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„Alle Hände voll zu tun“ Bruchmühlen: Vom Kommunalpolitiker zum Tagesvater

Von Marita Kammeier | 17.12.2015, 12:09 Uhr

Den Berufswechsel vom Kommunalpolitiker zum Tagesvater hat Friedhelm Zingel nicht bereut. Einige Aufgaben, wie die Einhaltung des Zeitplanes und die Motivation mit regelmäßigen Streicheleinheiten sind durchaus ähnlich.

Es ist eine quirlige Runde, die frühmorgens ab 6.30 Uhr durch das Haus mit der Großtagespflege tobt. Sechs putzmuntere Kleinkinder im Alter von einem bis knapp zwei Jahren, deren Mütter berufstätig sind, passen genau auf, dass sämtliche Rituale exakt eingehalten werden.

Zum Beispiel beim Frühstück um 9 Uhr: Wenn Friedhelm und Christa Zingel die Kaffeebecher, der eine mit Sonnenmotiv und der andere mit roten Tulpen bemalt, versehentlich vertauschen, dann ist das nicht in Ordnung. „Es sollte nicht unterschätzt werden, was so kleine Kinder schon alles mitbekommen“, sagt Christa, die bereits seit 28 Jahren als Tagesmutter arbeitet.

Spielen im Sandkasten

„Wo sind Toni und Pepe?“ Emily und Luzie vermissen zwei ihrer Spielkameraden, während sie in der Küche Obst essen. Nacheinander erscheinen die kleinen noch etwas verschlafen wirkenden Jungen. Im großen Kreis der Apfel- und Gemüserunde tauen die Zwei jedoch schnell auf, denn Carolin und Ben essen bereits Apfelscheiben. Toni liebt Paprika, während Pepe Weintrauben bevorzugt und Luzie begeistert Physalis nascht.

Anschließend folgt der große Aufbruch nach draußen mit gemeinsamem Spielen im Garten, am liebsten im Sandkasten unter dem Zeltdach. Doch vorher, das wissen die Kleinen, müssen warme Kleidung und Schuhe angezogen werden. „Friedhelm, du musst das richtig machen“, ruft die aufgeweckte Luzie. Es gibt so einige Tricks, um die Stiefel über die dicken Socken zu ziehen und den Kindern in die Winter- und Schneeanzüge zu helfen.

Die Tageseltern haben alle Hände voll zu tun, denn jedes Kind braucht individuelle Betreuung und Zuwendung. Der Tagesplan muss auf die Minute eingehalten werden. Mittags wartet ein Kindergartenkind auf Abholung, während ein Schüler an der Haltestelle aussteigt.

Maximal acht Kinder

„Maximal acht Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren dürfen wir in der Zeit von 6.30 Uhr bis 17.30 Uhr aufnehmen“, erklärt der frühere SPD-Kommunalpolitiker, der hauptberuflich als Gruppenleiter im Osnabrücker Studentenwerk arbeitete und seit 1986 ehrenamtlich im Ortsrat Bruchmühlen tätig war.

Die Zahl seiner Ämter war vor einigen Jahren noch endlos: 10 Jahre als Ortsbürgermeister und SPD-Parteivorsitzender in Bruchmühlen, 10 Jahre im Stadtrat Melle, Vorsitzender des Ausschusses Bauen und Planen und Mitglied im Tiefbau- und Kulturausschuss.

„Der Entschluss zum beruflichen Wechsel mit der Ausbildung als Tagesvater ist langsam gereift“, erzählte Friedhelm Zingel und betonte dabei, dass er heute mit der Politik abgeschlossen habe: „Das sollen Jüngere mit neuen Ideen machen.“ Anfangs sei die neue Aufgabe zwar eine große Umstellung gewesen, doch heute sei er sehr zufrieden und für die Kinder sei es gut, wenn sie auch eine männliche Bezugsperson hätten.