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Beratung der Caritas Melle Erschöpfte Eltern: Wann eine Kur Meller Müttern und Vätern hilft

Von Kirsten Muck | 24.12.2021, 09:18 Uhr

Wenn Meller Eltern der Alltagsstress über den Kopf wächst, sind sie nicht nur urlaubsreif. Viele sind auch reif für eine Kur. Wie reif, zeigt ein Onlinetest. Bei der Caritas in Melle gibt es Tipps für eine Kur.

Der Test ist schnell gemacht. Drei Fragen mit mehreren Unterfragen sind zu beantworten. Sind Sie ständig müde? Sind Sie häufig gereizt? Sind Sie wegen einer Erkrankung in Behandlung? Leiden Sie unter Belastungen durch Eheprobleme oder Erziehungsschwierigkeiten? Es werden Gesundheitsstörungen, Erkrankungen und Belastungen abgefragt. Und das Ergebnis, so meine Vermutung, lautet in den meisten Fällen: Sie sind reif für eine Kur. Oder wie in meinem Fall: Es gibt Belastungen, die während einer Mutter-Kind-Kur gebessert werden können. Luft nach oben ist ja immer.

Hier geht's zum Test:https://www.muettergenesungswerk.de/reif-fuer-die-kur/kurtest

"Wie aussagekräftig der Test ist, weiß ich nicht. Aber er lenkt mal den Fokus der Eltern auf sich selbst. Denn Väter und Mütter nehmen sich selbst nicht in den Blick", sagt Claudia Haarmann, Kurberaterin bei der Caritas in Melle. Seit über 30 Jahren macht sie Sozialarbeit. "Aber hier in der Kurberatung rollen die Tränen, wenn die Eltern aus der Starre herauskommen", erzählt sie.

Der Test soll also dabei helfen, alltägliche Belastungen und deren Auswirkungen zu erkennen. Ob am Ende wirklich nur eine Kur hilft, um aus dem Hamsterrad herauszuspringen, klärt Claudia Haarmann. Sie weiß, wann Eltern oder auch pflegende Angehörige die Notbremse ziehen sollten und in welcher Kurklinik ihnen am besten geholfen werden kann.

In der Pandemie hat sie entgegen ihrer Erwartung nicht mehr Anfragen erhalten. Aber die Anfragen, die kamen, waren "in letzter Not", wie sie sagt. "Die Gesundheitssituation der Eltern, vor allem der Mütter, ist brisanter", so Haarmann. Sie glaubt, dass der Bedarf höher ist, dass sich viele Frauen aber nicht trauen, in für sie unsicheren Zeiten eine Kur zu planen. Denn Mütter sind laut einer Forsa-Umfrage aus dem Frühjahr durch die Pandemie deutlich stärker belastet. Meist sind sie es, die die Kinderbetreuung übernehmen, wenn Kinder in Quarantäne müssen oder krank sind. Viele Mütter mussten ihre Arbeitszeit während der Lockdowns reduzieren, was für sie finanziell auch von Nachteil ist. Auch das Homeschooling übernehmen größtenteils die Mütter.

Zur Sorge um den Arbeitsplatz kommt noch die Skepsis vieler Eltern, ob eine Kur mit kleinen Gruppen, Abstand und Maskenpflicht effektiv und erholsam sein kann. Zudem haben viele Kurkliniken ihr Sportangebot aufgrund der Corona-Auflagen deutlich reduziert.

Diese Sorge kann Claudia Haarmann den Eltern jedoch nehmen. "Viele Frauen sind wiedergekommen und haben gesagt 'Ich habe mich noch nie so frei gefühlt', trotz Corona. Sie haben die Zeit mit dem Kind oder den Kindern als sehr intensive Zeit wahrgenommen", berichtet Haarmann. Zwar zaubert eine Kur nicht alle Probleme des Alltags weg. Aber sie schafft Eltern eine Verschnaufpause, in der sie neue Energie tanken können. "Ziel ist immer die Stabilisierung, damit die Eltern den Alltag wieder gut meistern können", sagt Claudia Haarmann.