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Ein Erfahrungsbericht Melle: Hundeführerschein mit Pferd

Von Dr. Stephanie Uhlhorn | 10.10.2013, 20:01 Uhr

Seit dem 1. Juli haben Hundehalter ihre Sachkunde nachzuweisen. Dazu müssen sie eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen. Diesem „Hundeführerschein“ unterzog ich mich jetzt.

Ja ich, denn nicht der Hund wird geprüft, sondern das Herrchen oder Frauchen. Es war die Idee der Riemsloher Hundetrainerin Marleen Senne von der Hundeschule Senne Dogs, ob nicht vielleicht ein Reporter des Meller Kreisblattes den Sachkundenachweis benötigt und darüber berichtet. Diejenige war schnell gefunden. Ich habe seit Mitte Juni 2011 meine Runa, einen Bordercollie-Mix. Eigentlich liege ich ein paar Tage unter dem Stichtag, aber trotzdem machte ich mit.

Gleich die erste Stunde fand mitten in Riemsloh statt. Also kein Kennenlernen der anderen Hunde und Teilnehmer, die sich schon länger kannten, sondern gleich eine Probeprüfung. Die ersten Vierbeiner warten schon auf dem Kastanienplatz, als wir eintreffen. Als wir alle gemeinsam an der Straße „Alt Riemsloh“ entlanggehen, wird mir der Sinn der Sachkunde deutlich gemacht. Runa zieht an der Leine, will zu den anderen Hunden, die sie ja noch nicht kennt, und ist ziemlich aufgedreht.

Es kommt auf mich an

Jetzt kommt es auf mich an. Wenn Runa sich so in der Prüfung verhält, fallen wir nicht durch. Die Prüferin schaut nämlich, wie ich mit dieser Situation umgehe. „Bleib mal ruhig, sonst dreht Runa noch weiter auf“, kommentiert Marleen. Sie ist übrigens in Melle die einzige von der Tierärztekammer zertifizierte Hundetrainerin.

Ich schaffe es, Runa einigermaßen zu beruhigen. Immerhin setzt sie sich auf Kommando hin und macht auch Platz. Richtig gut geht es ihr aber erst im Riemsloher Wald, in dem die Hunde toben dürfen.

In einer Einzelstunde zeigt Marleen mir dann auf, was ich Runa in der letzten Zeit alles erlaubt habe und wie wir das Führen an der Leine wieder verbessern können. Das klappt tatsächlich mit täglicher Übung: Also für die praktische Prüfung sind wir gewappnet.

Bleibt aber vorher noch die theoretische Prüfung. In zwei Stunden Unterricht erfahren wir alles über die Entwicklung von Hunden, Erziehung, Haltung und Verhalten, aber auch gesetzliche Grundlagen. Dann kommt der Tag der Prüfung. 35 Fragen müssen im Multiple-Choice-Verfahren beantwortet werden. Nur eine Antwort ist jeweils richtig. Zum Teil sind die Fragen verwirrend gestellt. Die Fragebögen werden anschließend nach Oldenburg geschickt, wo sie ausgewertet werden. Ich habe zwar Fehler gemacht, aber bestanden, und darf nun die praktische Prüfung ablegen.

Wir sind nur zu zweit. Die anderen haben ihre Prüfung schon abgelegt, und wir beiden waren an dem Tag verhindert. Auf der Wiese, auf der wir beginnen, läuft alles prima. Runa legt sich hin, bleibt liegen, kommt auf meinen Ruf sofort zu mir. Sie zieht nicht an der Leine und geht neben mir. Da bekommen wir sogar ein Lob für unsere Arbeit der vergangenen Wochen.

Dann geht es in die Stadt. Wir gehen die Hochzeitsallee entlang. Normalerweise herrscht hier Hochbetrieb. Heute nicht. Keine Radfahrer, keine Fußgänger, keine anderen Hunde. Alles, was uns als Prüfung begegnen müsste, scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Das Gleiche im Park, wo Marleen uns unsere Verantwortung für unsere Hunde vor Augen führt. „Legt die Hunde ab und geht ein Stück von ihnen weg“, fordert sie uns auf. Völlig auf die Prüfung konzentriert, folgen wir dem. „Was gilt im Park? Was habe ich immer wiederholt?“, fragt sie uns. Natürlich! Im Park dürfen Hunde nur angeleint geführt werden. Zum Glück führt unsere strenge Prüferin unser Verhalten auf den Stress der Prüfung zurück.

An der Reithalle finden wir dann endlich Menschen. Hier findet gerade ein Reitturnier statt. Runa geht recht ruhig durch die Menschen, versucht nur einmal, einen anderen Hund zu beschnüffeln. Das führt später zu einem Punktabzug, weil ich nicht früh genug reagiert habe. Als wir den Platz wieder verlassen, wird es Runa zu viel. Sie ist so viele Menschen und Gewühl nicht gewohnt, wird bockig, versucht sich aus dem Halsband zu ziehen. Ich spreche beruhigend auf sie ein, bis sie weitergehen kann. Kurz darauf sind wir fertig. Und wir haben bestanden. Auch wenn der Halter geprüft wird: Runa hat einen großen Anteil daran. Jetzt besitze ich den Nachweis und kann ihn auf Nachfrage beim Ordnungsamt vorlegen.