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Aus dem Ortsrat Riemsloh Telefonzelle in Melle wird zu Bücherschrank

01.07.2014, 17:23 Uhr

Trotz teils erheblicher Bedenken hat sich der Ortsrat Riemsloh am Montagabend einstimmig für die Finanzierung eines offenen Bücherschranks in einer ehemaligen Telefonzelle auf dem Kastanienplatz entschieden.

Allerdings setzte das Stadtteilparlament aus seinem schmalen Budget zugleich eine Obergrenze von 600 Euro für das Wagnis fest.

Zur Vorgeschichte: Als die Telekom im April den Abbau der letzten Telefonzelle Riemslohs ankündigte, hatte die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Ulla Buermeyer (Grüne) die Idee, das Telefonhäuschen als öffentlichen Bücherschrank zu nutzen (wir berichteten). In dieser beleuchteten Bürgerbibliothek könne jeder jederzeit seine gelesenen oder überzähligen Bücher in das Regal einräumen und sich Lesestoff ohne jegliche Formalitäten ausleihen oder sogar behalten.

Die Sache wurde allerdings komplizierter und teurer als gedacht: Denn die Telekom baute die Zelle aus formal-rechtlichen und bürokratischen Gründen ab und brachte sie zur Instandsetzung nach Berlin. Jetzt muss dort eine überholte Telefonzelle gekauft werden. Die Modelle in magenta-grau kosten 350 Euro, 450 Euro müssen für ein gelbes Häuschen hingeblättert werden. Dazu kommen die Kosten für den Transport und den Anschluss an die noch vorhandenen Stromleitungen. Da ein örtliches Maler-Unternehmen den Transport kostenlos übernehmen will, rechnet Ortsbürgermeister Günter Oberschmidt (CDU) mit maximalen Kosten von 600 Euro.

„Wir haben eine Bibliothek in der Pfarrei und eine weitere in der Schule“, bezweifelte Dieter Kintscher (CDU) den Bedarf und den Nutzen eines offenen Bücherschrankes. Dieter Göhner (SPD) wies auf die Gefahr von Vandalismus hin. Trotz großer Skepsis plädierte Heiner Thöle (FDP) für das Wagnis, denn „gute Ideen haben nur eine Chance, wenn zuweilen auch in riskante Experimente investiert wird“. „Bücher im heimischen Regal sind verlorene Ressourcen, ein jederzeit Tag und Nacht geöffneter Bücherschrank kann Lust auf Bücher machen und sich positiv auf die bereits vorhandenen, nur zeitweise zugänglichen Bibliotheken auswirken“, warb Ulla Buermeyer für ihre Idee. Mit Erfolg: Auch die Skeptiker unterstützten das schließlich einstimmige Ortsratsvotum für den Bücherschrank.

Das zweite Sitzungs-Thema war die schon in vorherigen Sitzungen ausführlich diskutierte Bebauungsplanänderung „Ortskern Riemsloh“, die ohne Debatte zur Abstimmung im Stadtrat durchgewunken wurde. Die Änderung ermöglicht einerseits den Bau seniorengerechter Wohnanlagen, andererseits aber auch die Verdichtung des Ortskerns durch Bebauung von Lücken (wir berichteten). Den in Privatinitiative gepflegten Kreisel in Hoyel bezeichneten SPD-Fraktionschef Dieter Göhner und Ortsbürgermeister Günter Oberschmidt als „vorbildlich“.

Für Diskussionen sorgten Ergebnisse der Verkehrsschaukommission, die sich einige kritische Verkehrssituationen im Stadtteil angesehen hatte. „Nicht nachvollziehen“ konnte Ulla Buermeyer die Entscheidung, die Tempobegrenzung von 70 km/h vor den Kurven und Unfallschwerpunkten der St. Annener Straße nicht weiter zu reduzieren. Siegfried Göhner (SPD) plädierte dafür, das weitere Vorgehen der Verkehrsschau bei der Ermittlung der Voraussetzungen zur Verbesserung der Überquerungshilfe Alt Riemsloh/Wellingstraße/Ratsherrenstraße genau zu beobachten und nachzuhaken.

Erfreut zeigte sich das Stadtteilparlament dagegen über die Verkehrsschau-Entscheidung, nach Hinweisen von Anwohnern den Standort des Bushäuschens „Hünenburgweg“ zu verlegen, um das Sichtdreieck freizuhalten.