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Gelungener Kulturabend mit Oliver Hilmes Meller Sommer klang mit Liszt aus

Von Marita Kammeier | 19.09.2011, 13:49 Uhr

Literatur und Musik im Einklang. Den Ausklang des Meller Sommers erlebten die zahlreichen Besucher im stimmungsvollen Ambiente der historischen Orangerie auf Gut Ostenwalde. Ein Abend voll ästhetischer Leckerbissen: Oliver Hilmes stellte passend zum 200. Geburtstag im Oktober das neue Werk „Franz Liszt – Biografie eines Superstars“ vor, der 15-jährige Alexander Frei erinnerte als Klaviervirtuose an die faszinierende Musik.

Als traditionsreiche Stätte kulturellen Lebens hat sich die Orangerie unter der Federführung des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur seit Langem etabliert.

Zu einer außergewöhnlichen Lesung im Liszt-Jahr hatte die Buchhandlung Sutmöller im Rahmen des Meller Sommers eingeladen.

„Der Titel Superstar war kein Einfall des Verlages zur Verkaufsförderung, Franz Liszt (1811–1886) war wirklich einer“, erklärte der Autor gleich zu Beginn. In seinem neuen Buch beleuchtete er in umfangreichen Recherchen die vielen Berufe und Rollen im Leben des genialen Pianisten: Klavier-Wunderkind, junger Snob in Paris, Freigeist, Intendant, Komponist, Dirigent, Musik-Journalist, katholischer Abbé in Rom, Frauenkenner und -versteher. Wer war Franz Liszt, und was fasziniert die Menschen an seiner kühnen Musik?

„Er kam zur Tür herein, und seine Ausstrahlung wirkte“, beschrieb Oliver Hilmes die widersprüchliche Persönlichkeit des charismatischen Womanizers mit großem schauspielerischen Talent. Legendäre Affären bestimmten neben der Musik das Leben des Superstars, der mit 75 Jahren starb. Er war nie verheiratet, hatte jedoch eine Vorliebe für außergewöhnliche, zumeist schwierige Frauen.

„In Saus und Braus“ lebte er acht Jahre, gab jeden dritten Abend ein Konzert. Die Tourneen mit über 1000 Konzerten führten ihn von Lissabon und Madrid bis nach Moskau und Odessa. Das enorme Reise- und Konzertprogramm schaffte er nur mit zwei eigenen Kutschen: eine für Liszt und seinen Sekretär, die zweite für den Flügel.

Anschaulich skizzierte Oliver Hilmes mit klarer, prägnanter Stimme den charmanten Verführer, der die eigene Inszenierung im gesellschaftlichen Spektakel über alles liebte. Immer wieder erfand er sein Leben neu: so auch 1847 mit Carolyne Prinzessin von Sayn-Wittgenstein.

Der 12-jährige Eheauflösungskrimi beschäftigte Botschafter, den Zaren sowie den Papst in Rom. 1860 als Abbé in Rom traf er die exzentrische, Zigarren rauchende Kosakin Olga aus der Ukraine, die ihm mit ihrem Liebeswahn sehr zusetzte. Sobald es schwierig wurde, verschwand Liszt und zog sich so den Hass der Frauen zu.

Den leidenschaftlichen Gefühlen des romantischen Exzentrikers Liszt verlieh der 15-jährige Musikstudent Alexander Frei musikalisch Ausdruck.

Klänge wie ein Donnerhall ertönten beim „Begräbnis“. Mit berauschender Intensität und technischer Brillanz spielte der Klaviervirtuose die achte Etüde der „Wilden Jagd“ von Liszt. Ein Meilenstein im Leben des Komponisten, das Bravourstück von allen großen Pianisten. Als Zugabe verwöhnte er das Publikum mit einem Stück von Frédéric Chopin. Mit ausdauerndem Applaus bedankten sich die Besucher für die verzückenden musikalischen und literarischen Erinnerungen an den faszinierenden Komponisten Franz Liszt.