„Blumiges Melle“ verteilt Saatguttütchen Fans des VfL Osnabrück sollen Blumen im Landkreis sprießen lassen

Von Konstantin Stumpe

Für sein Projekt „Blumiges Melle“ zeigt Kai Behncke vollen Körpereinsatz, hier an der Bifurkation. Er wünscht sich aber auch manchmal besseres Gerät. Foto: Julia BehnckeFür sein Projekt „Blumiges Melle“ zeigt Kai Behncke vollen Körpereinsatz, hier an der Bifurkation. Er wünscht sich aber auch manchmal besseres Gerät. Foto: Julia Behncke

Melle. Im November ist das Projekt „Blumiges Melle“ durch das Bundesfamilienministerium als eine der schönsten Nachbarschaftsaktionen 2017 ausgezeichnet worden. Für Kai Behncke, Initiator des Projektes, kein Grund sich auszuruhen. Auch für 2018 hat er ehrgeizige Ziele. Eine Kooperation mit dem VfL Osnabrück ist im wahrsten Sinne des Wortes bereits eingetütet.

Das Ziel von „Blumiges Melle“ ist, auf unterschiedlichen Flächen eine mehrjährige Blühmischung auszusäen, um somit zusätzliche Nahrung für Honig- und Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten zur Verfügung zu stellen. Die Blühwiesen sollen dem Insektensterben entgegenwirken. Besonders Wildbienen sind bedroht. „Gerade die haben eine unglaublich hohe Bestäubungsleistung, mehr als die Honigbiene“, erklärt Behncke im Gespräch mit unserer Redaktion. Zu Wildbienen zählen sowohl einzeln lebende Bienen als auch Hummeln. Ihr Vorteil gegenüber normalen Honigbienen ist, dass sie schon bei kühleren Temperaturen aktiv werden. So können sie Pflanzen bis zu 18 Stunden am Tag bestäuben und sind auch im Hinblick auf die Jahreszeiten länger aktiv. (Weiterlesen: Blühwiesen dank Meller Initiative in einem Kataster)

Bessere Maschinen gewünscht

Bislang hat das Projekt laut Behncke 38 Flächen mit einer Gesamtausdehnung von mehr als acht Hektar in Blühwiesen verwandelt. Fast wöchentlich kämen weitere Flächenangebote hinzu. Die Meller Firmen Zentrale Autoglas, Spies Kunststoffe und Neuero sowie verschiedene Privatbürger stellen in 2018 weitere Flächen kostenlos zur Verfügung. „Das Flächenangebot ist deutlich höher als das, was wir finanziell und arbeitstechnisch mit unseren Maschinen schaffen können. Leider müssen wir daher bei 50.000 Quadratmetern ein Stop setzen, auch wenn wir gerne viel, viel mehr schaffen würden“, sagt Behncke. Anträge für bessere Maschinen habe Behncke schon bei verschiedenen Stiftungen gestellt. Das Projekt „Blumiges Melle“ läuft im August 2018 aus. „Auch danach muss es weitergehen“, betont der Umweltschützer.

Ausdehnung auf Landkreis

Die Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück sowie das bundesweite Netzwerk „Blühende Landschaft“ hätten dafür bereits eine Förderung des Folge- und Erweiterungsprojektes „ Blumiger Landkreis Osnabrück“ zugesagt. Geplant ist eine Ausweitung des Projektes auf den südlichen Landkreis Osnabrück gemeinsam mit dem Bienen-Bündnis Landkreis Osnabrück Süd. „Es geht nun darum, dass Blühflächen keine „Inseln“ darstellen, sondern dass eine Biotopvernetzung erzielt wird“, blickt Behncke in die Zukunft. Dann können die Insekten von einer Blühwiese zur anderen fliegen. „So erreichen wir auch eine Vermischung des Genpools. Das ist für die Bestandsentwicklung sehr wichtig“, bekräftigt Behncke.

Projekt mit VfL Osnabrück

Für mehr blühende Flächen im Landkreis Osnabrück soll auch ein gemeinsames Projekt mit dem VfL Osnabrück sorgen. Bei Heimspielen des Drittliga-Klubs sollen zukünftig Saatguttütchen und Flyer verteilt werden, die auf das Projekt hinweisen. Behncke hofft, dass die Fans die Samen dann in ihren Gärten verstreuen: „Die Fans kommen aus dem ganzen Landkreis. Es gibt keine bessere Verteilung des Saatguts.“

Saatguttütchen soll es in Zukunft auch per Automat in der Mühlenstraße in Melle-Mitte geben. „Wir planen die Aufstellung eines aufgemotzten Kaugummiautomaten vor Georgs Bioladen“, sagt Behncke. Für 50 Cent kann sich dort jeder artenreiches und regionales Saatgut für Blühpflanzen ziehen. (Auf Stippvisite bei den Klimaschutzgewinnern in Melle)

Wissenschaftliches Monitoring

All das soll dazu beitragen, dass sich der Bestand der Wildbienen wieder erholt. Um darüber verlässliche Aussagen treffen zu können, soll ein wissenschaftliches Monitoring installiert werden. Dies soll in Zusammenarbeit mit den Universitäten Osnabrück und Oldenburg sowie dem BUND geschehen. Über mehrere Jahre hinweg werden die Entwicklung der Blühwiesen und das Artenspektrum der Wildbienen analysiert um festzustellen, welche Änderungen an der Saatgutmischung oder an der Entfernung der Blühweisen zueinander getroffen werden müssen.