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Ex-Profi aus Türkei zurückgekehrt UEFA-Cup-Sieger Yozgatli läuft für Melle Türkspor auf

Von Heike Dierks | 16.02.2017, 09:00 Uhr

Fußball-Kreisligist Melle Türkspor erhält prominente Verstärkung für die in gut zwei Wochen beginnende Rückrunde. Der aus Melle stammende Ex-Profi Mehmet Yozgatli ist nach fast 20 Jahren in der Türkei nun in seine Heimat zurückgekehrt. Als Türkspor fragte, ob er noch einmal aktiv werden möchte, konnte der jetzt in Bohmte wohnende Fußballer nicht Nein sagen.

Der inzwischen 38-Jährige verließ Melle 1997 in Richtung Türkei, wo ein Probetraining bei Istanbulspor AS seine Profikarriere einleitete. In der Folge spielte der sechsmalige türkische U-21-Nationalspieler unter anderen für die drei großen Istanbuler Klubs Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas, stand in mehr als 300 Erstligapartien auf dem Platz und wurde mehrmals türkischer Meister. Seinen größten Erfolg feierte er im Jahr 2000, als er mit Galatasaray durch einen Finalsieg im Elfmeterschießen über den FC Arsenal London den UEFA-Cup gewann. „Wir waren das erste und sind bis heute das einzige türkische Team, das den UEFA-Cup gewonnen hat“, erzählt Yozgatli mit Stolz bei einem Kaffee in Bohmte, wo er mit seiner Frau und den drei Kindern inzwischen wohnt.

Meister mit Fenerbahce

Bei dem historischen Galatasaray-Coup war der gebürtige Meller 21 Jahre jung und wurde nicht eingesetzt. Seine fußballerisch beste Phase hatte der Rechtsaußen dann in seinen vier Jahren bei Fenerbahce, wo er maßgeblich zu den drei Meistertiteln betrug. Nach der Station Besiktas, wo er wegen Verletzungen kaum eingesetzt werden konnte, ging es weiter zu Gaziantepspor, nach Ankara und zu Rizespor, ehe er 2012 seine Karriere beendete. Bis zuletzt blieb der dreifache Familienvater aber in der Türkei und erwarb die Trainer-A-Lizenz, ehe er im Spätherbst 2016 nach Deutschland zurückkehrte.

Trainer-Job gesucht

Seit November trainiert der gelernte Bankkaufmann mit Türkspor, seit Anfang 2017 ist Yozgatli auch spielberechtigt. Sein guter Freund, Türkspor-Spieler Metin Bicici, hatte den Kontakt hergestellt. „Und wenn so eine Anfrage kommt, dann muss man als Melleraner dabei sein“, sagt der Ex-Profi lachend. Er betont, dass er nach fünf Jahren Pause zum reinen Vergnügen noch einmal die Fußballschuhe schnürt. Hauptsächlich möchte er nach einer Phase der Eingewöhnung und des Ankommens in seiner alten neuen Heimat ins Trainergeschäft einsteigen. Sollte ein Angebot eintrudeln, ab Sommer als Coach zu arbeiten, werde er die Fußballtreter wieder an den Nagel hängen.

Ein Testspiel hat der 38-Jährige bisher mit seinen neuen Kameraden absolviert. Beim 6:6 auf verschneitem Platz gegen Bruchmühlen schoss er ein Freistoßtor. Der Kicker muss sich kräftig umstellen. „Es war richtig kalt, Schnee habe ich jahrelang nicht gesehen.“ Auch spielerisch ist Melle Türkspor natürlich eine andere Hausnummer als Istanbuls Erstligisten. „Der Leistungsunterschied macht mir nichts aus. Wenn ein Profi einen schlechten Pass gespielt hat, war ich schon mal sauer. Da kann ich jetzt aber bei einem Amateur umschalten.“

Vorbildfunktion

Beim Kreisliga-Dritten erhofft man sich, dass der Neuzugang mit seiner Erfahrung weiterhilft. „Man sieht, dass er was kann am Ball“, schildert Trainer Raed Yusuf seine ersten Eindrücke nach den wenigen Rasen-Einheiten wegen witterungsbedingter Einschränkungen. „Und vor allem guckt jeder Mitspieler auf ihn“, ergänzt der Coach. Yozgatli weiß um seine Vorbildfunktion und die Verpflichtung, die daraus für ihn erwächst. Er bemühe sich, fit zu werden und zweimal pro Woche von Bohmte aus zum Meller Training zu fahren.

„Die Meisterschaft noch zu erringen wird sehr schwer. Aber wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, gibt er sich kämpferisch. Bei einer der ersten gemeinsamen Übungseinheiten hat er seinen Mitspielern gleich mal die Berührungsängste genommen. „Seht mich als euren großen Bruder, nicht als den ehemaligen Profi“, habe er ihnen in der Kabine gesagt. Er könne auch mal getunnelt werden und Zweikämpfe verlieren. „Die meisten Zweikämpfe gewinne ich aber immer noch“, schiebt er schmunzelnd hinterher.