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Melle erlebt seltenes Schauspiel Glocken bei Sonnenaufgang in den Bleifstift gehoben

Von Conny Rutsch | 11.03.2019, 16:01 Uhr

Die bunten Gebetskärtchen flatterten am langen Seil im Schneeschauer den Bueraner Bleistift hinauf. Gemeinsam mit der größten Glocke zog der rote Kran am frühen Montagmorgen über 60 Wünsche gen Himmel.

Um kurz vor neun Uhr und im beginnenden Schneetreiben war damit das Thema „Glockeneinheben“ in die Martinikirche zu Buer Geschichte.

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Am Sonntagnachmittag hatten sich die Dachdeckermeister Martin Böttcher und Sohn Benjamin dazu entschlossen, ihren mobilen Kran montags noch vor Sonnenaufgang vor dem Kirchturm in Position zu bringen, da laut Wetterbericht nach 9 Uhr wieder Sturmböen vorausgesagt waren. Für so ein Riesenprojekt lief dann tatsächlich alles wie geschmiert. Das Transportunternehmen Wehrmann brachte die glänzenden Glocken zum Kirchplatz, und vor der Kameralinse des NDR-Fernsehteams schwebten die Glocken innerhalb von knapp zwei Stunden zur Glockenstube hinauf.

Dort oben hatte am Wochenende der Bueraner Tischlermeister Renke Klostermann etliche der neuen Schalllamellen angebracht, die dafür sorgen werden, dass der Klang der neuen Glocken hinunter nach Buer getragen wird.

Matthias Breitenkamp, der dem Glockenprojekt vorsteht und die gesamte Logistik organisierte, hatte im Vorfeld des Einhebens Gebetskärtchen verteilt. Mehr als 60 konnte er am Sonntag an das lange Seil binden, das er im Mittelgang des Kirchenschiffs ausgelegt hatte. „Die guten Wünsche werden zur Glockenweihe noch einmal eine Rolle spielen“, erklärte er. Und dann verlas er wie beim Einheben des Zimbelgeläutes am vergangenen Mittwoch auch die Namen der vier großen Glocken: „Jesus Christus“, „Petrus“, „Martin“ und „Martin Luther“, den jeweils aufgebrachten Spruch und schlug sie zur Begrüßung mit einem Gummihammer an.

Um kurz vor neun Uhr dann war es geschafft.

Während Martin Böttcher der sprichwörtliche Stein vom Herzen fiel, dass dieses schwergewichtige Projekt so reibungslos verlaufen war, drückte es Matthias Breitenkamp angesichts des Schneetreibens humorvoll, aber nicht weniger erleichtert, aus: „Die Schneeglöckchen sind drin.“

Am Palmsonntag, den 14. April wird das neue Geläut vom Turm der Bueraner Martinikirche das erstemal zu hören sein.