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Das Zahnarztbesteck darf nicht fehlen Denkmal-Projekt „Kirchhofsburg Buer“ bald fertig

Von Simone Grawe | 23.12.2015, 14:40 Uhr

Kurz vor Weihnachten auf der Zielgeraden: Die Gestaltung des Denkmals „Die Kirchhofsburg in der Vogtei Buer im 18. Jahrhundert“ ist fast fertig. Wie geplant, kann die Skulptur im Mai gegenüber der Martinikirche aufgestellt werden.

Einen Eindruck vom aktuellen Planungsstand des vom Heimatverein Buer initiierten Projektes verschaffte sich jetzt Stefan Muhle. Bei einem Besuch in der Werkstatt von Peter Fischer-Blessin zeigte sich der Erste Kreisrat sehr angetan von der detailreichen Ausführung des Kunstwerks: „Ich bin im positiven Sinn neidisch, wenn ich sehe, dass es Menschen gibt, denen es gelingt, etwas über Generationen hinaus zu schaffen,“ lobte Muhle das künstlerische Schaffen des heimischen Bildhauers. Er sprach Fischer-Blessin ein Kompliment für dessen Kreativität und Schaffenskraft aus und lobte gleichwohl den Heimatverein Buer für die tolle Projektidee.

Neuer Anziehungspunkt

Mit dem neuen Kunstwerk soll auf dem Kirchplatz ein weiterer Anziehungspunkt geschaffen werden, betonen die beiden Vorstandsmitglieder Dieter Huntebrinker und Jürgen Krämer, die das Projekt angeschoben haben. Dargestellt wird die Kirchhofsburg, wie sie vor 300 Jahren ausgesehen hat, wobei eine Karte des Landvermessers Johann Wilhelm Du Plat aus den Jahren 1789 und 1790 die Grundlage bildet. Mit berücksichtigt ist auch ein Aquarell des Malers Conrad Ferdinand Funcking aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

80 Kilo Ton verarbeitet

Etwa 80 Kilogramm Ton hat Peter Fischer-Blessin mittlerweile verarbeitet, um das Modell aus Ton herzustellen: „Der Teufel steckt bekanntlich in Detail, das hat sich auch dieses Mal wieder bewahrheitet,“ äußerte sich der Bildhauer, der seit Oktober an dem Modell arbeitet. Der Vorgängerbau der heutigen Martinikirche als Mittelpunkt der Skulptur wird ebenso dargestellt wie der Kirchplatz mit seinen früheren Speichergebäuden, die vier auf Torf gelegenen Urhöfe, die Buersche Mühle sowie kleinere Szenen am Rande. Wie detailgetreu der Künstler ans Werk geht, dokumentiert sich zum Beispiel bei der Gestaltung der Gebäudefassaden, über die Formen der Dacheindeckungen oder bei der Darstellung des Wasserrades mit Vorbau. Dabei greift Fischer-Blessin auf nicht alltägliche Hilfsmittel zurück, wie zum Beispiel ein Zahnarztbesteck: „Damit lassen sich vortrefflich Dachziegel gestalten,“ betont der Künstler. Er geht davon aus, dass die restlichen Arbeiten im Januar fertig sein werden, sodass das Modell anschließend in die Kunstgießerei Schwab transportiert und dort in Bronze gegossen werden kann.

52 Firmenbesuche

Die Kosten belaufen sich auf rund 35 000 Euro, die der Heimatverein mit Eigenmitteln und mit Spenden heimatverbundener Sponsoren aufbringen will. Exakt 52 Firmenbesuche hat Dieter Huntebrinker in den vergangenen vier Wochen absolviert, um für das Projekt Spenden einzuwerben: „Das Sponsoring bei den Bueraner Bürgern ist schon erfreulich angelaufen, aber es gibt noch reichlich Umschläge, die noch auf den Schreibtischen liegen,“ äußerte Huntebriker die Hoffnung auf weitere Spenden. Denn: Das ehrgeizige Projekt soll allein vom Heimatverein und mit privaten Sponsoren gestemmt werden.

„Peter Fischer-Blessin hat auf den Punkt gearbeitet, genauso, wie wir uns das vorgestellt haben“, erklärten die Vorstandsmitglieder Jürgen Krämer und Dieter Huntebrinker, die das Projekt angeschoben haben.

Mehr Aufenthaltsqualität

Die Idee, eine historische Dorfansicht aus Bronze anfertigen zu lassen, hatten die beiden Heimatfreunde, nachdem ein schwerer Sturm die Linde vor der Apotheke zu Fall gebracht hatte. Krämer und Huntebrinker wiesen darauf hin, dass das geplante Denkmal stellvertretend für die zahlreichen historischen Kirchhofsburgen im Osnabrücker Land steht und in der Region ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Das Kunstwerk soll „für die kontinuierlich steigende Zahl der Besucher, die unseren Ortskern aufsuchen, eine Hilfe sein, um die historische Entwicklung eines solchen ländlichen Zentrums auch visuell zu erfassen“. Eine besondere Bedeutung erhält das Projekt auch dadurch, dass es den Schulen vor Ort auch ermöglichen soll, ein bedeutsames Stück der Ortsgeschichte im besten Wortsinn vor Augen zu führen. „Wir möchten mit diesem Denkmal Heimatgeschichte buchstäblich begreifbar machen“, meinen Huntebrinker und Krämer. Darüber hinaus solle mit der Plastik die Aufenthaltsqualität innerhalb der Kirchhofsburg weiter erhöht werden.