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Gehörschutz im Unterricht Mickey-Mäuse sind bei Grundschülern in Melle beliebt

Von Kirsten Muck | 12.05.2017, 15:25 Uhr

Bruchmühlen/Wellingholzhausen/Buer. Gehörschutz in der Schule? Das mag vielen Menschen komisch vorkommen, dass Grundschüler im Unterricht zu Mickey-Maus-Ohren greifen, um in Ruhe lernen zu können. Doch an vielen Grundschulen im Stadtgebiet ist das mittlerweile ein gewohntes Bild. An der Sandhorstschule in Bennien hat sogar jeder Schüler seinen eigenen Ohrenschutz.

Zum Einsatz kommen die bunten Kopfhörer meist in Lesephasen oder ruhigen Arbeitsphasen, in denen die Kinder alleine Aufgaben lösen sollen. „Die Kinder nehmen den Schutz freiwillig. Einige brauchen diese Möglichkeit, sich von Geräuschen in der Klasse abzuschotten, und andere nicht“, sagt Schulleiter Andreas Neumann. Grundschulklassen seien heterogen. Vom Förderschüler bis zum Hochbegabten gebe es alle in einer Klasse. Das sorge manchmal auch für Unruhe, so Neumann.

Gute Erfahrungen gemacht

Auch in Wellingholzhausen setzen sich einige Schüler für Klassenarbeiten oder Stillarbeiten Mickey-Mäuse auf. Zwei Klassensätze hat die Schule angeschafft. Lehrer können mal für die ganze Klasse die Ohrenschützer nutzen, mal für einzelne Schüler. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Die Kinder nehmen das gut an“, erzählt Schulleiterin Andrea Tietz. In Buer denken die Lehrer über die Anschaffung von Mickey-Mäusen nach. Das Thema werde in der nächsten Dienstbesprechung diskutiert, berichtete Schulleiterin Angelika Grobe. Im Moment haben nur die Schüler der Klassen einen Ohrenschutz, die den Baulärm von den zu sanierenden Toiletten ertragen müssen.

Mucksmäuschenstill im Klassenzimmer

In der zweiten Klasse der Sandhorstschule hat jedes Kind seinen eigenen Gehörschutz. Anfangs sei das ungewohnt gewesen, die Hörer zu tragen, erinnert sich der achtjährige Collin. Mittlerweile haben er und seine Mitschüler sich daran gewöhnt. Vor zwei Jahren hat die Schule den Gehörschutz angeschafft. „Wenn es so laut ist, dann kann ich die Kopfhörer aufsetzen. Dann ist es ruhiger“, sagt der achtjährige Max. „Das Arbeiten geht dann besser“, ergänzt Emilia. Die Zweitklässler sitzen über ihren Schreibheften und üben die Schreibschrift. In der Klasse ist es mucksmäuschenstill. Die Ergebnisse seien tatsächlich besser, wenn die Kinder sich für kurze Zeit abschotten und ganz auf die Aufgaben konzentrieren könnten, stellt Lehrer Volker Steffen fest. „Es ist ja nicht so, dass die Kinder gar nichts mehr hören, wenn sie die Mickey-Mäuse aufsetzen. Es ist nur sehr viel leiser“, sagt er. Für Sofija sind die Mickey-Mäuse vor allem in der fünften Stunde wichtig. „Dann haben wir Mathe und die Erstklässler spielen draußen. Wenn der Lärm von draußen reinkommt, nervt es mich. Dann setze ich die Mickey-Mäuse auf“, erzählt die Achtjährige.

Sensibler für Probleme der Kinder

Doch was ist heute anders, sodass Kinder einen Gehörschutz brauchen? „Die Kinder sind lebhafter. Wir erziehen heute freier und liberaler“, stellt der Grundschulleiter fest. Gerade in der ersten Klasse müssten sich die Kinder erst an die neuen Strukturen in der Schule gewöhnen. Zudem seien Eltern und Lehrer heute viel sensibler für die Probleme der Kinder. Rigide Umgangsformen und Disziplinierungen wie in den 50er und 60er Jahren gebe es glücklicherweise nicht mehr, sagt Neumann. „Das macht Klassen aber nicht generell unruhiger oder lauter.“