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Coaching mit vier Pferden Mellerin Kerstin Terkhorn schult Führungskräfte

Von Conny Rutsch | 27.10.2014, 16:59 Uhr

Ihre Pferde sind ihre Mitarbeiter. Und Freunde. Das strahlen sowohl die Vierbeiner als auch Kerstin Terkhorn aus. „Ich saß schon auf einem Pferd, bevor ich laufen konnte“, erzählt sie. Die Liebe zu den Pferden und der Wunsch außerhalb des Reitsports mit ihnen zu arbeiten, gewann schließlich die Oberhand über einen gesicherten Beruf im Beamtenverhältnis.

Heute kommen ihre Kunden zu ihr nach Wetter und benötigen ihre pädagogische und psychologische Hilfestellung in beruflichen und privaten Bereichen. Kerstin Terkhorn absolvierte ein Studium der Pädagogik und Didaktik an der Uni Hannover sowie an der Fachhochschule Osnabrück beim Vorsitzenden des Deutschen Bundesverbandes Coaching und „Coachingpapst“ Christopher Rauen zum systemischen Coach. Ihre Pferde sind ihre Berufspartner.

Sie steht zwischen Mara, Isa, Pae und Chrissy. Eine Stute schnobert der Chefin im Haar, die andere findet ihre Schuhe toll. Die großen Tiere wirken anhänglich wie Hunde und strahlen Gelassenheit aus. „Meine Pferde haben noch nie etwas Böses erlebt“, erklärt Kerstin Terkhorn. Angst vor ihnen muss niemand haben. Das ist auch wichtig, denn ihre Kunden gehen gewissermaßen hautnah mit den Vierbeinern um, wenn sie sich für ein Coaching mit den Pferden entschieden haben.

Es kommen vor allem Führungskräfte zu ihr oder Menschen, die sich und ihre Verhaltensmuster besser kennenlernen möchten.

Eine der ersten Aufgaben des Kunden ist die Beobachtung der kleinen Pferdeherde. Er soll herausfinden, wer die Chefin der Gruppe ist. Später wird er versuchen, die Aufgabe des Führenden zu übernehmen oder sich von den Pferden führen zu lassen. Einfühlungs- oder Durchsetzungsvermögen sind jetzt wichtig. Immer wieder bricht Kerstin Terkhorn das an den Pferden Erfahrene auf die Jobsituation des Kunden hinunter. „Pferde sind nicht nachtragend“, sagt sie. „Sie wägen jeden Augenblick aufs Neue ab, ob ihr Gegenüber ranghöher ist, sie ihm Vertrauen und Respekt entgegenbringen können und sich von ihm führen lassen.“

Die vier Stuten bleiben sich in der Arbeit immer treu. Sie lassen sich nicht täuschen und spiegeln dem Kunden immer wieder seine Handlungsweisen. Der Kunde reagiert auf die Pferde und umgekehrt. Ruhige Handbewegungen und leise Stimme, vor allem aber eine eindeutige Körpersprache wissen die Tiere zu deuten.

Vertrauen fassen

„Reitkenntnisse oder Pferdeverstand sind für die Teilnehmer in meinem Coaching nicht nötig“, erklärt Kerstin Terkhorn. Und sie freut sich immer wieder darüber, dass gerade die Menschen, die vorher noch nie so richtig nah an ein Pferd herangekommen sind, Vertrauen zu ihnen fassen und von ihnen lernen.

„Die Eigenschaften und Instinkte der Pferde sind es, die die Aufmerksamkeit des Teilnehmers fordern und sie auf das für ihn Wesentliche zurückbringen“, sagt die Pferdefrau. Und ihr selbst kommt es nie wie Zauberei vor, wenn ihre Partner einen Kunden zum Nachdenken über sich selbst und sein Führungsverhalten gebracht haben.

Respekt, Mut und Sich-Einlassen, das alles lehren die Pferde. Anhand von Videoaufnahmen kann der Kunde später nachvollziehen, was die Tiere ihm gezeigt haben. „Die Bilder bleiben ihm im Kopf, das ist Erlebnispädagogik, und die Kunden stärken ihre Stärken“, erklärt Kerstin Terkhorn zum Schluss.

Und dann – nach getaner Arbeit – spazieren die Pferde wieder auf die großzügigen Koppeln in den Hügeln um Wetter.