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Halten Peperkorns Rekorde ewig? Leichtathletik: Statistiker erläutern Bestenlisten

Von Heike Dierks | 10.04.2019, 19:57 Uhr

Melle Topläufer Jannik Seelhöfer hält viele Vereinsrekorde beim SC Auch in den Bestenlisten des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbands (NLV) ist er ganz vorne vertreten. Wie sieht es mit Mellern in den Bundesbestenlisten aus? Und wer kümmert sich um die Zahlen und Daten? Zwei Statistiker erzählen von ihrer Arbeit.

Jannik Seelhöfer stellte im Trikot des SC Melle im abgelaufenen Jahr drei Vereinsrekorde über 3000 Meter Hindernis (8:52,78 Minuten), 5000 Meter (14:42,92) und 1500 Meter (3:54,02) auf. Damit kommt der Läufer inzwischen auf zwölf Eintragungen in der ewigen Bestenliste des SCM. Sein Bruder Mathis hat bereits acht Einträge. Läuferin Ann-Christin Opitz und Langstreckenspezialistin Anja Bitter sind jeweils neunmal erwähnt.

Ältester Rekord von 1947

Manche Rekorde sind schon älter. Wie die von Ute Peperkorn, die heute beim SCM die Sportabzeichenabnahme koordiniert. Die ehemalige DM-Teilnehmerin im Siebenkampf hat zwischen 1985 und 1992 unter ihrem Mädchennamen Hohnsträter quasi alle Meller Frauenrekorde in den technischen Disziplinen und im Sprint aufgestellt. Sie bringt es ebenfalls auf zwölf Erwähnungen. Über 100 Meter sind 12,5 Sekunden notiert. An Peperkorns Zeiten und Weiten scheint so schnell niemand in Melle heranzukommen.

Der älteste aufgeführte Vereinsrekord stammt von 1947: Herbert Scholten schaffte damals 12,00 Meter im Dreisprung. „Wir tragen auch jetzt noch Altrekorde nach. Dazu muss man uns Belege wie Urkunden oder alte Zeitungsartikel einreichen. Wir Statistiker leben von dem, was uns zugetragen wird und was wir recherchieren können. Unsere Bestenliste liefert keine Garantie für Vollständigkeit“, betont Johannes Belt, der die im Jahr 1984 von Dieter Ulferts eingeführten Statistiken 2002 übernommen hat und Jahr für Jahr aktualisiert. In den ersten Jahren hat Belt auch immer wieder seinen Sohn Christian in die Zahlenwerke aufgenommen, der Anfang des Jahrtausends zu vielen Topzeiten sprintete und zwölfmal eingetragen ist.

Wenn die SCM-Athleten wieder bei Wettkämpfen waren und eine gewisse Zahl an Ergebnislisten vorliegt, macht sich Belt an die Arbeit. Er fragt Ergebnisse bei Veranstaltern ab, bekommt Listen von Trainern oder sucht auf Leichtathletik-Seiten im Internet. „Wenn ich alle Ergebnisse auf einmal eintragen würde, wäre ich zwei volle Tage im Jahr damit beschäftigt“, schätzt der SCM-Statistiker und begeisterte Läufer, der seit über 40 Jahren Mitglied beim SCM und bei Vorgänger Tura ist.Die ersten Einträge für 2019 hat er bereits getätigt.

In diesen Tagen aktualisiert auch der Niedersächsische Leichtathletik-Verband (NLV) seine Ergebnislisten. Der ehemalige Weitsprung-Landestrainer Ingo Störmer, der beim NLV für die Aus- und Fortbildung zuständig war, hat die allererste ewige Bestenliste mit den je 50 erfolgreichsten Athleten pro Disziplin erstellt. Ulrich Michel, Referent für Wettkampforganisation und Vereinsservice, hat den Initiator davon überzeugt, die Listen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sie sind inzwischen über die NLV-Homepage abrufbar.

In der Landesbestenliste für 2018 führen Jannik Seelhöfer (Männer, 3000 Meter Hindernis), Marieke Sprenger (U18, Halbmarathon) und Christian Breeck (M60, 800 Meter, 1500 Meter und 2000 Meter Hindernis) jeweils ihre Klassen an.

Mit der Fabelzeit von 8:52,78 Minuten über 3000 Meter Hindernis, aufgestellt im Juli 2018 in Nürnberg, ist Seelhöfer zudem als frischester Eintrag auf Platz 18 in der ewigen Freiluft-Bestenliste des NLV gelistet – als einer von aktuell acht SCM-Leichtathleten. Neben ihm vertreten sind die inzwischen für Bayer Leverkusen startende Ria Möllers mit der besten Meller Platzierung als Zweite im Stabhochsprung (4,15 Meter; ihr aktueller Bestwert liegt bei 4,25), Dieter Polzin (mit der ältesten Meller Notiz von 1983), Frank Oestreich, Anja Bitter (alle Stundenlauf), Ingrid Kupke (100 Kilometer), Euthymia Diekmann (Diskus) und Ute Hohnsträter gleich dreimal (Kugel, Siebenkampf, Hochsprung). „Das ist ein exklusiver Kreis“, kommentiert Statistiker Michel.

Pro Disziplin und Jahr ergänze der NLV die ewige Bestenliste durchschnittlich nur um maximal zwei Sportler. Es würden weniger Männer neu aufgenommen als Frauen. Viele Topzeiten und -weiten stammten noch aus den 1960er- und 70er-Jahren, den Hochzeiten der Sportart – vor allem bei den Männern, die sich an diesen Ergebnissen bis heute abarbeiten, während der Frauensport damals noch nicht das Niveau hatte. Die Seelhöfer-Zeit über 3000 Meter Hindernis und auch die Möllers-Leistung im Stabhochsprung schätzt Michel sehr hoch ein. Seelhöfer könne in Zukunft noch ein paar Plätze gutmachen, mutmaßt der Statistiker.

SCM in Bundeslisten

Und in der Bundesbestenliste? Für 2018 sind unter den Top 30 die SCM-Athleten Jannik (unter anderem über 3000 Meter Hindernis, U23) und Mathis Seelhöfer (dreimal 1000 Meter, U20) als jeweils Fünfte ihrer Altersklassen, Marieke Sprenger und Lisa Winkelmann als 19. (dreimal 800 Meter, U18) sowie Jan-Erik Riegenring, Maximilian Cereda und Paul Langkopf als 30. (dreimal 1000 Meter, U16) gelistet.

Aktuell ist laut Michel kein SCM-Athlet in den Top 20 der ewigen Bestenliste des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) verzeichnet. Die Hürden sind hoch. „Dafür reicht normalerweise kein DM-Titel, da muss es schon eine internationale Endkampf-Platzierung sein“, ordnet der Experte ein.

Grundsätzlich gebe es von Jahr zu Jahr immer weniger Neueinträge in die Bestenlisten, weil immer weniger Menschen bereit seien, sich in den anspruchsvollen Einzeldisziplinen zu quälen, und lieber Teamsportarten wählten. Dementsprechend gebe es auch weniger Leichtathletik-Rekorde.