwartet verlassen hatte.

In der Fortsetzung der Paartherapie übernahmen Joana und Valentin mehr und mehr die Rolle des Therapeuten für den völlig desorientierten Doktor Harald. Dieser beklagte sich über die Ungerechtigkeit, dass Joana und Valentin trotz einer völlig kaputten Beziehung immer noch zusammen sind. Während er – trotz perfekter Harmonie in seiner Ehe – jetzt ganz alleine dasteht.

Diesen Angriff ließen Joana und Valentin, die sich immer besser miteinander verstanden, nicht auf sich sitzen. „Deine Frau ist in der ganzen Harmonie und Perfektion eurer Ehe erfroren, während es bei uns hitzig und feurig zugeht“, hielt Joana ihm entgegen. „Ich würde lieber dreimal verglühen, als einmal erfrieren“, war sie sich mit ihrem Mann einig.

Alle Register gezogen

So verließen Valentin und Joana die Paartherapie als einiges und versöhntes Paar. „Ich musste alle Register psychologischer Tricks ziehen, um ein hoffnungslos zerstrittenes Paar wieder zusammenzubringen“, berichtete Doktor Harry nach der Sitzung seiner Frau am Telefon von der außergewöhnlich schwierigen Paartherapie. Denn die Trennung zwischen ihm und ihr hatte es nie gegeben. Ein solcher „Trick“, eine wahre Wunderübung, werde in der systemischen Psychologie „paradoxe Intervention“ genannt, erklärte er ihr.