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Ausstellung Werkstattprojekt Drei Meller Schulen wollen „Begabung fördern“

Von Conny Rutsch | 10.07.2015, 12:58 Uhr

Ganz im Ernst: Große Künstler stellen in der Alten Posthalterei immer mal aus. Aber die Idee, jungen Schülern mit neuen Ideen an diesem Ort eine Plattform zu geben, ist tatsächlich neu.

Die drei Schulleiterinnen der Oberschulen Buer , Angelika Grobe, und Neuenkirchen, Sandra Apeler, sowie der Integrierten Gesamtschule (IGS) Melle , Marlies Brüggemann, eröffneten am Donnerstag eine Schülerausstellung in der Alten Posthalterei, die es so noch nie gab.

In ihrer Begrüßung betonten die drei Schulleiterinnen, dass die Schüler mit dem schulübergreifenden Werkstattprojekt Erfahrungen sammeln, sich auf Neues einlassen und gemeinschaftliches Lernen üben konnten, so Angelika Grobe. Sandra Apeler sagte, dass mit Umdenken und Umplanen die Schüler einen „Flow erlebt hätten“. Marlies Brüggemann betonte: „Die Schüler waren mit einer unglaublichen Ernsthaftigkeit bei der Sache.“

„Wir gemeinsam“

Alle drei Schulleiterinnen sind sich sicher, dass die Schüler Ruhe in dieser besonderen Arbeit gefunden und sich in ihren Gedanken experimentell beschäftigt hätten. Durchhaltevermögen und die Entwicklung ihrer Stärken sei ein besonderes Ziel der gemeinsamen Kunstarbeit gewesen. Die Schüler ihrerseits betonten vor allem, dass das Dreischulen-Projekt sehr spannend gewesen sei und das Gefühl von „Wir gemeinsam“ gestärkt habe.

Ein Jahr lang arbeiteten Schüler in unterschiedlichen Arbeitsgemeinschaften. In der Musical-Werkstatt entstand unter der Leitung von Boris Brock, Fachleiter Musik an der Oberschule Neuenkirchen, das Musical „Aischa und Paul“, das mit einem Riesenerfolg in der Alten Stadthalle aufgeführt wurde (wir berichteten). Uli Ludwig, Schulsozialarbeiter an der Oberschule Neuenkirchen, zeigte sich im Nachhinein über die „superintensive und hochkonzentrierte Arbeit der Schüler“ sehr erfreut.

Über das Thema „Menschen in Melle während des 2. Weltkrieges“ zeigen die Schüler des Projektes „Gesellschaftswissenschaften“ in der Ausstellung, welchen Einfluss der Krieg in Melle auf das Alltags- und Berufsleben hatte und gingen der Frage nach dem Schicksal jüdischer Menschen in Melle nach. Die Geschichtslehrerin der Oberschule Buer, Monika Born, leitete die Schüler auch zu Straßeninterviews an.

Künstlerwerkstatt

Mit funktionierenden Robotern begeisterten die Schüler der Werkstatt „Naturwissenschaft und Technik“ die Besucher der Vernissage. Julian Dünhölter, wie alle anderen Teilnehmer des Gesamtprojektes aus der 8. Klasse, programmierte mit seinen Teamkollegen kleine Roboter auf vier Rädern, die gezielt bestimmte Strecken und Kurven fahren und sogar sprechen können. Pia-Sophie Kruckemeyer erklärt: „Ich überlege mir vorab, welche Bewegungen der Roboter oder wie viele Reifenumdrehungen er machen soll, dann setze ich meine Ideen in ein Programmierprogramm um, und per USB-Kabel werden die Befehle auf den Roboter übertragen.“

In dieser Werkstatt zeigen die Schüler auch, dass Brücken aus Papier durchaus haltbar sind oder wie man aus einfachen Mitteln eine Batterie herstellen kann. „Auch sogenannte Superabsorber, wie sie in Babywindeln verwendet werden, haben wir untersucht“, erklärte Kursleiter Kevin Glier, Fachbereichsleiter für Naturwissenschaften an der IGS.

In der Künstlerwerkstatt entstanden unter der Leitung von Sonja Hallmann-Groth, Fachbereichsleiterin Kunst an der IGS, Bilder und Linolschnitte sowie Installationen mit Puppen. Die Schüler sollten etwa über das Erstellen von schrillen Kostümen für die Barbies die Hippiezeit kennenlernen und darstellen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt, Annegret Mielke, lobte das Projekt, das unter dem Motto „Begabung fördern“ steht. Es sei das erste Projekt, in dem nicht aus Defiziten heraus gefördert und auf den Förderbedarf geschaut worden sei. „Der Focus dieses Werkstattprojekts ist auf Intelligenz und Begabung gelegt worden und die Begabtenförderung damit einzigartig umgesetzt“, betonte sie.