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Bedarf an Förderstunden steigt Inklusion ist in Meller Schulen angekommen

Von Kirsten Muck | 08.07.2014, 16:23 Uhr

Melle/Buer/Neuenkirchen/Riemsloh. Das erste inklusive Schuljahr ist um. Zeit für ein erstes Fazit. Einig sind sich die Meller Schulleiter vor allem in einem: Sie benötigen mehr Förderschulstunden.

Insgesamt haben sich die Schulen in Melle weitestgehend auf die Inklusion eingestellt. „Uns hat die Inklusion nicht überrollt“, stellt Resi Quappen, kommissarische Schulleiterin der Grundschule Riemsloh, fest. Seit Jahren schon nimmt die Schule Kinder auf, die Förderbedarf haben. Früher nannte man es Integration, heute heißt es Inklusion. Auch Michael Ehlhardt, Leiter der Grundschule Neuenkirchen, geht gelassen an die Inklusion heran. „Für uns ist das nicht so großes Neuland“, sagt er. Allerdings bemängeln beide, dass die Landesregierung für die Umsetzung der Inklusion zu wenig Förderstunden bereitgestellt hat.

Das Beste rausholen

An der Grönenbergschule hat Schulleiter Andreas Wegesin einen Weg gefunden, mit den wenigen Mitteln das Beste rauszuholen. Er hat eine erste Klasse gebildet, in der die fünf Schüler, die sonderpädagogisch betreut werden müssen, zusammen sind. Zum einen hat er dadurch nur 15 Kinder in der Klasse – jeder Schüler mit Unterstützungsbedarf zählt nämlich doppelt. Zum anderen sichert er sich die dauerhafte Besetzung mit einer Fachlehrerin und einem Förderschullehrer. „Es gab natürlich Bedenken, bei Eltern und Kollegen. Aber es hat sich gezeigt, dass alle damit gut zufrieden sind“, schildert er seine Erfahrung mit diesem Modell.

Wegesin und die anderen Schulleiter haben die Wiehengebirgsschule an ihrer Seite. Sie steht ihnen als Förderzentrum mit Rat und Personal zur Seite. Für jede Klasse steht den Grundschulen ein sonderpädagogischer Förderbedarf von zwei Stunden pro Woche zur Verfügung. Eine zweizügige Grundschule mit insgesamt acht Klassen kommt demnach auf 16 Förderschulstunden pro Woche. Diese 16 Stunden decken die Lehrer aus der Wiehengebirgsschule ab. Wird bei einem Schüler ein zusätzlicher Förderbedarf festgestellt, zum Beispiel im Bereich Geistige Entwicklung, bekommt die Schule fünf zusätzliche Stunden.

„Die Personalplanung ist für mich irre kompliziert geworden“, erklärt Axel Mittelberg, Leiter der Wiehengebirgsschule. Seine Kollegen springen zwischen der Förderschule und den elf Grundschulen und fünf weiterführenden Schulen. Optimal sei das nicht, gibt Mittelberg zu. „Man hat nicht mehr den Hafen, in den man zurückkehrt“, sagt er. Allerdings versucht Mittelberg, die Einsätze auf maximal zwei unterschiedliche Schulen zu begrenzen.

Mit gesunder Skepsis sieht Mittelberg auch die Wahlmöglichkeit der Eltern, ihr Kind trotz Förderbedarf an einer Regelschule einzuschulen. „Für einzelne Schüler reicht es eventuell nicht“, stellt er klar. Die seien dann besser an seiner Schule aufgehoben, weil dort in kleineren Klassen unterrichtet und ein breites Angebot an Therapien und lebenspraktischen Kursen angeboten werde.

Auf Dauer problematisch

Michael Ehlhardt sieht ebenfalls Grenzen der Inklusion, nämlich immer dann, wenn Kinder verhaltensauffällig sind und in Gruppen nicht zurecht kommen. „Die Kinder bräuchten eine 1 zu 1 Betreuung, die sie aber nicht bekommen“, erklärt er. „Und das macht es auf Dauer problematisch.“

Auch an den weiterführenden Schulen gibt es vereinzelt schon Kinder, die vor der Inklusion noch zur Wiehengebirgsschule gegangen wären. „Learning by doing“, fasst Angelika Grobe, Schulleiterin der Oberschule Buer, das erste Jahr mit Inklusion zusammen. Auch sie bemängelt, dass es zu wenige Förderstunden gibt und ist heilfroh, sich auf die Unterstützung der Kollegen aus der Wiehengebirgsschule verlassen zu können.

In den Schulen in Melle ist die Inklusion angekommen. Doch ist sie es auch in unserer Gesellschaft?