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Ein bisschen wie Worpswede Suttorf bei Melle sagt: Ein Dorf wird Kunst

Von Conny Rutsch | 13.07.2015, 12:38 Uhr

Was ist das: ein Fisch aus rostenden Maulschlüsseln trifft den Bär aus Holz? Richtig. Das ist „Ein Dorf wird Kunst“. Suttorf, der kleine Ortsteil Neuenkirchens feierte am Wochenende etwa 70 Künstler mit ihren Kunstwerken in Gärten und Scheunen.

Während die Malerin Andrea Lohmeier aus Enger am Samstag auf dem Heuboden des Hofes Seidel-Lott mit drei Künstlerkollegen bei Superwetter die trockene Saunaluft dort oben mit ihren Wasser- und Eisbildern erfrischte, ließ der Metallgestalter Jörg-Peter Lorenz die Besucher ganz entspannt im Schatten einer riesigen Eiche an seinem Riesenfisch aus alten Maulschlüsseln vorbeiziehen, den er in den hohen Baum gehängt hatte. Und auch der Holzbär, den Maik Angermaier aus Halle mit einer Kettensäge aus einer Kiefer entstehen ließ, konnten die Gäste im Freien genießen.

Steinmetz- und Bildhauerarbeiten vor den attraktiven Höfen kamen bei sehr warmem Sonnenschein am Samstag richtig gut zur Geltung. Und auch die zwölf bunten Masken aus dem Maskenworkshop von Dorothea Jöllenbeck aus Küingdorf flanierten zwischen Künstlern und Zuschauern als lebende Kunstobjekte, neugierig machend und ein bisschen irritierend auch. In den Gärten traf man sich neben der Kunst unter den Sonnenschirmen auf erfrischende Getränke oder kleine Imbisse.

Am Abend dann wurde es musikalisch. Auf dem Kollmeyerhof gabs Tango zum Mittanzen und auf dem Hof Seidel-Lott faszinierten die Saxofonisten von „Razzamattaz“ um Chris Stieve-Dawe sowie der Pianist Dimitri Geiger bis in die Nacht auch die musikalisch Interessierten. Und immer noch flanierten Besucher die Straße entlang und erlebten das illuminierte Suttorf.

Am Sonntag kam dann der Regen, und die Mitarbeiter des Hofes Kollmeyer verlegten „Die lange Tafel“, das Riesenfrühstück mit Gästen und Künstlern, in die Stallgasse des Isländergestütes. Fast 150 Frühhungrige fanden sich ein und genossen bei frischem Brot, Eiern und Obst den Start in den regnerischen Tag. Dieser allerdings kam den Künstlern, die auf Innenräume angewiesen waren, sehr zugute. Die Maler in der Reithalle von Jürgen Upmeyer, die Fotografen und Schmuckgestalter unter den Dächern und in den Scheunen konnten sich über die große Besucherzahlen freuen. Die Künstler genossen die Gespräche mit den Gästen über Farben oder Fotogestaltung.

In der Reithalle standen mehr als 20 malende Künstler den Zuschauern Rede und Antwort. Ein besondere Reihe Bilder hatten Barbara Niehoff-Knappe aus Melle und Werner Cüppers de fuchs aus Tecklenburg gegenübergestellt. Da begegneten sich künstlerisch interpretierte Kühe mit den realistischer dargestellten Herdenkollegen gleich neben dem lebendigen heumalmenden Pferd.

Nachmittags wurden dann von einigen Künstlern die Bilder prämiert, die Schüler der Oberschule Neuenkirchen gemalt hatten. Der erste Preis ging an den Siebtklässler Gerrit Asbrock, Platz zwei an Georgia Wißmann und der dritte an Sara Lefkowitz, beide aus den Klassen 5.

Ganz spontan lockte der Musiker Peter Bayreuther am Nachmittag jazzend am Klavier in eine Scheune, während unter den Regenschirmen draußen Currywurst und Hugo zugesprochen wurde.

Das Kunstevent war mit der Begrüßung des Vorsitzenden des Bürgervereins Suithorpa, Wilhelm Röper, sowie dem Mitbegründer diesen ungewöhnlichen Events Lothar Jander gestartet. Die „Tuesdaysies“ unter der Leitung von Ute Winkelmann umrahmten die Reden musikalisch.

Ortsbürgermeister Volker Theo Eggeling bezeichnete diese Kunstveranstaltung als das „Worpswede Suttorfs“. Das Orgateam um Johannes Edsen hatte sich viel Mühe gegeben, um das Dorf tatsächlich zu Kunst werden zu lassen.