Schnellstes Tier weltweit Wanderfalke: Ein Brutpaar in Melle

Von Sigrid Sprengelmeyer

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Melle. Der Wanderfalke blickt auf eine traurige Vergangenheit zurück. Während in den dreißiger Jahren sein Bestand deutschlandweit bei annähernd 900 Brutpaaren lag, galt er in den siebziger Jahren als nahezu ausgerottet.

Deutschlandweit gab es damals nur noch 30 bis 40 Brutpaare. Wie kam es zu diesem extremen Bestandsrückgang? „Der Wanderfalke nahm über die Nahrungskette das damals meistverwendete Pflanzenschutzmittel DDT auf. Dieses Gift hatte zur Folge, dass das Weibchen dünnschalige Eier legte, die beim Brüten zerbrachen und die Brut scheiterte“, berichtet Volker Tiemeyer, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON).

Artenschutzprogramme

Neben dem verheerenden Einsatz von DDT machten aber auch die Verfolgung durch den Menschen, Abschuss, Aushorstung, sowie das Stehlen der Eier aus dem Horst, dem Wanderfalken das Leben sehr schwer. Nachdem aber der Einsatz von DDT verboten wurde, begann sich der Bestand der Wanderfalken wieder zu erholen. „Parallel entstanden Artenschutzprogramme, die sich mit der Auswilderung von in Gefangenschaft gezüchteten Jungvögeln beschäftigte. Dank dieses Umlenkens, hat sich die Population stabilisiert und liegt deutschlandweit um die tausend Brutpaare. Seit 2010 haben sich auch in Melle regelmäßig Wanderfalken gezeigt, die teilweise in den Gittermasten der Windkraftanlagen genächtigt haben. „Einer von ihnen war beringt und man hat herausfinden können, dass er zwischen seinem Schlupfort bei Bonn und Melle pendelte“, berichtet der Ornithologe.

Reiselustiges Tier

Dieser reiselustige Wanderfalke meisterte diese Strecke innerhalb von zwei Tagen und kehrte stets in den Grönegau zurück. 2011 wurde in Melle der erste Nistkasten gebaut, installiert und schon im gleichen Jahr angenommen. „Seitdem gab es jedes Jahr eine Brut oder einen Brutversuch, erzählt Tiemeyer. Das Wanderfalken-Gelege besteht aus zwei bis vier Eiern. Nach 29 bis 32 Tagen schlüpfen die Jungen, die noch 36 bis 40 Tage in der Brutnische versorgt werden. Bevor sie ausfliegen, wird ihnen durch die Alttiere der Beuteerwerb beigebracht.

Ein Wanderfalke, der in einer Felsnische erbrütet wurde, wird seinen eigenen Horst, aufgrund seiner Prägung, ebenfalls in einer solchen Nische finden. Sobald die Jungvögel überlebenstüchtig gemacht wurden, entlassen die Altvögel ihre Jungen ins Leben. So verlassen die Herangewachsenen das elterliche Revier, während die Alttiere am heimischen Standort bleiben. Der Wanderfalke ist 39 bis 50 Zentimeter groß und hat eine Flügelspannweite von 80 bis 117 Zentimeter.

Auffallend sind bei den Altvögeln der sehr dunkle Oberkopf und der breite, schwarze Backenstreif. Die Gefiederfärbung ist oben blaugrau und an der Unterseite hell mit dunklen Querbändern oder Flecken. Beachtlich sind die gelbe Wachshaut an der Schnabelwurzel und die gelben Augenringe.

Klassischer Vogeljäger

Annähernd 200 Vogelarten, unter anderem Stare, Rabenkrähen, Drosseln und Tauben gehören zu seiner Beute. Er ist ein klassischer Vogeljäger. Er jagt ausschließlich in offener Landschaft. „Über eine für menschliche Verhältnisse kaum vorstellbare Distanz von 1000 bis 1500 Metern kann er sein Beutetier auf seinem Spähflug oder Anwarteflug, teils segelnd in großer Höhe, ins Auge fassen. Dieser Flug mündet dann in einen Stoßflug. Dabei erreicht er eine unglaubliche Geschwindigkeit von bis zu 380 Km/h. Mit diesem Tempo touchiert er sein, sich in der Luft befindliches Beutetier. Seine Krallen verletzen die Beute oft tödlich“, berichtet Tiemeyer.

Die durch den Stoßflug erreichte Geschwindigkeit, macht den Wanderfalken zum schnellsten Tier weltweit. Die faszinierende Welt der Greifvögel steht als Synonym für die Natur und ihren Überlebenskampf. „Vögel sind Bioindikatoren, die Veränderungen ihres und unseres Lebensraumes anzeigen“, so Tiemeyer.

Wenn also Vogelarten im Bestand zu- oder abnehmen, können die Gründe, die sich dahinter verbergen, auch eine Bedeutung für den Menschen haben. „Eines der eindrücklichsten Beispiele ist das bereits erwähnte DDT“, mahnt Tiemeyer. Niemand begegnet den Menschen so ehrlich wie die Natur mit ihren tierischen Bewohnern. Sie und ihre Veränderungen ernst zu nehmen, sollte eigentlich selbstverständlich sein.


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