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WM-Premiere für Wellingholzhauser Blindentennis: Schwierige Umstände für Kaller in Spanien

Von Heike Dierks | 07.08.2019, 16:07 Uhr

Bastian Kaller aus Wellingholzhausen hat kürzlich an den internationalen Meisterschaften im Blindentennis im spanischen Alicante teilgenommen. Der 35-Jährige vom Löhner Tennisclub Rot-Weiß hat bei schwierigen Bedingungen ein Match gewonnen und drei Matches verloren.

Es war Kallers Premiere bei einer internationalen Meisterschaft. Die Tage von Alicante seien „anstrengend“ gewesen, aber auch sehr lehrreich, berichtet der zweifache Familienvater. Rund um das Turniergeschehen habe er bei spezialisierten Trainern intensiv trainieren können. Die offiziellen Wettkämpfe fanden dann in einer riesigen und sehr lauten Multifunktionssporthalle statt. Und so nett Anfeuerungen am Spielfeldrand sind: Die Lautstärke ist kontraproduktiv im Blindentennis, denn die Spieler verlassen sich bei der Ausübung ihres Sports auf ihr Gehör.

Im Blindentennis werden rasselnde Schaumstoffbälle eingesetzt, die größer und weicher sind als Tennisbälle. Der Sportler kann also hören, wie schnell der Ball fliegt und wo er aufkommt. Bei Vollblinden darf der Ball bis zu dreimal je Hälfte auftippen. Sie spielen im Kleinfeld. Zur Orientierung im Raum sind die Linien etwa mit Kreppband abgeklebt und so unter der Schuhsohle spürbar.

Kaller ist durch eine gutartige Tumorerkrankung im Bereich des Kleinhirns und der Netzhaut des Auges seit einigen Jahren vollblind. Als Jugendlicher spielte der Wellingholzhauser Tennis. Deswegen ist ihm die Technik grundsätzlich vertraut. Und er hat eine Vorstellung von den Ausmaßen eines Feldes. Erst seit gut zwei Jahren spielt er Blindentennis – und macht große Fortschritte.

Laute Halle irritiert Spieler

In Alicante wurde auf vielen Plätzen nebeneinander gespielt. Heruntergelassene Trennwände in der hohen Halle konnten nicht verhindern, dass die Spieler durch die vielen Geräusche irritiert waren. „Wenn man die Bälle nicht hört, ist das natürlich blöd. Während sonst auch mal längere Ballwechsel zustande kommen, gab es bei den internationalen Meisterschaften einen Aufschlag und vielleicht noch einen Return des Gegenspielers“, erzählt Kaller. Dennoch habe seine Teilnahme wichtige Erkenntnisse gebracht. „Ich habe gemerkt, dass ich meinen Aufschlag umstellen muss.“ Damit er bei künftigen internationalen Wettkämpfen konkurrenzfähiger ist.

Derzeit erholt sich der Grönegauer von einem operativen Eingriff am Kleinhirn. Daher kann er derzeit nicht trainieren. Ende September möchte er an einem Workshop zum Blindentennis in Köln teilnehmen.