Ein Artikel der Redaktion

Aufführung in Gesmold Ein Sommernachtstraum: Shakespeare auf Meller Schloss

Von Marita Kammeier | 05.09.2019, 12:01 Uhr

Im Wirbel der Gefühle agierten die Shakespeare-Protagonisten mit viel Komik, Poesie und Drama auf der Freilichtbühne im Barockgarten des Wasserschlosses im Meller Stadtteil Amüsiert und sehr konzentriert lauschten die Besucher den Liebes- und Machtspielen beim „Sommernachtstraum“ in englischer Sprache.

Dramatische Szenen am Hof in Athen: Herzog Theseus will seine Tochter Hermia mit Demetrius verheiraten. Damit ist jedoch weder die Herzogin Hippolyta einverstanden, noch die Tochter, denn die liebt von ganzem Herzen, mit großer Leidenschaft Lysander.

Kauzenschreie, Wolfs- und Kuhgeheul klingen durch den nächtlichen Wald vor Athen, doch menschenleer ist es dort nicht. Hermia, Helena, Lysander, Demetrius einander durch Liebe, Ablehnung, Eifersucht verbunden, irren im Wirbel ihrer Gefühle im Wald umher. Sie werden zu Spielbällen im mit Magie ausgetragenen Streit bei den Elfen, was bei ihnen fast zu Mord und Totschlag führt, beim Publikum jedoch immer wieder für Erheiterung sorgte.

Shakespeares um 1600 uraufgeführte Komödie um die Macht der Liebe, die nicht nur Menschen, sondern auch Zauberwesen in ihren Bann schlägt, gehört zu den wohl am meisten gespielten Stücken Shakespeares.

Erstaunlich realistisch wirkte das Traumreich auf der Ebene aus Holzbohlen, vor den historischen Mauern, umgeben von mondbeschienener Dunkelheit, um den wilden Wald darzustellen. Ein rotgoldener Vorhang wurde zum Thronsaal. Das Bühnenbild gab den Schauspielern Raum zur Entwicklung ihrer Personen, tatsächlich spielten alle mindestens zwei Rollen.

In zwei Rollen

Kaum zu glauben, dass Amazonenkönigin Hippolyta und die Elfenkönigin Titania beide von Aimee Hislop gespielt wurden. Dan Wilder verkörperte die besseren Hälften der beiden Königinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sein Oberon polterte wild und schwungvoll über die Bühne, sein Theseus gab sich königlich distinguiert.

Ein Wirbelwind in beiden Welten war Kyle Taylor als Hofdiener und Kobold Puck, der zur Freude des Publikums immer wieder für reichlich Verwirrung sorgte, ein Teufel von einem Derwisch.

Jessica Atkins als Hermia und Rachel Middle als Helena loteten die ganze Spannbreite von Liebeswahn, Liebesleid, Eifersucht, wildem Verlangen und Schüchternheit aus, dass es eine Lust war. Auch Sam Wright als Demetrius in seiner Rolle als Verliebter und Kyle Taylor als einfersüchtiger Lysander lieferten sich hitzige Wortgefechte, dass es eine Freude war.

Pucks Manipulationen galten eigentlich Titania und stürzten sowohl das Liebesquartett in Verwirrung als auch die Königin. Bottom, Snug, Flute und Quince gehörten zu einer Handwerkertruppe, die für einen Auftritt bei der königlichen Hochzeit probte. Das Quartett zeigte komödiantische Szenen mit einmaliger Mimik und grandiosem Wortwitz.

Es fügte sich alles

Am Ende fügte sich alles, wie es sollte: Hermia und Lysander, Demetrius und Helena werden zu Paaren, und auch der Ehestreit bei Titania und Oberon wird beigelegt. Die schauspielernde Handwerkertruppe begeisterte die frisch vermählten Hippolyta und Theseus.

Die Inszenierung mit Cristina Alberto als Choreografin setzte auf Tempo und komödiantische Spiellust der Akteure und punktete damit beim Publikum. Ein Klassiker mit Schwung und Elan in englischer Sprache.

Mit ausdauerndem Applaus und lauten Bravorufen der Zuschauer nahm der anregende Literaturabend sein Ende. Für die Besucher blieb es nicht beim kulturellen Genuss: Das besondere Licht des späten Abends verzauberte den Innenhof des Wasserschlosses, die Renaissancebauten und die stilgerecht bepflanzten Barockgärten wie von Zauberhand.

TEASER-FOTO: