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Blei wird bevorzugt Bleifreie Munition: Meller Jäger skeptisch

Von Stefanie Witte | 16.12.2013, 19:11 Uhr

Das Thema ist brisant und die Frage nach einem öffentlichen Statement sorgt nicht gerade für Begeisterungsstürme bei den Jägern: Es geht um bleifreie Munition.

Auch die Meller Jägerschaft ist skeptisch. Ab April 2014 soll in den niedersächsischen Landesforsten keine Blei-Munition mehr verwendet werden. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) will damit ein Zeichen setzen. Bleifreie Munition ist seit Langem in der Diskussion. In einem offenen Brief, unter anderem von NABU und BUND, forderten die Unterzeichner im April dieses Jahres ein bundesweites Verbot von Bleikugeln.

Zum einen sei eine Bleivergiftung die häufigste Todesursache bei Seeadlern, die Geschoss-Fragmente aus angeschossenen Wildtieren fressen. Zum anderen schädige das Blei im Wildbret den Menschen. Die Alternativen seien im Tötungs- und Abprallverhalten gleichwertig.

Volker Kögel, Schießobmann der Jägerschaft Melle, ist davon nicht überzeugt: „Da hört man recht unterschiedliche Sachen.“ Das Verhalten der Alternativ-Kugeln, die zum Beispiel aus Messing, Kupfer oder Zinn gefertigt sind, sei „erst zu einem gewissen Teil erforscht“. Außerdem bringe eine Änderung großen Aufwand mit sich: Schießstände müssten umgerüstet, die alten Munitionsbestände aufgebraucht werden. Die Frage sei auch, welches Geschoss für welches Kaliber infrage komme. Kögel ist sich sicher: „Das wird in den nächsten Monaten bestimmt heiß diskutiert.“

Fritz Mithöfer, Vorsitzender der Jägerschaft, sieht das ähnlich. „Ich halte das Thema von politischer Seite für überspitzt.“ Der Jäger geht davon aus, dass die bleifreie Munition früher oder später kommen werde. Allerdings verhielten sich die Geschosse anders, als die bekannten Bleigeschosse. „Im Prinzip ist es mir ja egal, womit ich schieße“, sagt Mithöfer. Allerdings bezweifelt er, dass die Tötungswirkung der beiden Munitionsarten gleich sei.

Ein Meller Jäger, der nicht genannt werden möchte, hat bereits mit der Alternativ-Munition geschossen. Er jagt regelmäßig im Landesforst in Brandenburg, wo nur bleifreie Munition zugelassen ist. „Ich habe es ausprobiert, weil ich es musste. Sonst hätte ich das nicht gemacht.“ Sein Fazit bei fünf mit bleifreier Munition getöteten Tieren lautet: „Wenn Sie gut schießen, macht das keinen Unterschied.“ Wenn ein Schuss allerdings nicht perfekt sitze, gebe es Unterschiede. Um ein verwundetes Tier schnell zu finden, müssen Hunde den Blutgeruch des Tieres aufnehmen. Bei den härteren bleifreien Geschossen habe er festgestellt, so der Meller, dass das Tier weniger Blut verliere und so auch schwerer zu finden sei. „Verbleite Munition ist derzeit für das Tier besser“, sagt der Jäger. Außerdem verhalte sich die Kugel anders, wenn sie etwa von einem Stein abpralle.

Das vom Bundesministerium in Auftrag gegebene DEVA-Gutachten (Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen) kommt zu dem Schluss, dass sich der Ablenkwinkel bleifreier und bleihaltiger Geschosse nicht signifikant unterscheide. Allerdings sei die Energie und Reichweite der bleifreien Geschosse wesentlich höher. Der Meller Jäger ist unterm Strich skeptisch: „Wenn ich heute die Wahl hätte, würde ich lieber mit Blei schießen.“ Er glaubt aber auch an ein Entwicklungspotenzial der Alternativen.

Übrigens: Vier Jäger der Osnabrücker Jägerschaft erlegten im April 32 Schalenwild-Tiere mit bleifreier Munition. Ihr Fazit: „Besser als erwartet“. Die Jäger konnten keinen Unterschied zur Bleimunition feststellen.