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Doppelter Zaun schützt Kröten Gefährliche Paarungen auf der Straße in Neuenkirchen

Von Norbert Wiegand | 13.03.2015, 13:00 Uhr

Für Verwirrung sorgt ein doppelter Krötenzaun an der Rahdenstraße in Passanten haben den Eindruck, dass das zweite Hindernis den Kröten, die bereits die Überquerung der Straße glücklich überlebt haben, den Weg zu ihrem Laichgewässer versperrt.

Für diese Einschätzung spricht auch, dass an diesem zweiten Zaun auf beiden Seiten Eimer eingegraben sind, in die die Amphibien hineinplumpsen. Der auf den ersten Blick sinnlose oder sogar kontraproduktive Krötenschutz ist allerdings durchaus logisch, wie ein Treffen an der außergewöhnlichen Wanderstelle mit den dort aktiven Amphibienfreundinnen Regina Haase und Claudia Große Johannböcke offenbart – kurz vor dem Start der diesjährigen Massenwanderung.

Suche nach Schlupfloch

Der Sinn von Zäunen an „normalen“ Wanderstellen ist einfach zu erklären: Das Hindernis soll die Amphibien davon abhalten, auf ihrem Weg vom Überwinterungsplatz zum Laichgewässer eine Straße zu überqueren. Vor dem 30 Zentimeter hohen Zaun laufen die Kröten auf ihrer Suche nach einem Schlupfloch hin und her. Dabei plumpsen sie in einen der eingegrabenen Eimer. Jeden Morgen und manchmal auch abends sammeln ehrenamtliche Amphibienschützer die Kröten ein und bringen sie auf die andere Straßenseite. Dadurch werden jedes Jahr an 14 betreuten Wanderstellen im Meller Stadtgebiet tausende Kröten davor bewahrt, von Autos platt gefahren zu werden.

An der Neuenkirchener Rahdenstraße ist die Lage aber komplizierter. Dort liegt nämlich auf beiden Seiten der Straße ein Überwinterungsgebiet. Die Erdkrötenmännchen von der Westseite gehen nicht etwa gleich zum Teich auf ihrer Seite, sondern erst auf die Straße. Dort halten sie Ausschau nach den Erdkrötenweibchen, die von der Ostseite kommen. Der Konkurrenzkampf um die Weibchen ist groß, denn auf sieben männliche Erdkröten kommt nur eine weibliche. „Ich habe schon elf Männchen auf einem Weibchen sitzen sehen“, berichtet Claudia Große-Johannböcke.

Damit es nicht zu den lebensgefährlichen Paarungen auf der Straße kommt, stellt Heinz Böckmann auf der Westseite der Straße einen zweiten Zaun auf. Die Eimer zwischen Straße und Zaun sind für jene Kröten gedacht, die es schaffen, den 250 Meter langen Zaun zu umgehen, ohne in einen Eimer zu fallen. Der Zaun kann nicht verlängert werden, weil Einfahrten freigehalten werden müssen.

Nach jahrelangen Beobachtungen und Erfahrungen konnten die beiden Tierschützerinnen und Diplombiologinnen mit der Doppelzaunlösung einschließlich der doppelten Eimer-Reihe die Anzahl der jedes Jahr totgefahrenen Amphibien erheblich reduzieren. „Aber trotzdem hat der Bestand nicht zugenommen, sondern abgenommen“, bedauert Regina Haase. Dafür macht sie die Nutzung des Teiches zur Fischzucht und die vermehrte Gülle-Ausbringung auf dem benachbarten Grünland verantwortlich. „Wenn die Amphibien über eine frisch gegüllte Fläche kriechen müssen, dann gehen sie ganz schnell ein“, ergänzt Claudia Große-Johannböcke.

Amphibiengewässer

„Vor der intensiven Nutzung der Wiesen fanden wir täglich 15 bis 20 Laufkäfer, Wolfsspinnen, einige Teich- und Bergmolche - aber jetzt haben wir neben einzelnen Fröschen nur noch die giftigen Erdkröten der Art ‚Bufo bufo‘ in unseren Eimern und deren Menge ist auf ein Drittel geschrumpft“, erklärt Regina Haase. „Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald keine Zäune mehr.“

Die beiden aktiven Tierschützerinnen haben einen Traum, den sie gerne mit Unterstützung von Schulen, Jägerschaft, Ortsrat, Heimatverein und interessierten Bürgern verwirklichen würden: Sie wollen ein Amphibiengewässer auf der östlich gelegenen Wiese anlegen und den dortigen verrohrten Krumpke-Bach wieder frei legen.