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Batuhan Eris: Rächer der Genervten Meller Poetry-Slammer fährt zum „National“ in Berlin

Von Michael Hengehold | 01.07.2014, 17:07 Uhr

Es bedurfte einigen Anschubs durch seine Lehrerin, aber inzwischen hat sich der 16-jährige Batuhan Eris aus Oldendorf in der regionalen Poetry-Slam-Szene etabliert. Drei Siege hat er bei den Dichterwettbewerben mit seinen provokanten Texten eingefahren.

Marietta Vortkamp, Deutschlehrerin an der Ratsschule, war es, die vor anderthalb Jahren beharrlich blieb und Batuhan in die Slam-AG der Schule quatschte: „Anfangs hatte ich keinen Bock.“ Der muss sich irgendwann eingestellt haben, denn der Zehntklässler verfasste seinen ersten Text „Huansohn“ (der Titel erklärt sich lautmalerisch), in gerade einmal einer halben Stunde. Darin geht es um die Generation Porno, um rauchen, saufen und Drogen –kurzum die Lebenswirklichkeit der heutigen Zehnjährigen, wie Batuhan sie wahrnimmt.

„Richtige Azzlacks“

„Die Kriminalitätsrate ist um 5000 Prozent gestiegen“, spuckt der Schüler in seinem Text, zur Begrüßung sagt man „Na, du Missgeburt“ und die Grammatik hat sich auch schwer verändert: Statt „Subjekt, Prädikat, Objekt“ fängt man heutzutage mit „ey“ an, gefolgt von „Subjekt, Beleidigung, Prädikat, Objekt, Beleidigung“ und „Cho“ am Ende. Ohne „cho“ – eine Interjektion wie „och“, „aua“ oder „ey“ – beendet kein „richtiger Azzlack“ seinen Satz, hat Batuhan festgestellt oder behauptet es zumindest.

Wenn der 16-jährige Jungdichter in die Wortschlacht zieht, wird es derb – zur Freude des Publikums, das ihn im BÜZ in Minden bereits dreimal als Sieger gewählt hat, aber auch zweimal nur auf den zweiten Platz, dieAzzlacks.

20 Minuten hat Batuhan für den Text gebraucht, der für ihn „pure Satire“ darstellt. „Inzwischen nervt der, aber ich muss ihn immer wieder vortragen, weil alle sagen, dass der so gut ist.“

„Scheiß Ausländer“ folgte, in dem Batuhan Klischees droppt: saufende Russen, „Hast-du-ein-Problem?“-Türken – solche Typen halt. Auch Hipster, „so Jungs in Leggins“, Bitches (zu freizügige Mädchen), Typen, die Carhartt-Beanies tragen und Snapback-Träger, Yolo-Schwätzer und Swag-Nerver bekommen ihr Verbalfett weg. Wem das alles so gar nichts sagt, der hat übrigens kein Problem, cho. Ist halt so Hipsterkram und Jugend-slang.

Batuhan gefällt sich auf der Bühne in der Rolle des Rächers der Genervten: „Ich komm schon so genervt rüber und gelangweilt.“ Abseits der Bühne ist er ein sympathischer junger Mann.

Die Eltern finden‘s witzig und sind megastolz, die 13-jährige Schwester ist Fan, der Freundeskreis begeistert: „Die finden meine Texte – ich zitiere: ,genial‘!“. Seine Genialitäten haben Batuhan nun einen Auftritt beim U20-Poetry-Slam in Berlin eingebracht. 60 Startplätze werden beim „National“ (24. bis 27. September) an Slammer vergeben, die mindestens drei Siege in Regionalentscheiden aufweisen.

Slammer treten ohne Hilfsmittel oder Kostüm auf, Singen ist nicht erlaubt, Worte, Mimik, Gestik und Betonung zählen: „Ein guter Text allein reicht nicht“.

Am Mittwochabend (3. Juli, ab 19 Uhr) tritt Batuhan als „Opfer“ (ohne Wertung) bei der U20-OWL-Meisterschaft im BÜZ Minden an. Da trifft er seinen Coach, BÜZ-Slammaster Peter Küstermann, der mit der Rats-Slammern der AG regelmäßig übt. Mit einem seriösen Text will der Oldendorfer aber erst einmal nicht auflaufen: „Ernste Texte werden meist nicht ernst genommen.“