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Douglasien nicht so haltbar wie gedacht Zerstören Pilze den Ottoshöhen-Turm in Melle?

Von Norbert Wiegand | 02.12.2015, 07:33 Uhr

Der Aussichtsturm „Ottoshöhe“ ist längst nicht so haltbar, wie gedacht. Johann Müller, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holz und Holzschutz der Industrie- und Handelskammer, hat einen Befall des Holzes mit schädigenden Pilzen festgestellt.

Offenbar wurde die Witterungsbeständigkeit der verwendeten heimischen Douglasien überschätzt. „Das Kernholz der in Europa gewachsenen Douglasien verfügt nicht über die Dauerhaftigkeit, die man von dieser Holzart in Nordamerika kennt“, erklärt der Sachverständige der IHK Osnabrück/ Emsland/Grafschaft Bentheim. Der Diplom-Holzwirt aus Dörpen weist darauf hin, dass diese Tatsache - zumindest in der Fachwelt - schon bei der Aufstellung des Turmes bekannt war.

Ab wann eine Gefahr für die Standsicherheit eines Bauwerkes besteht, könne erst nach genauen Untersuchungen beurteilt werden, meint Müller. Die Festigkeit des Holzes werde durch Holz zerstörende Pilze aber immer beeinträchtigt. Auf einen Schädlingsbefall sollte kurzfristig reagiert werden. „Einen Pilzbefall kann man mit chemischen Mitteln nicht aufhalten, aber durch bauliche Maßnahmen kann das Holz abtrocknen - damit wird das Pilzwachstum aufgehalten“, rät er.

Sorgen um die Standfestigkeit des 24,3 Meter hohen Bauwerkes halten sich beim „ Verschönerungs- und Verkehrsverein Melle-Mitte“ (VVV) in Grenzen. „Wir waren von einer sicheren Standfestigkeit von mindestens 30 Jahren ausgegangen und daran haben wir auch heute keinen Zweifel“, erklärt Siegfried Werges, der 2007 als VVV-Vorstandsmitglied an der Projektplanung beteiligt war.

„Beim Bau haben wir alle damals gültigen DIN-Normen eingehalten“, blickt Hans-Jürgen Tiemeier zurück. Der Planer: „In der Fachliteratur wurden Douglasien sogar ausdrücklich empfohlen, dabei war oft von einer 50-jährigen Haltbarkeit die Rede. Außerdem wurde auf den großen Umweltvorteil verwiesen, dass angesichts der Widerstandsfähigkeit keine Holzschutzbehandlung nötig sei.“

„Deshalb waren wir sehr erfreut, als wir nach langer Suche tatsächlich ganz in der Nähe oberhalb des Weberhauses sieben gerade gewachsene, 35 Meter hohe kanadische Douglasien fanden, die in 28 Meter Höhe noch einen Stammdurchmesser von 25 Zentimetern aufwiesen“, ergänzt Werges. Diese Bäume waren 100 Jahre zuvor als Setzlinge von einem Vorfahren der Herren von Gut Ostenwalde aus Kanada mitgebracht worden.

„Da der Verein einen Wartungsvertrag mit dem Generalunternehmer geschlossen hatte, können wir uns auf die Ergebnisse jährlicher Kontrollen verlassen“, versichert Heinz Garlich. Der heutige Vorsitzende betont, dass der VVV „keinerlei Interesse hat, das außerordentlich beliebte Ausflugsziel vergammeln zu lassen“.

Garlich erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Verpflichtung gegenüber den Sponsoren, die die Verwirklichung des 170000-Euro-Projektes ermöglicht hatten. Dies gelte ebenso für die vielen Vereinsmitglieder, die mehr als 1500 Stunden ehrenamtliche Arbeit für die touristische Attraktion auf der 200 Meter hohen Eickener Egge geleistet haben.

„Nachdem wir selbst erste Pilze entdeckt hatten, haben wir 2013 eine nachträgliche Holzbehandlung vornehmen lassen“, berichtet Werges. Dabei sei nach Rücksprache mit dem Generalunternehmer Kaase und der Fachfirma Remmers aus Löningen das Holzschutzmittel „Multi GS“ eingesetzt worden. Außerdem wies Hans-Jürgen Tiemeier auf die Robustheit der zusätzlichen Metallstreben hin. Und wenn tatsächlich irgendwann ein hölzerner Querriegel morsch werden sollte, dann könne dieser mit vertretbarem Aufwand ersetzt werden.